VonMirjam Ratmannschließen
Während es in manchen Orten von NRW im Winter regelmäßig schneit, bleiben andere eher grau und nass. In diesen Regionen gibt es die höchste Wahrscheinlichkeit, Schnee zu erleben.
Köln – Beinahe pünktlich zum Ersten Advent hat der erste Schnee der Saison auch NRW erreicht. Schon Ende November hat es vor allem im Sieger- und im Sauerland geschneit; seit Tagen warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor Frost und Glätte. Die Gefahr für Unfälle, wie es sie in NRW bereits gab, bleibt also hoch. Auch zum Start in die neue Woche gab es reichlich Schnee in NRW. Selbst in Köln wurde es weiß – ein eher seltener Anblick.
Den meisten Schnee in NRW gibt es im Hochsauerlandkreis
Denn wer in Großstädten wie Bonn, Köln oder Düsseldorf wohnt, hat in den Wintermonaten grundsätzlich weniger Chancen Schnee zu erleben – dafür liegen die Städte schlicht nicht hoch genug. „Je höher ein Ort in NRW liegt, desto ‚schneereicher‘ ist er auch“, sagt Meteorologe Thomas Kesseler-Lauterkorn vom regionalen Klimabüro Essen des DWD gegenüber 24RHEIN.
Die Lage am Rhein sowie die dichte Bebauung der Städte sorgt zusätzlich für ein gemäßigtes, mildes Klima. Längere Frostperioden sind im Rheinland daher eine Ausnahme, ebenso wie Schneefall. Anders sieht es hingegen in höheren Lagen wie dem Siegerland, dem Sauerland oder der Eifel aus. „Die höchsten Lagen in NRW finden sich in NRW im Hochsauerland beziehungsweise im Rothaargebirge. Das sind dementsprechend auch die schneereichsten Regionen“, sagt Kesseler-Lauterkorn.
Winterberg und Kahlen Asten sicherste Schneeregionen in NRW
Die Region, die in NRW seit der Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) 1951 die meisten „Schneedeckentage“ hat, ist folglich die rund um den Kahlen Asten im Rothaargebirge im Hochsauerland. Das bedeutet, dass es in der Zeit von 1951 bis 2020 in dieser Region die meisten Tage mit einer Schneedecke von mindestens einem Zentimeter gab.
In unmittelbarer Nähe des Berges befindet sich der Ski- und Winterort Winterberg. Mit dem „Skiliftkarussell“ in Winterberg beherbergt der Ort das größte Skigebiet in den deutschen Mittelgebirgen. Altastenberg, ein Stadtteil in Winterberg, ist der höchste Wintersportort des Hochsauerlandes und gilt mit seinen 17 Liften als besonders familienfreundliches Skigebiet.
| Region | Winterberg |
|---|---|
| Skigebiete | 8 |
| Lifte | 56 |
| Geöffnet | Mitte Dezember bis Mitte März (je nach Wetter) |
„Rund um den Kahlen Asten liegt die mittlere Anzahl an Schneedeckentagen für den Bezugszeitraum 1991–2020 bei 80 bis 90 Tagen im Jahr“, sagt Meteorologe Kesseler-Lauterkorn. Bei den höchsten Lagen in der NRW-Eifel seien es hingegen im Durchschnitt nur etwa 50 bis 55 Scheedeckentage pro Jahr. Zum Vergleich: Köln, Bonn und Düsseldorf kommen für den gleichen Zeitraum auf gerade mal maximal 20 Schneedeckentage.
In Städten gibt es nur selten länger Schnee – doch es gibt Ausnahmen
Größere Städte in NRW, die laut Angaben des Klimaatlas des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV NRW) noch eher Schnee erleben dürften, sind Wuppertal, Siegen, Remscheid, Lüdenscheid oder Aachen. In welchen Orten und Regionen die Wahrscheinlichkeit für Schnee am höchsten ist:
- Winterberg
- Bödefeld
- Olpe
- Schmallenberg
- Medebach
- Gummersbach
- Bruchhausen
- Hilchenbach
- Hattingen
- Lennestadt
- Bestwig
- Kirchhundem
- Hellenthal
- Brilon
In all diesen Orten und Regionen gibt es Skilifte, die meisten davon befinden sich im Sauerland. Zur „Wintersport-Arena Sauerland“ zählen die Skigebiete im Hochsauerland und im Kreis Olpe sowie Gebiete in der Region Siegen-Wittgenstein. Mit ihren rund 120 Liften gilt die Wintersport-Arena als bedeutendste Wintersportregion nördlich der Alpen.
Auch im Südwesten Nordrhein-Westfalens ziehen kleinere Skigebiete in der Eifelregion an Winterwochenenden tausende Schneebegeisterte aus dem In- und Ausland an – etwa der knapp 700 Meter hohe „Weiße Stein“ in Hellenthal an der deutsch-belgischen Grenze.
Zu hohe Temperaturen in NRW-Winterregionen – ein Existenzproblem
Doch selbst eine traditionsreiche Skiregion wie Winterberg hatte in der vergangenen Saison bisweilen mit zu geringem Schneeaufkommen zu kämpfen und musste Kunstschnee einsetzten, um die Lifte offenzuhalten. Inzwischen hat Winterberg 360 Schneekanonen.
Im vergangenen Jahr veröffentlichte die nordrhein-westfälische Landesregierung ein Gutachten zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den NRW-Tourismus. Das Ergebnis: zu hohe Temperaturen, zu trocken, zu wenig Schnee. Im Dezember 2022 war beispielsweise laut DWD NRW mit durchschnittlich 2,9 °C (2,3 °C 2021) die zweitwärmste Region Deutschlands.
Ein Blick auf die Karte des LANUV NRW unterstreicht das: Seit 1956 haben sich die Schneedeckentage besonders in der Mitte NRWs deutlich reduziert; schneereiche Regionen gibt es zunehmend nur noch im Nordosten (rund um Winterberg) und Südwesten (südlich von Aachen, Düren und Euskirchen). Geht diese Entwicklung weiter, sind laut der Landeszentrale für politische Bildung NRW rund 3000 Arbeitsplätze plus Saisonkräfte in Gefahr. (mr) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
Rubriklistenbild: © Henning Kaiser/dpa




