Die Lüdenscheider SPD nominiert Sebastian Wagemeyer als Bürgermeister-Kandidaten für die Kommunalwahl 2025. Der Amtsinhaber sieht einen Wendepunkt.
Die Lüdenscheider SPD hat Sebastian Wagemeyer am Freitagabend als Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl 2025 nominiert. Der aktuelle Bürgermeister strebt eine zweite Amtszeit an. In dieser will er nach eigenen Worten mehr gestalten als in der von Corona, Brückensperrung, Hochwasser, Ukraine-Krieg und Cyberangriff überlagerten ersten Legislatur. Vom Krisenmanager zum Macher, der alle engagierten Gruppen in der Stadt im konstruktiven Dialog zusammenbringt, das ist das Bild, das er von sich bei der Wahlversammlung im Kulturhaus zeichnete.
Die Genossinnen und Genossen stellten sich geschlossen hinter ihn. 97,5 Prozent der 81 Wahlberechtigten stimmten für den vom Vorstand vorgeschlagenen einzigen Kandidaten. Neben einer ungültigen Stimme gab es zwei Enthaltungen. Wagemeyer bedankte sich für das Vertrauen. „Ein Glück gab es die zwei Enthaltungen. 100 Prozent Zustimmung ist bei der SPD nie ein gutes Omen“, scherzte der Bürgermeister. In einer ersten Reaktion freute er sich auf den Wahlkampf im kommenden Jahr und gab sich siegesgewiss – wenn alle in der SPD gemeinsam dafür kämpfen, die stärkste Kraft in Lüdenscheid zu werden und den Bürgermeister zu stellen. „Wir wissen, wem wir diese Stadt nicht überlassen wollen“, rief Wagemeyer den jubelnden Anhängern zu.
Zuvor hatte das neue Vorstandsduo der Lüdenscheider SPD die Genossen auf ihren Kandidaten eingeschworen. „In dir haben wir eine Persönlichkeit gefunden, die unsere Werte vertritt und der es zudem gelingt, eine Verwaltung zu managen und zu bespielen“, lobte Barbara Scheidtweiler den Bürgermeister als „starken Mann“. Ihr Vorstandskollege Philipp Kallweit brach mit Verweis auf die bundespolitischen Verwerfungen eine Lanze für die Kooperation von SPD, FDP und Grünen im Stadtrat. „Ampeln gibt es auch in seriös, und Lüdenscheid beweist das.“ Bei der kommenden Wahl wolle die SPD mit dem Amtsinhaber ein Angebot machen. Kallweit: „Mit Sebastian Wagemeyer haben wir einen Bürgermeister, der sich Tag und Nacht den Arsch für diese Stadt aufreißt.“
Nach der Wahl von Sebastian Wagemeyer als Bürgermeister-Kandidat der SPD stellten sich die Genossen geschlossen hinter ihn und hielten Plakate hoch mit der Aufschrift „Sebastian Wagemeyer. Mein Bürgermeister.“
Dann trat der Amtsinhaber ans Pult. Der 48-Jährige gab sich in seiner Rede kämpferisch – für seine Kandidatur, aber vor allem für die Beachtung der Regeln des demokratischen Diskurses. „Politische Rhetorik hat sich verschärft, und mit dem immer rauer werdenden Ton haben sich Grenzen verschoben, Das gilt für die Trumps und Höckes dieser Welt, in Teilen aber erschreckenderweise mittlerweile auch für unmittelbare politische Mitbewerber“, so Wagemeyer.
Bürgern, die ihn in Debatten als zu freundlich empfinden, hält er entgegen: „Freundlichkeit darf kein Nachteil sein, Freundlichkeit muss der Grundton jeder politischen Auseinandersetzung sein. Wenn wir Freiheit, Toleranz und Demokratie schützen wollen, benötigen wir Repräsentantinnen und Repräsentanten, die sich auch in diesem Sinne verhalten. Wir müssen an dieser Stelle Vorbilder sein. Und genau deswegen, werde ich meinen Stil nicht verändern.“
Die politische Bilanz seiner Krisen überschatteten bisherigen Amtszeit sieht er in der öffentlichen Wahrnehmung nicht ausreichend gewürdigt. Vor der Partei legte der ehemalige Schulleiter daher noch einmal dezidiert Zeugnis ab. Die neue Feuerwache, kommunaler Ordnungsdienst und den Kauf des Forums reklamiert Wagemeyer ebenso für sich, die Ampel und die Stadtverwaltung wie Leerstandsmanagement, Digitalisierung von Schulen, Musikschul-Eröffnung, Gründung der Stadtentwicklungsgesellschaft, Bautz-Festival und Stärkung des Lüdenscheider Stadtmarketings. Zum Altstadt-Umbau rief er den Genossen zu: „Wer da noch meckert, dem kann ich auch nicht mehr helfen. Alles richtig gemacht.“
Seine Rolle als Bürgerbeauftragter für den Neubau der Talbrücke Rahmede verteidigte er erneut. Er habe die Rolle nicht für sich angenommen, sondern weil er überzeugt war, dass es gut für Lüdenscheid ist. Das habe sich auch in der Debatte um das Lkw-Durchfahrtsverbot gezeigt, das im Sommer 2023 in Lüdenscheid eingeführt worden war. Wagemeyer: „Einer hat‘s gemacht, alle anderen haben den Schwanz eingezogen.“
Der Bürgermeister hatte angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage einen Wendepunkt ausgemacht, einen „Wendepunkt für unser Zuhause“. „Es ist ein Wendepunkt, der nicht nur die Gegenwart betrifft, sondern auch die Zukunft unserer Kinder, Familien und Älteren“, sagte Wagemeyer im Beisein von drei Generationen seiner Familie. Allein 38-mal benutzte er in seiner Rede das Bild des „Wendepunkts“, an dem sich vieles entscheide. Der Wendepunkt sei ein Moment der „Überzeugung, harter Arbeit und der Bereitschaft zum Dialog und Kompromiss“. Dieser Wendepunkt, daran ließ er keinen Zweifel, sei jetzt.
Sebastian Wagemeyer als Bürgermeister Kandidat der SPD nominiert