Absatz schwächelt

Autohändler suchen Wege aus Krise beim Verkauf von Elektroautos: „Geht nur übers Geld“

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Der Absatz von Elektroautos stockt – hohe Kosten schrecken ab. Aber viele Werler Autohändler sehen unverändertes Interesse an der Antriebstechnik.
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Der Absatz von Elektroautos stockt. Eine Umfrage unter den Werler Autohändler zeigt: Sie bewerten die Lage unterschiedlich - und machen sich Gedanken darüber, was nun zu tun ist.

Werl –Zum Gesetz von Spannung und Strom gehört der Widerstand – was sich auf die Elektromobilität übertragen lässt. Gegen wachsende Widerstände durch Misstrauen, hohe Kosten und Probleme der Lade-Infrastruktur kämpft die Branche. Wie bewerten Werler Autohändler die Entwicklung? Stehen sie weiter „unter Strom“ oder droht dem Automarkt eine „Ent-Spannung“ ohne E-Fahrzeuge? Unsere Redaktion hat sich umgehört.

Autohändler suchen Wege aus Krise beim Verkauf von Elektroautos: „Geht nur übers Geld“

Einheitlich ist das Bild nicht, das die Händler zeichnen. Sie gehen unterschiedlich mit der Absatzkrise um. Zumeist aber sehen sie den Absatzmarkt gebremst, vor allem nach dem Wegfall der Förderung. Zu teuer seien die Autos, aber Interesse bei Kunden noch immer vorhanden. Aber es geben zunehmende Vorbehalte.

Autohaus Stahl

„Es kommt immer auf den Kunden an, was er möchte“, sagt Wolfgang Stahl. Aber in einen Abgesang auf die E-Mobilität will der Händler trotz rückläufiger Absatzzahlen keinesfalls einstimmen. Im Gegenteil: Es liege nun auch am Handel, dem Trend sinkender Absatzmärkte entgegenzusteuern. „Und das machen wir“, sagt Stahl, der fest davon überzeugt ist: Alles hängt letztlich am Geld.

Das wieder anzukurbeln und um die Nachfrage zu vergrößern und den Verkauf zu fördern, geht nur über den Preis.

Wolfgang Stahl, Autohändler

„Das wieder anzukurbeln und um die Nachfrage zu vergrößern und den Verkauf zu fördern, geht nur über den Preis.“ Daher hat Stahl für die Autohäuser an der Unionstraße (Citroen/Peugeot) neue Finanzierungsmodelle mit niedrigpreisigen Leasing-Angeboten entworfen, die er sich vom Mutterhaus genehmigen lassen hat.

Diese „spezielle Steuerung für den E-Auto-Markt“ gelte auch für gebrauchte Stromer. Fünf hat Stahl aktuell auf dem Hof stehen („Auch die verkaufen wir, wenn auch nicht reißend“), zudem rund 20 Neufahrzeuge mit E-Antrieb. Das zeige ja schon, dass er auf die Technik setze. Zumal sie aus Sicht von Stahl tatsächlich noch immer „gefragt“ sei, wenn auch in der Regel in der Nutzung als Zweitwagen. „Erstwagen, die viel gebraucht werden, sind eher keine Elektroautos“. Richtig sei aber, dass die Nachfrage gesunken sei. Sie seien „etwas zu teuer und die Förderung fehlt“. Es gelte also, neue Anreize zu schaffen, finanzieller Art. „Es geht nur übers Geld, muss ich sagen.“

Bei Hybridfahrzeugen sieht Stahl einen stabilen Markt: „Die verkaufen sich gut.“

RK Autowelt

„Die Entwicklung beim Verkauf von E-Autos ist seit dem Ende der Förderung weiterhin stagnierend“, sagt Bert Dreifke, Verkaufsleiter der RK Autowelt Werl (Soester Straße). Und: „Die Kunden gehen wieder vermehrt auf Benziner oder Diesel.“ Hybrid-Fahrzeuge seien ebenso „eher wenig nachgefragt“. Die Häuser für VW und Skoda halten aber an E-Autos fest: „Wir haben von jedem E-Modell ein Fahrzeug ausgestellt“, sagt Dreifke.

Als Gebrauchtwagen ist die Vermarktung von Elektrofahrzeugen kein einfaches Unterfangen.

