Kommunalwahl 2025

Ingo Müller (FDP) will Oberbürgermeister werden: „Kann mir keine andere Partei geben“

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Zum zweiten Mal wirft Ingo Müller seinen Hut im Rennen ums Oberbürgermeisteramt in Hamm in den Ring. Der Außenseiter sieht den Wettkampf sportlich.

Hamm – Die Arme sind gelockert, die Turnschuhe sitzen stramm, und auch der Korb steht schon bereit. Nur vom verflixten Basketball fehlt jede Spur. „Den will ich aber jetzt noch finden“, sagt Ingo Müller, während er emsig zwischen Gartenhäuschen und Terrasse hin und her eilt. Möglicherweise sei die „Pille“ bei einer Party „seiner Jungs“, wie er seine beiden Söhne nennt, im Einsatz gewesen. Da könne es schonmal passieren, dass Dinge im Anschluss nicht am angestammten Ort liegen. Und auch, dass der endlich gefundene Basketball einen Schuss Luft gebrauchen könnte. Naja egal. Nur noch kurz die Ärmel hochgekrempelt, Müller setzt zum Korbleger an. Zack: Volltreffer.

Typischer Aufenthaltsort: Am Esstisch wird im Hause Müller nicht nur gefrühstückt, sondern auch mal gearbeitet oder Sport geschaut – besonders Fußball oder Radsport.

Dass der Sport eine wichtige Rolle im Leben des Oberbürgermeisterkandidaten bei der Kommunalwahl in NRW spielt, merkt man schnell. Als der WA das Wohnzimmer im Hause Müller betritt, sitzt der Hammer FDP-Chef gerade am Esstisch. Auf einem kleinen Bildschirm in der Ecke läuft die Übertragung der Tour de France, das erste große Pyrenäen-Finale. „Hier sitze ich häufig, besonders in dieser Zeit des Jahres“, erzählt der 51-Jährige, und zeigt mit dem Finger auf die sich abstrampelnden Radprofis. Fürs Gespräch stellt Müller die Schalte aber ab. Das Thema Sport ist ihm zwar wichtig, die Politik aber auch – insbesondere die Politik hier in Hamm.

Kommunalwahl in NRW 2025 – 25 Bilder zu der politischen Bedeutung des Bundeslandes

