VonSarah Hankeschließen
Für zwei Monate bleibt bei der Bäckerei Neuhaus der Ofen kalt. Ein drastischer Schritt als Folge der Baustelle am Markt in Welver. Auch der Kiosk blickt in eine ungewisse Zukunft.
Welver – Wer gerne zum Frühstück frische Brötchen oder Buchweizenbrot von der Bäckerei Neuhaus hat, muss bald für einen längeren Zeitraum darauf verzichten: Von Montag, 10. Juni, bis einschließlich Sonntag, 4. August, sollen in der Bäckerei keine Backwaren mehr gebacken werden. Nach rund zwei Monaten Schließung soll die Bäckerei wieder gewohnt öffnen.
Auch der fahrende Bäckerwagen, mit dem die Bäckerei Neuhaus seit März die Dörfer rund um Welver ansteuerte, soll laut Informationen unserer Zeitung für diesen Zeitraum pausieren.
Ich drücke meinen Geschäftsnachbarn ganz fest die Daumen, dass sie überleben.
Per Aushang in der Filiale sowie auf Facebook informierte Bäckerei-Inhaber Kai Papke am Dienstag, 4. Juni, über diesen Schritt. Für ein Gespräch mit unserer Zeitung stand der Bäckerei-Inhaber nicht zur Verfügung.
Arbeiten zur Umgestaltung des Markts in Welver liegen im Zeitplan
Als Grund für die vorübergehende Schließung ist in der Kundeninformation die Baustelle am Markt genannt. Noch am Dienstagmorgen wurde von Seiten der Gemeinde Welver klargestellt, dass die Bauarbeiten zur Umgestaltung des Welveraner Markt im Zeitplan liege und der Baufortschritt sich sehen lassen könne. „Wir liegen voll im Zeitplan!“, habe sich die Gemeinde vom Polier der ausführenden Firma Strabag bestätigen lassen.
Derzeit würden die Rinnsteine gesetzt. In etwa vier Wochen soll dann bereits die Pflasterung auf dem Marktplatz erledigt sein, ist man zuversichtlich, den Platz bereits zum Sattel-Fest am 21. Juli als Fahrrad-Parkplatz nutzen zu können.
Weniger Laufkundschaft als Belastungsprobe für manches Geschäft
Der Beginn der Arbeiten für den zweiten Bauabschnitt zwischen Sparkasse und Apotheke soll wie geplant im Sommer erfolgen, um zum Jahresende abgeschlossen zu sein. Dann soll der dritte Abschnitt bis zum Filetstück in Angriff genommen werden. Ein Jahr später - also im Sommer 2025 - sollen alle Arbeiten in Welvers Ortsmitte abgeschlossen sein.
Bereits im Januar hatte unsere Zeitung berichtet, dass die Baustelle zur Neugestaltung des Marktplatzes für manch ein Geschäft eine Belastungsprobe geworden ist. Verbessert hat sich die Situation aus Sicht des Kiosks am Markt kaum. Die Umsatzeinbußen bewegten sich nach wie vor zwischen 50 und 60 Prozent.
Kiosk am Markt: „Wir leben von der Laufkundschaft“
Manche Tage seien „wirklich mau“. „Wir leben von der Laufkundschaft, die morgens vor der Arbeit eben am Kiosk vorbeifährt, um sich mit Tabak oder Energy-Drinks einzudecken“, sagt Alicia Röttger, die seit Juni ihr Angebot erweitert hat. Die Laufkundschaft sei zum Großteil weggebrochen. „Viele unserer Kunden ärgern sich wirklich über die Baustelle und sagen, dass sie geschäftsschädigend sei. Anders als der Rossmann oder Bäcker Dördelmann habe der Kiosk keinen eigenen Parkplatz, wo die Kunden kurz halten, eben reinspringen und ihre Besorgung erledigen können.
Schon jetzt sei es vor der Tür eng, besonders dann, wenn Menschen mit Rollstuhl, Rollator, Kinderwagen oder Radfahrer vorbeikommen. „Es ist jetzt schon eine Katastrophe.“ Röttger, seit April Inhaberin des Kiosks und damit Nachfolgerin für Priscilla Räupke, fragt sich, wie es weitergehen soll. Sie habe zudem gehört, dass der Bauzaun noch näher an die Häuser heranrücken soll. Mehr Auskunft von der Gemeinde würde sich die neue Inhaberin wünschen.
Situation bringt neue Kiosk-Inhaberin ins Schwitzen
„Man hat schon Angst, ich habe immerhin sieben Angestellte“, schildert Röttger die Situation, die sie ins Schwitzen bringe. „Es ist wirklich schwierig. Ich hoffe, dass wir noch solange durchhalten. Versprechen kann ich es nicht.“ Am 18. Juni bleibe der Kiosk geschlossen, weil Stromanschlüsse gelegt werden.
Uwe Consten sieht sich und seine Welver Optik nur bedingt von der Baustelle in Mitleidenschaft gezogen. „Wir sind nicht ganz so auf den Durchgangsverkehr angewiesen“, sagt der Augenoptikermeister. Betroffen seien jedoch auch seine Kunden, die nun nicht mehr vor seinem Geschäft parken könnten. „Wir haben ja einige ältere Menschen. Mit Gehstützen oder Rollstuhl ist das schon eine Herausforderung“, so Consten. Seine Nachbarn wie auch „Astare Bistro Pizzeria“ tun ihm leid. „Ich drücke meinen Geschäftsnachbarn ganz fest die Daumen, dass sie überleben.“
Unterdessen steht jetzt bereits fest, dass Blumen Wunsch nach über 20 Jahren zum 31. Juli das Geschäft schließen wird.

