Ingo Müller (FDP) will Oberbürgermeister werden: „Kann mir keine andere Partei geben“
VonMaximilian Gang
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Zum zweiten Mal wirft Ingo Müller seinen Hut im Rennen ums Oberbürgermeisteramt in Hamm in den Ring. Der Außenseiter sieht den Wettkampf sportlich.
Hamm – Die Arme sind gelockert, die Turnschuhe sitzen stramm, und auch der Korb steht schon bereit. Nur vom verflixten Basketball fehlt jede Spur. „Den will ich aber jetzt noch finden“, sagt Ingo Müller, während er emsig zwischen Gartenhäuschen und Terrasse hin und her eilt. Möglicherweise sei die „Pille“ bei einer Party „seiner Jungs“, wie er seine beiden Söhne nennt, im Einsatz gewesen. Da könne es schonmal passieren, dass Dinge im Anschluss nicht am angestammten Ort liegen. Und auch, dass der endlich gefundene Basketball einen Schuss Luft gebrauchen könnte. Naja egal. Nur noch kurz die Ärmel hochgekrempelt, Müller setzt zum Korbleger an. Zack: Volltreffer.
Typischer Aufenthaltsort: Am Esstisch wird im Hause Müller nicht nur gefrühstückt, sondern auch mal gearbeitet oder Sport geschaut – besonders Fußball oder Radsport.
Dass der Sport eine wichtige Rolle im Leben des Oberbürgermeisterkandidaten bei der Kommunalwahl in NRW spielt, merkt man schnell. Als der WA das Wohnzimmer im Hause Müller betritt, sitzt der Hammer FDP-Chef gerade am Esstisch. Auf einem kleinen Bildschirm in der Ecke läuft die Übertragung der Tour de France, das erste große Pyrenäen-Finale. „Hier sitze ich häufig, besonders in dieser Zeit des Jahres“, erzählt der 51-Jährige, und zeigt mit dem Finger auf die sich abstrampelnden Radprofis. Fürs Gespräch stellt Müller die Schalte aber ab. Das Thema Sport ist ihm zwar wichtig, die Politik aber auch – insbesondere die Politik hier in Hamm.
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Ingo Müller will Oberbürgermeister werden: FDP als „SC Freiburg“ der Hammer Politik
Ingo Müller ist das Gesicht der Liberalen in der Stadt. Bereits seit 1991 ist er Mitglied in der FDP, war Vorsitzender der Hammer Jungen Liberalen und ist bereits seit 2004 auch Chef der Mutterpartei und Vertreter im Rat. Jetzt also die bereits zweite Kandidatur zum Oberbürgermeister: „Ich will OB werden, weil ich diese Stadt mitgestalten möchte. Das geht so am besten“, erklärt der 51-Jährige. Schaut man auf seinen Stimmenanteil bei der letzten Kommunalwahl (3,5 Prozent), dürften ihm maximal Außenseiter-Chancen zugerechnet werden. Das weiß Müller auch selbst: „Ich glaube ehrlicherweise nicht, dass ich die Amtskette verliehen bekomme.“
Den passenden Vergleich aus der Welt des Sports hat Müller direkt griffbereit: „Das gibt es in der Fußball-Bundesliga auch. Den SC Freiburg finden alle sympathisch, und irgendwie spielt der Verein dann doch immer relativ weit oben mit. Auch, wenn sie am Saisonende nicht Meister geworden sind.“ Ist die FDP also der SC Freiburg der Hammer Politik und Ingo Müller sowas wie deren Kapitän? Zumindest seien die Ambitionen für den Wahltag am 14. September vergleichbar: „Wir wollen sympathisch rüberkommen, das beste Ergebnis holen und die anderen nach Möglichkeit ein wenig ärgern. Ich liebe den Wettbewerb.“