In der Landeshauptstadt Düsseldorf steht die Wahl des Oberbürgermeisters im Fokus. Die Rheinmetropole entscheidet über ihre politische Führung der nächsten Jahre.
In der Landeshauptstadt Düsseldorf steht die Wahl des Oberbürgermeisters im Fokus. Die Rheinmetropole entscheidet über ihre politische Führung der nächsten Jahre. © IMAGO/D. Kerlekin/Snowfield Photograph
Düsseldorf als politisches Zentrum von NRW wählt einen neuen Oberbürgermeister. Die Kandidaten kämpfen um das wichtigste Amt der Landeshauptstadt.
Düsseldorf als politisches Zentrum von NRW wählt einen neuen Oberbürgermeister. Die Kandidaten kämpfen um das wichtigste Amt der Landeshauptstadt. © IMAGO/Jochen Tack
Die Kommunalwahl 2025 entscheidet über die Zukunft der Städte und Gemeinden in NRW. Klimaschutz, Digitalisierung und sozialer Zusammenhalt prägen die Herausforderungen.
Die Kommunalwahl 2025 entscheidet über die Zukunft der Städte und Gemeinden in NRW. Klimaschutz, Digitalisierung und sozialer Zusammenhalt prägen die Herausforderungen. © IMAGO/Christoph Hardt
Nach zehn Jahren unter Henriette Reker sucht Köln eine neue Stadtspitze. Mehrere Kandidaten bewerben sich um das Oberbürgermeisteramt der Domstadt.
Nach zehn Jahren unter Henriette Reker sucht Köln eine neue Stadtspitze. Mehrere Kandidaten bewerben sich um das Oberbürgermeisteramt der Domstadt. © IMAGO/Michael Nguyen
Die Millionenstadt Köln steht vor einem Führungswechsel. Wer wird die Nachfolge der parteilosen Amtsinhaberin Henriette Reker antreten?
Die Millionenstadt Köln steht vor einem Führungswechsel. Wer wird die Nachfolge der parteilosen Amtsinhaberin Henriette Reker antreten? © imago
Dortmund als größte Stadt des Ruhrgebiets wählt neue kommunale Vertreter. Die Fußballstadt steht vor wichtigen Weichenstellungen für die Zukunft.
Dortmund als größte Stadt des Ruhrgebiets wählt neue kommunale Vertreter. Die Fußballstadt steht vor wichtigen Weichenstellungen für die Zukunft. © H. Blossey via www.imago-images.de
Im Herzen des Ruhrgebiets entscheiden die Dortmunder über ihre Stadtpolitik. Strukturwandel und Zukunftsprojekte stehen im Mittelpunkt des Wahlkampfs.
Im Herzen des Ruhrgebiets entscheiden die Dortmunder über ihre Stadtpolitik. Strukturwandel und Zukunftsprojekte stehen im Mittelpunkt des Wahlkampfs. © via www.imago-images.de
Essen, die ehemalige Kulturhauptstadt Europas, wählt ihre politische Führung neu. Die Stadt im Strukturwandel setzt auf innovative Konzepte.
Essen, die ehemalige Kulturhauptstadt Europas, wählt ihre politische Führung neu. Die Stadt im Strukturwandel setzt auf innovative Konzepte. © IMAGO/Jochen Tack
Von der Kohle zur Kultur - Essen steht vor der Kommunalwahl 2025. Die Ruhrgebietsstadt sucht den Weg in eine nachhaltige Zukunft.
Von der Kohle zur Kultur - Essen steht vor der Kommunalwahl 2025. Die Ruhrgebietsstadt sucht den Weg in eine nachhaltige Zukunft. © Michael Gohl/imago
Von CDU und SPD bis zu Bürgerlisten - die Auswahl bei Kommunalwahlen ist groß. Lokale Themen stehen oft im Vordergrund des Wahlkampfs.
Von CDU und SPD bis zu Bürgerlisten - die Auswahl bei Kommunalwahlen ist groß. Lokale Themen stehen oft im Vordergrund des Wahlkampfs. © IMAGO/Revierfoto
Duisburg mit dem größten Binnenhafen der Welt wählt neue Stadtvertreter. Logistik und Strukturwandel prägen den Wahlkampf in der Ruhrgebietsstadt.
Duisburg mit dem größten Binnenhafen der Welt wählt neue Stadtvertreter. Logistik und Strukturwandel prägen den Wahlkampf in der Ruhrgebietsstadt. © Jochen Tack via www.imago-images.de
Die Hafenstadt Duisburg steht vor der Kommunalwahl 2025. Wirtschaftliche Herausforderungen und Stadtentwicklung dominieren die politischen Debatten.
Die Hafenstadt Duisburg steht vor der Kommunalwahl 2025. Wirtschaftliche Herausforderungen und Stadtentwicklung dominieren die politischen Debatten. © IMAGO/Hans Blossey
In der Schwebebahn-Stadt Wuppertal treten zahlreiche Bewerber zur Oberbürgermeisterwahl an. Die Bergische Metropole steht vor wichtigen Entscheidungen.
In der Schwebebahn-Stadt Wuppertal treten zahlreiche Bewerber zur Oberbürgermeisterwahl an. Die Bergische Metropole steht vor wichtigen Entscheidungen. © IMAGO/Robert Poorten
Wuppertal, die Stadt der berühmten Schwebebahn, sucht einen neuen Oberbürgermeister. Mehrere Kandidaten kämpfen um die Stadtspitze im Bergischen Land.
Wuppertal, die Stadt der berühmten Schwebebahn, sucht einen neuen Oberbürgermeister. Mehrere Kandidaten kämpfen um die Stadtspitze im Bergischen Land. © IMAGO/Robert Poorten
Münster, die Fahrradhauptstadt Deutschlands, bestimmt ihre kommunale Führung neu. Nachhaltigkeit und Lebensqualität stehen im Wahlkampf im Fokus.
Münster, die Fahrradhauptstadt Deutschlands, bestimmt ihre kommunale Führung neu. Nachhaltigkeit und Lebensqualität stehen im Wahlkampf im Fokus. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber
Die Universitätsstadt Münster wählt ihre Stadtvertreter. Bildung, Mobilität und Klimaschutz prägen die politischen Diskussionen.
Die Universitätsstadt Münster wählt ihre Stadtvertreter. Bildung, Mobilität und Klimaschutz prägen die politischen Diskussionen. © IMAGO/Rüdiger Wölk
Kommunalwahlkämpfe zeichnen sich durch besondere Bürgernähe aus. Kandidaten sind direkt ansprechbar und diskutieren konkrete Probleme vor Ort.
Kommunalwahlkämpfe zeichnen sich durch besondere Bürgernähe aus. Kandidaten sind direkt ansprechbar und diskutieren konkrete Probleme vor Ort. © IMAGO/Winfried Rothermel
Bielefeld als Zentrum Ostwestfalens steht vor der Kommunalwahl. Die Stadt zwischen Teutoburger Wald und Weserbergland wählt neue Vertreter.
Bielefeld als Zentrum Ostwestfalens steht vor der Kommunalwahl. Die Stadt zwischen Teutoburger Wald und Weserbergland wählt neue Vertreter. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jan Rollinger
In Ostwestfalen entscheidet Bielefeld über seine politische Zukunft. Wirtschaftsstandort und Lebensqualität sind zentrale Wahlkampfthemen.
In Ostwestfalen entscheidet Bielefeld über seine politische Zukunft. Wirtschaftsstandort und Lebensqualität sind zentrale Wahlkampfthemen. © IMAGO/Michael Nguyen
Aachen, die Kaiserstadt an der Grenze zu Belgien und den Niederlanden, wählt neue Stadtvertreter. Europäische Zusammenarbeit prägt den Wahlkampf.
Aachen, die Kaiserstadt an der Grenze zu Belgien und den Niederlanden, wählt neue Stadtvertreter. Europäische Zusammenarbeit prägt den Wahlkampf. © IMAGO/Olaf Döring
Die Grenzstadt Aachen steht vor der Kommunalwahl 2025. Tradition und Innovation bestimmen die politischen Debatten in der Grenzregion.
Die Grenzstadt Aachen steht vor der Kommunalwahl 2025. Tradition und Innovation bestimmen die politischen Debatten in der Grenzregion. © Wassilis Aswestopoulos via www.imago-images.de
In der Schalke-Stadt Gelsenkirchen stehen wichtige Weichenstellungen an. Sport, Kultur und Wirtschaftsförderung prägen den Kommunalwahlkampf.
In der Schalke-Stadt Gelsenkirchen stehen wichtige Weichenstellungen an. Sport, Kultur und Wirtschaftsförderung prägen den Kommunalwahlkampf. © IMAGO/Jochen Tack
Gelsenkirchen, die Heimat von Schalke 04, sucht neue politische Wege. Die Ruhrgebietsstadt setzt auf Erneuerung und Strukturwandel.
Gelsenkirchen, die Heimat von Schalke 04, sucht neue politische Wege. Die Ruhrgebietsstadt setzt auf Erneuerung und Strukturwandel. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Scott Coleman
Briefwahl wird bei Kommunalwahlen immer beliebter. Wahlberechtigte können ihre Stimme bequem von zu Hause aus abgeben.
Die Briefwahl wird bei Kommunalwahlen immer beliebter. Wahlberechtigte können ihre Stimme bequem von zu Hause aus abgeben. © IMAGO/Michael Bihlmayer
Die Wahlunterlagen für die Briefwahl müssen rechtzeitig beantragt werden. Viele Wähler nutzen diese flexible Möglichkeit der Stimmabgabe.
Die Wahlunterlagen für die Briefwahl müssen rechtzeitig beantragt werden. Viele Wähler nutzen diese flexible Möglichkeit der Stimmabgabe. © M.Zettler via www.imago-images.de

