Durch nasskalten Frühling

Weniger Wespen in NRW gesichtet – dafür ist eine andere Art auf dem Vormarsch

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Viele Wespen sieht man in diesem Sommer nicht. Aber gibt es weniger der schwarz-gelben Insekten oder verzögert sich die Saison nur? Ein Imker klärt auf.

Hamm - Wer aktuell im Garten sitzt, bemerkt, dass wenig Wespen unterwegs sind. Das nasse und kalte Frühjahr stellte für viele Insekten eine Belastungsprobe dar. Doch wer sich jetzt freut, in diesem Jahr ohne die schwarz-gelben Brummer auszukommen, der freut sich vielleicht zu früh.

Gibt es diesen Sommer weniger Wespen? Das könnte sich noch ändern

„Die Nester von Wespen und Hornissen sind aktuell für die Zeit noch sehr klein. Es kann genauso gut sein, dass der Boom noch kommt und wir in einigen Wochen dasselbe Bild wie in den letzten Jahren haben“, erklärt Michael Zwilling, Mitglied des Imkervereins Hamm, im Gespräch mit wa.de. Wenn die Insekten ihr Nest erstmal errichtet haben, stelle Feuchtigkeit außerdem kein großes Problem dar. „Die wissen schon, wie sie ihr Nest trocken halten. Zum einen legen sie die Nester geschützt vor der Witterung an und zum anderen kriegen sie diese auch wieder getrocknet, sollte es doch mal nass werden“, sagt Zwilling.

Im Herbst jeden Jahres, nachdem die Königin eines Wespen-Volkes gestorben ist, löst sich dieses nach und nach auf und anschließend auch alle Arbeiterwespen sterben. Lediglich die begatteten Jungköniginnen eines Volkes suchen gezielt Schutz vor der Kälte des Winters und überstehen diesen in einer Art Winterschlaf. Im Frühjahr erwachen sie und beginnen mit dem Aufbau eines neuen Nestes. Die lange Kälte und Nässe stellte die Jungköniginnen vor eine schwere Aufgabe. Doch ob es in diesem Sommer allgemein weniger Wespen gibt, kann selbst der Experte nicht genau sagen.

In diesem Sommer sind weniger Wespen unterwegs.

Zahl der Hornissen wächst

Am Beispiel der Hornissen, die auch zur Art der Wespen gehören, sei kein Rückgang der Wespen-Bevölkerung bemerkbar. Zwilling ist auch für das Umweltamt der Stadt Hamm im Einsatz und kümmert sich um die Umsiedlung von Wespen- und Hornissen-Völkern. „Ich habe eher das Gefühl, dass der Bestand bei den Hornissen gewachsen ist“, meint Zwilling.

In diesem Jahr wurde er schon zu einigen Nestern gerufen. Die meisten davon durften nach eingehenden Gesprächen mit den Grundstücksinhabern dort verweilen. Auch wenn die große Hornisse mit ihrer leicht rötlichen Färbung auf den ersten Blick bedrohlich wirkt, geht von ihr keine Gefahr aus – wenn sie in Ruhe gelassen wird. Es kann außerdem auch nützlich sein, ein Neste in der Nähe zu haben: Mücken stehen schließlich auf ihrem Speiseplan.

Wespen bauen komplexe Nester

Wespen und Hornissen bauen ihre Nester übrigens aus zerkleinerten Pflanzenfasern, die sie mit ihrem Speichel versetzen, um so einen papierähnlichen Baustoff zu erhalten. Der Aufbau eines Nests unterscheidet sich je nach Wespenart deutlich.

Während einige Unterarten, die sogenannten Dunkelbrüter, sich in uneinsichtigen Hohlräumen ansiedeln, legen die Hellbrüter ein freiliegendes Nest an. Diese Nester sind die typischen kugelförmigen Nester, die oft auf Dachböden, in Gartenhütten oder unter Giebeln von Häusern, aber auch an Bäumen und in Hecken zu finden sind. Solitäre Wespen-Arten, die nicht in Völkern leben, begnügen sich damit, kleine Brutzellen mit wenigen Waben anzulegen. Die jungen Weibchen machen sie recht schnell auf, um ihre eigene Brut aufzuziehen.

Zwilling versucht, so viele Nester wie möglich zu erhalten. „Wenn es nicht wirklich sein muss, sollte das Nest einfach bestehen bleiben“, ist die Meinung des Imkers. Wenn die Wespen doch einmal an Orten nisten, an denen sie auf keinen Fall bleiben können, versucht Zwilling sie umzusiedeln. Glücklicherweise klappe dies auch durch ein gutes Verhältnis mit dem Kammerjäger sehr gut.

Hohe Strafen fürs Entfernen von Wespennestern

Sich selber an die Vertreibung der Insekten zu begeben, ist zudem nicht zu raten. Grundsätzlich stehen alle Wespenarten unter Naturschutz. Wer dabei erwischt wird, ein Wespennest zu entfernen oder auszurotten, kann in NRW mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro belangt werden. Hornissen zählen sogar zu den besonders geschützten Arten.

Aus dem Sauerland in Hemer wurden drei Bienenköniginnen gestohlen. Dadurch drohen Tausende Tiere nun zu verenden.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn/Archivbild

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