Für dieses Ziel investiert der hauptberufliche Sparkassen-Sprecher einiges an Lebenszeit – vor allem im Wahlkampf: „Wenn ich noch arbeite, fange ich dort um sieben an und höre zwischen 14 und 15 Uhr auf. Im Anschluss werbe ich bis circa 20 Uhr auf der Straße für unsere Ideen. Wenn ich frei habe, fange ich damit schon um neun Uhr an, bis abends unterwegs bin ich aber trotzdem.“ Kräftezehrend, wie er sagt, aber auch lohnenswert: „Anders als beim Fußball kann man in der Politik nicht alles in einem Jahr wiedergutmachen. Bei der Kommunalwahl muss man fünf Jahre warten. Von daher darf man auch mal Gas geben.“
Seine beiden Söhne (16 und 19 Jahre alt) seien das bereits gewohnt. Ehefrau Stefani Müller-Veit als Mitglied in der Bezirksvertretung Bockum-Hövel und Spitzenkandidatin in diesem Jahr sowieso. „Parteimitglieder sind die Kinder zwar nicht, sie unterstützen aber im Wahlkampf oder wenn wir auf Veranstaltungen sind. Die sind da schon am Ball. Es ist ein kleiner Familienbetrieb, auch wenn unsere Jungs nicht immer meiner Meinung sind“, erzählt der 51-Jährige. Nur eines stört den Müllerschen Nachwuchs an der öffentlichen Präsenz ihres Vaters: „Wenn wir in der Stadt unterwegs sind, sprechen einen öfter Leute an. Da kommen wir nicht weit, das ist für die das nervigste überhaupt.“
Seit über 30 Jahren in der Politik: „Mich wollte noch nie jemand verprügeln“
Wirklich negative Erfahrungen im Kontakt mit den Menschen in Hamm seien selten, Lob aber ebenso. „Mich wollte noch nie jemand verprügeln, ich würde mich aber auch sofort wehren. Auge um Auge, Zahn um Zahn“, sagt Müller mit einem Augenzwinkern. Dass die Arbeit mit der Öffentlichkeit jedoch deutlich komplexer geworden ist, das Gefühl hat auch der erfahrene Lokalpolitiker: „Früher musste man nur die Tageszeitung bedienen. Dann kam die Lippewelle und dann Social Media als Kanal für die eigenen Inhalte dazu.“ Vieles mache er in den digitalen Sphären mit, zwei Dinge jedoch nicht: „Zu viele Kommentare lesen und Tiktok, da haben meine Kinder mir gesagt: ‚Papa, das wär peinlich, wenn du das machst‘.“
Manchmal, so erzählt Müller offen, würde er sich zusätzlich zum Engagement seiner Mitstreiter hier in Hamm auch etwas Rückenwind von den Akteuren in Berlin oder Düsseldorf wünschen. „Wenn man beispielsweise auf das Ende der Ampel schaut, dann ist das schon frustrierend. Einerseits will man seiner Partei auch nichts Böses, andererseits schlägt man manchmal aber die Hände über den Kopf zusammen und denkt sich: Was macht ihr denn da? Habt ihr keine Berater? Was tut ihr uns gerade an? Das ist immer ein sehr schmaler Grad.“ Anders als in der Kommunalpolitik sei Geld noch zu häufig die treibende Kraft hinter den Entscheidungen im Bundestag.
Als ehrenamtliches Ratsmitglied spielten Geld und Karriere in seinem Engagement keine Rolle, sagt der 51-Jährige. Ein Parteiwechsel des politischen Aufstiegs willen sei für ihn deshalb undenkbar: „Natürlich könnte man sagen, wenn man sich anstrengt, ist man als SPD- oder CDUler immer irgendwie mit dabei.“ Aber, so betont der leidenschaftliche Fan von Borussia Dortmund: „Ich werde auch nicht plötzlich Bayern-Fan, nur weil die immer die Meisterschaft holen. Ich werde dem BVB immer treu bleiben, ich werde der FDP immer treu bleiben. Egal, wie gut oder schlecht es läuft. Ich bin Mitglied, weil ich die Werte teile. Das kann mir keine andere Partei bieten.“