Bert Dreifke, Autohändler

Zudem merkt er an: „Als Gebrauchtwagen ist die Vermarktung von Elektrofahrzeugen kein einfaches Unterfangen.“

Die Hauptprobleme für den Absatz liegen laut Dreifke „immer noch in der Ladeinfrastruktur und den Reichweiten sowie dem Angebot an für die breite Masse auch finanzierbaren Fahrzeugen“. Persönlich glaube er aber, dass die Elektromobilität „sicher ihre Nische findet und eine Daseinsberechtigung hat, allerdings mittelfristig andere Antriebskonzepte nicht vollständig ersetzen wird. Wir brauchen hierzu sicher länger als von der Politik geplant.“

HVT Automobile

„Wir können die Entwicklung auf dem Markt der Elektroautos bestätigen: Die Nachfrage ist, nicht nur aufgrund der Einstellung der Förderung, zurückgegangen“, sagt Jürgen Walzinger (HVT Automobile GmbH, Unionstraße).

Geld ist mit Elektroautos schon lange nicht mehr zu verdienen.

Jürgen Walzinger, Autohändler

Er zeichnet ein düsteres Bild für die Zukunft E-Mobilität: „Wir verkaufen derzeit die Restbestände ab. Geld ist mit Elektroautos schon lange nicht mehr zu verdienen.“ Dies hängt mit der Sättigung des Markts, „aber in unseren Augen auch damit zusammen, dass viele Kunden festgestellt haben, dass das Elektroauto dem ‘Praxistest’ oftmals nicht standhält. Viele steigen deshalb sogar wieder auf Verbrenner- oder Hybridfahrzeuge um.“

Walzinger sieht kurzfristig kaum Möglichkeiten, den Absatz wieder anzukurbeln. Die Fahrzeuge müssten günstiger in der Anschaffung werden und eine größere Reichweite bieten. „Davon abgesehen ist auch das Thema der fehlenden Ladeinfrastruktur ein Thema bei unseren Kunden.“ Bei E-Autos sei HVT bei Inzahlungnahmen von Gebrauchtfahrzeugen „sehr vorsichtig, da auch der E-Auto-Gebrauchtwagenmarkt derzeit sehr schwierig ist“.

Pre-Car

„Die Elektromobilität ist bei mir im vollen Gange“, sagt Markus Hentze (Pre-Car Westönnen). Natürlich seien E-Fahrzeuge noch gefragt, „es kommt nur auf den Preis an. Ich kaufe sogar noch E-Fahrzeuge von Herstellern dazu“, betont Hentze. Die Probleme in der Branche liegen aus seiner Sicht „bei der Regierung, die durch die Subventionen den Herstellern indirekt die Taschen vollgemacht hat“ – zumal Hersteller die Preise um die Subvention plus einer „Summe X“ erhöht hätten, kritisiert der Händler. Sein Hauptaugenmerk liege allerdings immer noch bei den Verbrennern. Er ergänzt: „Die chinesischen Marken sind bei mir gefragt wie noch nie“ – zumal sie günstig seien „ohne Förderung“.

Lehnert

„Die kurzfristige Streichung der Prämien von Plug-in-Hybriden und Elektrofahrzeugen hat zu einer Delle bei den Zulassungen von batteriebetriebenen Autos geführt“, sagt Timo Lehnert vom Autohaus am Eck Hammer Straße, Runtestraße (Honda/SsangYong), das in diesem Jahr 50-jähriges Bestehen feiert. Der Anteil der Zulassungen bei reinen E-Autos sei „leicht rückläufig“. Erfreulich sei der Trend zum Vollhybrid und das „Comeback des Plug-in-Hybriden“, sagt Lehnert. „Die Kunden nehmen den Vollhybriden als ideale Überbrückungstechnologie zu reinen E-Mobilität an.“ Fahrer müssen das Nutzungsverhalten nicht ändern, fahren durch geringen Spritverbrauch weiter als mit klassischem Verbrenner, tanken nach und fahren wieder los. „Keine langen Pausen, trotzdem elektrifiziert und effizient unterwegs zu einem günstigen Preis“, sagt Lehnert.

