Natur

Wolfsspuren in Allagen entdeckt: Erster bestätigter Fall im Stadtgebiet

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In Allagen wurde genetisches Material einer Wölfin festgestellt (Symbolbild).
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An einem Tierkadaver in Allagen ist genetisches Material einer Wölfin entdeckt worden. Es ist der erste bestätigte Warsteiner Fall. Was das Landesumweltamt und das Forstamt der Stadt dazu sagen.

Warstein/Allagen – Der Wolf kehrt in alte Gefilde zurück. Und offenbar auch nach Warstein. Wie das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (LANUV) nun vermeldet, wurde im Warsteiner Stadtgebiet genetisches Material einer Wölfin festgestellt. In der entsprechenden Nachweiskarte ist zu erkennen, dass es sich bei dem Fundort um den südlichen Ortsrand Allagens handelt.

Das genetische Material der Wölfin sei an einem Wildtierkadaver vom 14. Mai diesen Jahres festgestellt worden. Es sei das genetische Material der Wölfin mit der Kennung GW3199f, bei dem gerissenen Wild handele es sich um Sikawild. „Dieses Tier konnte erstmalig am 19. Oktober 2022 in ihrem grenzübergreifenden Herkunftsterritorium „Gohrischheide“ in Sachsen/Brandenburg nachgewiesen werden. Weitere Nachweise stammen aus Thüringen und Hessen“, schreibt das LANUV in seinem Bericht. Sprich: Die Wölfin hat schon einige einhundert Kilometer innerhalb Deutschlands zurückgelegt, ehe sie in den Kreis Soest und nach Warstein kam.

652 bestätigte Wolfnachweise in Nordrhein-Westfalen

Insgesamt stellte das LANUV seit 2009 652 bestätigte Wolfnachweise in Nordrhein-Westfalen fest. 45 Nachweise davon sind durch Wildtierrisse entstanden. Lediglich vier der 652 Nachweise stammen aus dem Kreisgebiet. Der zweite Nachweis, neben dem aus Allagen, stammt vom 7. Mai diesen Jahres: In Lippetal, unmittelbar an der Grenze zu Hamm in der Nähe der A2-Abfahrt Uentrop, wurde ein Wolf mittels eines sogenannten Losungsfunds nachgewiesen. Am 7. Mai wurden dort Kot- und Urin-Spuren gefunden, die im Senckenberg Forschungsinstitut in Gelnhausen untersucht wurden. Nach Angaben des Landesamtes handelt es sich dabei um ein männliches Tier mit der Kennung GW3501m. „Er ist ein Nachkomme aus dem niederländischen Rudel „Noord-Veluwe“ in Gelderland“, so das LANUV. Die älteren Nachweise stammen ebenfalls aus Lippetal und aus Rüthen. In Lippetal im Uentroper Wald wurde 2022 ein Wolf mittels einer Wildtierkamera aufgezeichnet, in Rüthen tappte 2019 ein Wolf in eine Fotofalle.

Wo die nachgewiesenen Tiere aktuell sind, insbesondere auch die Allagener Wölfin, ist laut LANUV nicht bekannt.

Forstamt der Stadt Warstein: „Keine Ängste schüren“

Auch im Warsteiner Stadtgebiet habe es bereits in der Vergangenheit Wolfs-Verdachtsfälle gegeben, unter anderem bei einem Nutztierriss 2021, erklärt Lena Arens, Leiterin des Forstamtes der Stadt Warstein. Ganz überrascht, dass es nun diesen bestätigten Fall gebe, sei man daher nicht: „Uns war bewusst, dass Wölfe durch unseren Wald streifen. Ich glaube auch, dass das in Zukunft öfter passieren wird.“

Grundsätzlich müsse man die weitere Entwicklung nun abwarten, „aber natürlich ganz genau beobachten“. Einzelne Tiere seien kaum bemerkbar, das wäre erst der Fall, „wenn sich Rudel etablieren. Aber das ist noch in sehr weiter Ferne.“

Alarmglocken müssen aufgrund des bestätigten Nachweises bei Allagen aber bei niemandem klingeln: „Da muss man nun keine Ängste schüren.“ Vor allem nicht, solange die Wölfe menschenscheu seien.

Meldungen und Hintergründe zu Nachweisen

Aufgrund genetischer Nachweise geht das Landesumweltamt davon aus, dass in verschiedenen Landschaftsräumen in NRW seit dem Jahr 2018 einzelne Wolfsindividuen standorttreu geworden sind, heißt es auf der Internetseite.

Dort veröffentlicht das Landesamt auch „möglichst zeitnah und umfassend“ Meldungen und Hintergründe unter anderem zu Nachweisen: „Wir informieren über Biologie und Verhalten des Wolfes und dokumentieren bestätigte Wolfsnachweise in einer geodaten-basierten Karte, die interaktiv abgerufen und nach bestimmten Kriterien gefiltert werden kann.“

Sichtungen eines Wolfes können direkt auf der Internetseite gemeldet werden. Dort finden sich auch die Kontaktdaten der zuständigen regionalen Wolfsberaterinnen und Wolfsberater. Tierhalterinnen und Tierhalter erfahren gleichzeitig, welche Hilfen sie in Anspruch nehmen können, wenn sie ihre Herden durch den Wolf konkret bedroht sehen oder Schäden melden wollen, die vermutlich durch einen Wolf verursacht wurden.

Wolfsnachweise werden in den Arten „Haare“, „Fotofalle“, „Totfund“, „Wildtierriss“, „Nutztierriss“, „Trittsiegel und Spuren“, „Kot- und Urinspuren“ und „Sichtbeobachtungen“ kategorisiert.

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