Der kommende Winter in NRW könnte durch zwei Phänomene beeinflusst werden. Genaue Vorhersagen gestalten sich schwierig. Eine Wetter-Expertin wird deutlich.
Hamm – Genaue Wettervorhersagen für längere Zeiträume wie eine ganze Wintersaison zu treffen, stößt an fundamentale physikalische Grenzen. Der Grund liegt in der chaotischen Natur der Atmosphäre – schon kleinste Abweichungen in den Ausgangsdaten können zu völlig unterschiedlichen Entwicklungen führen, ein Phänomen, das als „Schmetterlingseffekt“ auch aus anderen Bereichen des Lebens bekannt ist. Hinzu kommt, dass nicht alle notwendigen Daten vorhanden sind, um das aktuelle Wetter auf der ganzen Welt exakt abzubilden: Wettermodelle arbeiten mit einem Gitternetz über der Erde, und alles, was kleiner ist und durch dieses Netz „durchfällt“, wird nur bedingt repräsentiert.
„Seriöse Aussagen über den Winter in Nordrhein-Westfalen – oder allgemein in Deutschland – sind aktuell noch nicht möglich“, erklärt Birgit Heck von WetterOnline gegenüber wa.de. Langfristmodelle wie das Climate Forecast System (CFS) des amerikanischen Wetterdienstes könnten zwar „erste Tendenzen“ liefern, diese „ändern sich aber oft von Woche zu Woche“. Solche Modellrechnungen würden lediglich Abweichungen vom Durchschnitt angeben und seien „ausdrücklich experimentell.“
Winter 2025/26 in NRW: Polarwirbel und La Niña im Fokus
„Viele der derzeit kursierenden Prognosen für den Winter sind stark vereinfacht oder überinterpretiert. Auch wenn Modelle gewisse Hinweise auf Temperatur- und Niederschlagstrends liefern, sind sie keine belastbaren Vorhersagen“, sagt Wetter-Expertin Heck. Eine seriöse Einschätzung des Winters sei erst ab Ende November möglich – also dann, wenn sich die großräumigen Zirkulationsmuster stabilisieren. Ein kleiner Blick in die Wetter-Zukunft darf trotzdem gewagt werden.
Trotz der insgesamt milden Grundtendenz für den Winter 2025/26 könnten zwei Wetterphänomene durchaus für markante Kältephasen in NRW sorgen: ein geschwächter Polarwirbel und La-Niña-Bedingungen. Der Polarwirbel ist ein gewaltiger Windring in 20 bis 50 Kilometern Höhe über der Arktis, der normalerweise die extreme Kälte im hohen Norden wie in einem rotierenden Luftring festhält. Aktuelle Analysen deuten auf eine Abschwächung des Polarwirbels im Spätherbst 2025 hin. Wenn dieser Wirbel instabil wird oder sich aufspaltet – Meteorologen sprechen von einem „Major Warming“ –, kann arktische Kaltluft durch meridionale Strömungen (Luftbewegungen von Nord nach Süd) bis weit nach Mitteleuropa vordringen. Besonders der Januar 2026 könnte laut einigen Prognosen von solchen Kälteeinbrüchen betroffen sein. Allerdings warnen Experten vor Panikmache: Ein schwacher Polarwirbel ist ein völlig natürliches Ereignis im Winter und führt nicht automatisch zu einem „Schneewinter“.
Bedrückende Bilder: Wetterextreme der vergangenen Jahre in NRW
Zusätzlich verstärkt das Klimaphänomen La Niña die Unsicherheit. Das Climate Prediction Center der NOAA hat anhaltende La-Niña-Bedingungen für den Winter 2025/26 bestätigt, mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von knapp 80 Prozent. La Niña ist das Gegenstück zu El Niño und Teil eines natürlichen Klimazyklus, bei dem sich das Zirkulationsmuster im Pazifik verändert und die Meeresströmungen umwälzt. Während La Niña weltweit häufig kältere und feuchtere Witterungen begünstigt, zeigt sich in Europa vor allem eine Tendenz zu niedrigeren Temperaturen und häufigeren Schneefällen.
Genaue Wetter-Vorhersagen
Während die Vorhersagequalität für die ersten Tage in der Regel gut bis sehr gut ist, wird sie mit zunehmender Dauer immer ungenauer – ab Tag 9 ist das Klimamittel, also das durchschnittliche Wetter der Vergangenheit, meist besser als die reine Prognose. Saisonale Vorhersagen, wie sie der Deutsche Wetterdienst für den Winter anbietet, beschreiben daher keine konkreten Wetterereignisse, sondern nur klimatische Tendenzen und Wahrscheinlichkeiten über drei Monate hinweg – mit einer Prognosegüte, die der DWD selbst oft nur als „mittel“ bewertet. Konkrete Aussagen über einzelne Kältewellen oder Schneefälle sind Monate im Voraus schlicht nicht möglich.
Besonders Norddeutschland, Skandinavien, Polen und das Baltikum könnten von kälteren Bedingungen betroffen sein. Meteorologe Dr. Karsten Brandt erklärte unlängst noch: „Die beginnende La-Niña-Phase und ein zerzauster Polarwirbel erhöhen die Chance auf einen kälteren Winter in Europa“ – allerdings handele es sich dabei um eine Abschätzung, nicht um eine konkrete Prognose. Für NRW bedeutet das: Einzelne intensive Kältewellen sind durchaus möglich, auch wenn das Gesamtniveau des Winters leicht über dem Mittel liegen dürfte.