Ingo Müller will Oberbürgermeister werden: FDP als „SC Freiburg“ der Hammer Politik

Ingo Müller ist das Gesicht der Liberalen in der Stadt. Bereits seit 1991 ist er Mitglied in der FDP, war Vorsitzender der Hammer Jungen Liberalen und ist bereits seit 2004 auch Chef der Mutterpartei und Vertreter im Rat. Jetzt also die bereits zweite Kandidatur zum Oberbürgermeister: „Ich will OB werden, weil ich diese Stadt mitgestalten möchte. Das geht so am besten“, erklärt der 51-Jährige. Schaut man auf seinen Stimmenanteil bei der letzten Kommunalwahl (3,5 Prozent), dürften ihm maximal Außenseiter-Chancen zugerechnet werden. Das weiß Müller auch selbst: „Ich glaube ehrlicherweise nicht, dass ich die Amtskette verliehen bekomme.“

Den passenden Vergleich aus der Welt des Sports hat Müller direkt griffbereit: „Das gibt es in der Fußball-Bundesliga auch. Den SC Freiburg finden alle sympathisch, und irgendwie spielt der Verein dann doch immer relativ weit oben mit. Auch, wenn sie am Saisonende nicht Meister geworden sind.“ Ist die FDP also der SC Freiburg der Hammer Politik und Ingo Müller sowas wie deren Kapitän? Zumindest seien die Ambitionen für den Wahltag am 14. September vergleichbar: „Wir wollen sympathisch rüberkommen, das beste Ergebnis holen und die anderen nach Möglichkeit ein wenig ärgern. Ich liebe den Wettbewerb.“

Auf einen Volltreffer hofft Ingo Müller auch bei der Kommunalwahl.

