„Dann regnet’s weiter ohne Unterlass“: Bauernregeln im Juni und was sie aussagen
VonSimon Stock
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Im Juni stehen die Siebenschläfer und Schafskälte an. Um beides ranken sich Bauernregeln. Was sagen die Sprüche über das Sommer-Wetter in NRW?
Hamm - Deutschland, Land der Bauernregeln und seltsamen Wetter-Begriffe. Hier gibt es Hundstage, den Altweibersommer, Eisheilige mit einer gewissen Kalten Sophie - und im Juni 2024 auch wieder die Schafskälte und Siebenschläfer. Was sagen die Bauernregeln über den Sommer in Nordrhein-Westfalen aus? Werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Tage und ihre Wetterweisheiten.
Was die Bauernregeln im Juni über den Sommer in NRW aussagen
Bauernregeln heißen Bauernregeln, weil sich Landwirte in der Zeit vor der modernen Forschung durch Erfahrungswerte aus vorangegangen Jahren und Jahrzehnten Hinweise auf das kommende Wetter und mögliche Gefahren für die Ernte erhofften. Die Aussagekraft der Sprüche ist im Vergleich mit heutigen Wettervorhersagen natürlich gering, aber oft genug stimmen Bauernregel und tatsächliches Wetter überein.
Der Juni ist voll mit markanten Tagen und Wetter-Beobachtungen. Die bekanntesten sind:
Sankt Medardus (8. Juni)
Schafskälte (zwischen 4. und 20. Juni)
Siebenschläfer (27. Juni)
Bauernregeln im Juni 2024: Sankt Medardus (8. Juni)
St. Medardus am 8. Juni gibt uns laut Bauernregeln einen Ausblick auf die folgenden Wochen. „An Sankt Medardus wird ausgemacht, ob 40 Tag die Sonne lacht“, besagt eine alte Wetterweisheit – und eine andere: „Ist’s an Medardus feucht und nass, regnet’s weiter ohne Unterlass.“ Bleibt zu hoffen, dass der 8. Juni 2024 – ein Samstag – schön wird. Sollte Regen fallen, fällt auch im restlichen Monat mehr Regen als üblich, wie wetter.de schreibt. Herrsche zu Metardi dagegen trockenes Wetter, sei der restliche Monat noch völlig offen.
Bauernregeln im Juni 2024: Schafskälte (zwischen 4. und 20. Juni)
Zum Ende des Frühlings bzw. Beginn des Sommers wird es häufig noch einmal kälter. Bauern stellten einfach immer wieder fest, dass es im Juni, kurz vor dem Sommer, einen plötzlichen Kälteeinbruch gibt. Im Volksmund ist dann von der Schafskälte die Rede. Bei der Schafskälte handelt es sich um eine sogenannte meteorologische Singularität, die auch als Witterungsregelfall bezeichnet wird. Das bedeutet: Manche Wetterlagen treten mit hoher Wahrscheinlichkeit zu bestimmten Jahreszeiten auf und sorgen für charakteristische Witterungen. Dazu zählen beispielsweise auch die Eisheiligen im Mai.
Ein festes Datum für die Schafskälte gibt es nicht, allerdings tritt sie normalerweise im Zeitraum zwischen dem 4. und 20. Juni auf. Häufig kommt es rund um den 11. Juni zu dem Kälteeinbruch in Mitteleuropa, er kann aber auch früher oder später kommen. Der Begriff ist tatsächlich auf frierende Schafe zurückzuführen. Sie wurden traditionell zum Ende des Frühjahrs geschoren. In Verbindung mit dem Temperatursturz im Juni konnte das zu einer Gefahr für frisch geborene Lämmer werden. Um sie zu verringern, wurde die Schur auf Ende Juni verschoben - nach der Schafskälte.
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In das Zeitfenster der Schafskälte fällt St. Barnabas am 11. Juni. Die Weisheit zum Tag des Apostels ist kein Stimmungsaufheller: „Regen an Sankt Barnabas, währet vierzig Tag‘ ohn‘ Unterlass“, sagt eine der Bauernregeln, die jenen zu St. Medardus nicht unähnlich sind: Mieses Wetter an Tag X bedeutet mieses Wetter für die nächste Zeit. Am 15. Juni ist der Tag des heiligen Vitus (Veit) mit der Feststellung: „Nach dem St. Veit, da ändert sich bald die Jahreszeit“.
Bauernregeln im Juni 2024: Siebenschläfer (27. Juni)
Am 27. Juni ist Siebenschläfer. Zu diesem Tag gibt es viele Bauernregeln. Wenn es nach ihnen geht, entscheidet sich das Wetter für den gesamten Sommer: „Wie das Wetter sich am Siebenschläfer verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt“, heißt eine volkstümliche Weisheit. Eine pessimistische Variante davon ist: „Wenn’s am Siebenschläfer regnet, sind wir sieben Wochen mit Regen gesegnet“. Ob 50 Tage Regen während der NRW-Sommerferien als Segen zu sehen sind – dazu wird es abweichende Meinungen geben. Dann schon lieber: „Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne.“
Ist auf diese Bauernregeln Verlass? Was sagen die Meteorologen? Dominik Jung von wetter.net erklärt: „Das Wetter am Siebenschläfertag selbst sagt überhaupt nichts über den bevorstehenden Sommer aus“. Nur der Bereich Ende Juni bis Anfang Juli könnte laut Jung weite Teile des Sommers bestimmen.
Tatsächlich ist eine solch abgewandelte Siebenschläfer-Regel nach Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erstaunlich zutreffend. Wenn man das Wetter nicht nur am 27. Juni, sondern rund um den Monatswechsel von Juni auf Juli betrachtet, dann lässt sich abschätzen, wie der weitere Verlauf des Sommers wird. In dieser Zeit geht es um eine großräumige Wetterumstellung, die das Wetter tatsächlich für mehrere Wochen beeinflusst. Wie wird der Sommer 2024 in NRW? Anfang Juli wissen wir mehr.