- VonBoris Baurschließen
Großraumdisco, Fitnessstudio, Primark oder gleich ganz abreißen: Die Vorschläge der WA-Leser für eine mögliche Nachnutzung der großen Fläche von Möbel Boss und Hammer in Heessen bilden ein weites Spektrum ab.
Heessen – Mit der Schließung von „Möbel Boss“ am Monatsende und des benachbarten „Hammer“-Fachmarktes für Raumgestaltung zum 3. Dezember wird es an der Heessener Straße bald einen großen Leerstand geben. Noch ist nichts bezüglich einer Nachnutzung der Immobilie bekannt, Möbel Boss hatte sich auf Nachfrage nicht dazu geäußert. Auf den Aufruf des Westfälischen Anzeigers hin machten unsere Leser aber zumindest vielfältige Vorschläge und zeigten gleichzeitig, was sie in Heessen vermissen – auch wenn die Umfrage natürlich nicht repräsentativ ist.
Besonders die Schließung von Hammer hat viele überrascht, den Mitarbeitern wird in Facebook-Kommentaren unter dem WA-Artikel mehrfach alles Gute bei der Suche nach einer neuen Arbeit gewünscht. Bedauert wird der Verlust von Möbel Boss und Hammer allemal. „Das ist mehr als bitter, zumal wir dann in Heessen so gut wie gar nichts mehr an Einkaufsmöglichkeiten haben“, so eine Leserin per Mail.
Relativ eindeutig gestaltet sich die Abstimmung auf der WA-Website darüber, ob das Gebäude überhaupt erhalten oder besser abgerissen werden soll. Mehr als 70 Prozent der Teilnehmer plädieren für einen Abriss.
Wohnraum schaffen
„Halle abreißen und Wohnungen bauen“, heißt es kurz und knapp in einem Facebook-Post. Neuen Wohnraum können sich überhaupt viele an dieser Stelle, die nach hinten raus Anbindung zum Erlebnisraum Lippeaue bietet, vorstellen. „Komplett neu bebauen, das heißt, abreißen und Mehrfamilienhäuser und Einfamilienhäuser bauen. Das gesamte Grundstück ist groß genug. Da könnte eine komplett neue Siedlung entstehen. Und für einen Lebensmittel laden ist auch Platz“, schreibt ein User. Eine andere Leserin sieht das ähnlich: „Es fehlt doch an bezahlbarem Wohnraum“, mailt sie. Von anderer Seite werden „ein Gewerbegebiet für Klein-Handwerk“, eine Stätte für die überbetriebliche Ausbildung und mehr Grünflächen ins Spiel gebracht.
In einem Post wird auf die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) verwiesen, die das Gebäude aufkaufen, abreißen und dann an expandierende Unternehmen vermarkten solle. „Damit wir nicht mehr lesen müssen, dass gut laufende Firmen nach Werne auswandern müssen, weil sie in Hamm keinen Platz finden.“
Modegeschäft
Doch gibt es auch genügend Vorschläge für eine Weiternutzung, die auch durchaus zu der eingeschössigen Gebäudestruktur an der Heessener Straße passen könnten. Vor allem Bekleidungsgeschäfte werden genannt. „Hier in Hamm fehlt einfach ein vernünftiges Geschäft, in dem man sich einkleiden kann, ähnlich wie Kress“, heißt es in einer Mail. In einer anderen: „Es wird immer gesagt, Primark kommt auch nach Hamm. Aber leider bis jetzt noch nicht. Das wäre mega, wenn sowas umgesetzt wird und man nicht immer nach Dortmund oder Köln muss.“ Außerdem wird ein Outletcenter mit Gastronomie vorgeschlagen, in Kombination mit anderer Nutzung meint auch eine Leserin, dass „ein, zwei Restaurants im modernen Stil an dem sehr guten Standort Leben reinbringen“ könnten.
Namentlich genannt werden in den vielen Reaktionen unter anderem die Bekleidungsmarken Zara und Shein, aber auch Ernsting’s family, der Drogeriemarkt DM, der Bioladen Denns, der Renovierungs-Discounter Tedox sowie die Einrichtungskette Depot. Eine Leserin sieht in einer Ansiedlung von Smith Toys oder Baby one eine tolle Möglichkeit. „In Hamm Kinderspielzeug zu bekommen, gestaltet sich nämlich äußerst schwierig.“
Freizeitcenter
Darüber hinaus werden Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung für Groß und Klein vorgeschlagen. „Der Platz ist sehr gut geeignet für einen Indoor-Spielplatz für Kinder und Kleinkinder, da es in Hamm-Heessen kaum Vergnügungsmöglichkeiten gibt, was mit der familienfreundlichsten Stadt nicht zusammenpasst“, schreibt jemand. Ein anderer findet, dass es „mal Zeit wird, was für Kinder zu bauen“. Mehrfach werden Indoorhallen ins Spiel gebracht, einmal ein Skateboard-Park und ein Jugendhaus für „alle möglichen Arten von Aktivitäten“.
Diskutiert werden Vorschläge für eine Großraumdisco und eine Kartbahn. „Die Jugend von heute weiß schon nicht mehr, wo sie hingehen soll, und eine vernünftige Disco ist schon längst überfällig hier“, schreibt eine Userin. Noch mehr Leute begrüßen ein Fitnesscenter in Heessen.
Auseinander gehen die Meinungen bezüglich von Billigläden. Die einen wollen bloß nicht noch weitere Ein-Euro-Shops und Ähnliches, andere plädieren explizit für einen Action-Markt, der vor einigen Jahren an der Amtsstraße der Aldi-Filiale Platz machen musste. Ein Schnäppchenmarkt beziehungsweise Restpostenverkauf sei damals sehr gut angenommen worden, heißt es in einer Mail.
Ein Leser hat sich Gedanken gemacht und würde die Hallen in Platz für Gewerbe und abschließbare Boxen für Wohnwagen und Reisemobile aufteilen. Außerdem würde den Parkplatz entsiegeln und ihn sowie das große Flachdach für Solaranlagen nutzen. Auf dem Parkplatz könnte dann unter anderem „auch eine Weidefläche oder Ähnliches angelegt werden“.
Nur kein Leerstand
Aus den Kommentaren ist auch herauszulesen, dass sich viele Sorgen machen, dass nichts passieren wird. „Wird sowieso ein Leerstand bleiben, so wie beim Praktiker...“, lautet eine Nachricht. „Nicht verfallen lassen wie Praktiker!“, mahnt eine andere. Nicht wenige Kommentatoren befürchten angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage und der Energiekrise weitere Schließungen und Insolvenzen. „Es folgen noch mehr, das ist erst der Anfang“, heißt es beispielhaft.