Grundsätzlich seien aber auch reine E-Autos noch gefragt, „auf einem weiterhin geringeren Niveau, da es für viele Käufer die aktuell sinnvollste, ökologischste und langfristig günstigste Form der automobilen Investition sein kann.“ Allerdings seien viele Interessenten verunsichert und hätten das Vertrauen an die Zukunftsfähigkeit verloren, „da die Politik den Eindruck erweckt, nicht mehr hinter der Förderung dieser Technologie zu stehen“. Folge: Kaufentscheidungen werden vertragt oder nochmal ein konventioneller Antrieb gewählt, „aus Angst, auf die falsche Technik gesetzt zu haben.“

Der Wandel zur E-Mobilität wird kommen, genauso wie konventionelle Antriebe nicht verschwinden werden.

Timo Lehnert, Autohändler

Lehnert bietet aktuell drei Elektromodelle an, dazu den Plug-in-Hybrid. Alle Modelle seien vor Ort ausgestellt. Und wie bewertet er die Entwicklung? „Der Wandel zur E-Mobilität wird kommen, genauso wie konventionelle Antriebe nicht verschwinden werden. Weltweit steigt die Zahl der E-Mobilität.“ China und die USA seien dem deutschen Markt voraus, doch es bleibe wichtig, technologieoffen und bei allen Antriebsarten am Ball zu bleiben.

Lehnert missfallen Pauschalaussagen, dass E-Autos gut oder schlecht seien. „Was viele vergessen: Wir stehen am Anfang eines Umbruchs. Ein Verbot von klassischen Antrieben ergibt daher kurzfristig keinen Sinn, es gibt zu viele Einsatzzwecke, bei denen Hybride oder Diesel noch Vorteile haben.“

In den Strompreisen sieht Lehnert ein abschreckendes Problem. Koste die Kilowattstunde auf der Autobahn zu viel, wählen Kunden Alternativen – insbesondere, wenn klassischer Treibstoff wieder günstiger wird. Zudem spiele noch immer die Reichweitenangst eine „oft unbegründete“ Rolle, zudem die Sorge vor teuren Batterieschäden. Dabei gebe es Garantien, bei SsangYong zum Beispiel bei einem Modell von einer Million Kilometer. Da sei es „paradox, noch Angst um seinen Akku zu haben“.

Um den E-Absatz wieder anzukurbeln, bräuchte es laut Lehnert „ein klares Statement der Regierung mit langfristigen Förderprogrammen, vergünstigten Strompreisen und einem kontinuierlichen, zügigen Ausbau der Ladeinfrastruktur“.

Bei gebrauchten E-Autos müsse man sich „ganz genau die Fahrzeuge anschauen, der Preis spielt hier eine wesentliche Rolle, ebenso die Fahrzeugklasse.“ Luxusfahrzeuge mit E-Antrieb hätten es erheblich schwerer als Stadtautos. „Denn der E-Antrieb als klassischer Zweitwagen für die Kurzstrecke ist das ideale Stadtauto. Wenn es dann noch gebraucht und günstiger ist, schlagen Schnäppchenjäger gerne zu.“

Mercedes-Benz

Allgemeiner, weil nicht standortbezogen, fallen die Aussagen bei Mercedes-Benz aus, das in Werl mit dem Autohaus Dröge (Sternpark Gruppe) vertreten ist. Das Unternehmen „schafft weiterhin die Voraussetzungen für eine bilanziell CO2 -neutrale Neuwagenflotte im Jahr 2039“, sagt Mercedes-Sprecher Thorsten Mumme (Berlin). Klar sei, dass Mobilität CO2-neutral werden müsse. „Das Tempo der Transformation bestimmen die Marktbedingungen und die Wünsche unserer Kunden.“

Die Produktion sei antriebsflexibel aufgestellt. Richtig sei: „In Deutschland verlangsamte sich die Nachfrage nach E-Fahrzeugen nach dem abrupten Wegfall des Umweltbonus.“ Dennoch habe sich jeder dritte Kunde in Deutschland im ersten Halbjahr für ein E-Fahrzeug oder einen Plug-in-Hybrid entschieden.

Es liege in der Verantwortung der Politik, für die Rahmenbedingungen (Ausbau der Ladeinfrastruktur und erneuerbarer Energien) zu sorgen. Beim Gebrauchtwagenmarkt passe Mercedes Restwerte bei Bedarf an und treffe Maßnahmen, „um die Restwerte zu unterstützen, unter anderem mit Batteriezertifikaten“, sagt Mumme; sie seien auf die Folgehalter übertragbar.

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