Für dieses Ziel investiert der hauptberufliche Sparkassen-Sprecher einiges an Lebenszeit – vor allem im Wahlkampf: „Wenn ich noch arbeite, fange ich dort um sieben an und höre zwischen 14 und 15 Uhr auf. Im Anschluss werbe ich bis circa 20 Uhr auf der Straße für unsere Ideen. Wenn ich frei habe, fange ich damit schon um neun Uhr an, bis abends unterwegs bin ich aber trotzdem.“ Kräftezehrend, wie er sagt, aber auch lohnenswert: „Anders als beim Fußball kann man in der Politik nicht alles in einem Jahr wiedergutmachen. Bei der Kommunalwahl muss man fünf Jahre warten. Von daher darf man auch mal Gas geben.“

Schon damals (auch) in gelb: FDPs Oberbürgermeisterkandidat Ingo Müller im Kindesalter.

Seine beiden Söhne (16 und 19 Jahre alt) seien das bereits gewohnt. Ehefrau Stefani Müller-Veit als Mitglied in der Bezirksvertretung Bockum-Hövel und Spitzenkandidatin in diesem Jahr sowieso. „Parteimitglieder sind die Kinder zwar nicht, sie unterstützen aber im Wahlkampf oder wenn wir auf Veranstaltungen sind. Die sind da schon am Ball. Es ist ein kleiner Familienbetrieb, auch wenn unsere Jungs nicht immer meiner Meinung sind“, erzählt der 51-Jährige. Nur eines stört den Müllerschen Nachwuchs an der öffentlichen Präsenz ihres Vaters: „Wenn wir in der Stadt unterwegs sind, sprechen einen öfter Leute an. Da kommen wir nicht weit, das ist für die das nervigste überhaupt.“

Seit über 30 Jahren in der Politik: „Mich wollte noch nie jemand verprügeln“

Wirklich negative Erfahrungen im Kontakt mit den Menschen in Hamm seien selten, Lob aber ebenso. „Mich wollte noch nie jemand verprügeln, ich würde mich aber auch sofort wehren. Auge um Auge, Zahn um Zahn“, sagt Müller mit einem Augenzwinkern. Dass die Arbeit mit der Öffentlichkeit jedoch deutlich komplexer geworden ist, das Gefühl hat auch der erfahrene Lokalpolitiker: „Früher musste man nur die Tageszeitung bedienen. Dann kam die Lippewelle und dann Social Media als Kanal für die eigenen Inhalte dazu.“ Vieles mache er in den digitalen Sphären mit, zwei Dinge jedoch nicht: „Zu viele Kommentare lesen und Tiktok, da haben meine Kinder mir gesagt: ‚Papa, das wär peinlich, wenn du das machst‘.“

„Gar nicht mal so schlecht“, findet Müller: Die Stadtgrenzen von Hamm zeichnet er aus dem Kopf so.

Manchmal, so erzählt Müller offen, würde er sich zusätzlich zum Engagement seiner Mitstreiter hier in Hamm auch etwas Rückenwind von den Akteuren in Berlin oder Düsseldorf wünschen. „Wenn man beispielsweise auf das Ende der Ampel schaut, dann ist das schon frustrierend. Einerseits will man seiner Partei auch nichts Böses, andererseits schlägt man manchmal aber die Hände über den Kopf zusammen und denkt sich: Was macht ihr denn da? Habt ihr keine Berater? Was tut ihr uns gerade an? Das ist immer ein sehr schmaler Grad.“ Anders als in der Kommunalpolitik sei Geld noch zu häufig die treibende Kraft hinter den Entscheidungen im Bundestag.

Als ehrenamtliches Ratsmitglied spielten Geld und Karriere in seinem Engagement keine Rolle, sagt der 51-Jährige. Ein Parteiwechsel des politischen Aufstiegs willen sei für ihn deshalb undenkbar: „Natürlich könnte man sagen, wenn man sich anstrengt, ist man als SPD- oder CDUler immer irgendwie mit dabei.“ Aber, so betont der leidenschaftliche Fan von Borussia Dortmund: „Ich werde auch nicht plötzlich Bayern-Fan, nur weil die immer die Meisterschaft holen. Ich werde dem BVB immer treu bleiben, ich werde der FDP immer treu bleiben. Egal, wie gut oder schlecht es läuft. Ich bin Mitglied, weil ich die Werte teile. Das kann mir keine andere Partei bieten.“

Rubriklistenbild: © Reiner Mroß

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