- VonPia Sofie Bartmannschließen
Immer mehr Müll wird an Altkleidercontainern abgeladen. Die Situation hat sich seit einer Anpassung des Gesetzes verschärft. Für die Malteser bedeutet das zusätzliche Herausforderungen.
Drensteinfurt – Was als Spende gut gemeint war, endet zunehmend als Problem. Denn gut gemeint ist eben nicht immer gut durchdacht: Immer wieder türmen sich rund um Drensteinfurts Altkleidercontainer Gardinenfetzen, Teppichreste oder sogar kaputte Kindersitze. Überfüllte Behälter und falsch entsorgter Müll machen aus den eigentlich praktischen Sammelplätzen mit Nachhaltigkeitscharakter ein wachsendes Ärgernis. Für den Hilfsdienst der Malteser, der an zwölf Stellen im Stadtgebiet insgesamt 17 Container betreibt, bedeutet das deutlich mehr Arbeit – und höhere Kosten.
„Wollen einfach ihren Müll loswerden“: Dreiste Masche an Altkleidercontainern nimmt zu
Christian Schlichter, Diözesanreferent beim Malteser Hilfsdienst, koordiniert die Leerung der Altkleidercontainer im Kreis Warendorf sowie im Münsterland. Im Gespräch mit dem WA betont er, dass sich die Situation seit der Anpassung des Abfallwirtschaftsgesetzes zu Beginn des Jahres noch einmal deutlich verschlimmert habe. Dabei habe sich speziell für die Malteser eigentlich gar nichts verändert. „Der Hype in der Berichterstattung hat dafür gesorgt, dass die Leute panisch wurden und jetzt denken, dass sie alle Textilien im Altkleidercontainer entsorgen müssen“, erklärt er. „Die Leute haben es völlig falsch verstanden.“ Denn alles, was zerrissen, dreckig oder anderweitig kaputt ist, darf auch nach wie vor in der Restmülltonne entsorgt werden.
Andere hingegen sähen das Angebot der Altkleidercontainer als Freifahrtschein. „Einige wollen einfach ihren Müll loswerden. Wir finden regelmäßig Reste von Teppichen und Gardinen oder beschädigte Kinderzimmerausstattungen. Manche Leute schaffen es sogar, eine ganze Matratze in den Altkleidercontainer zu stopfen, obwohl das fast unmöglich ist“, sagt Schlichter. Diesen Abfall zu entsorgen kostet viel Geld – für jede Tonne Gewerbemüll fallen 220 Euro an.
Trotz Müll-Problematik ist Containersystem der Malteser ein Erfolg
Die Altkleidercontainer der Malteser werden laut Schlichter einmal pro Woche geleert, bei Bedarf sogar öfter. „Leider leeren andere, gewerbliche Aufsteller ihre Container in der Stadt nicht so häufig. Dann schwappt es auch bei uns schon mal über.“ Mit diesem Problem sei er bereits an die Verwaltung herangetreten. Etwas verändert habe sich bislang jedoch nicht.
Manche Leute schaffen es sogar, eine ganze Matratze in einen Altkleidercontainer zu stopfen, obwohl das fast unmöglich ist.
Trotz aller Hürden sei das karitative Containersystem der Malteser ein Erfolg. „Noch brauchbare Kleidung zu recyceln ist nicht nur ökologisch sinnvoll und schont Ressourcen, sondern hat auch einen sozialen Faktor. Bedürftige haben es verdient, vernünftige Anziehsachen zu erhalten.“ Beim Hilfsdienst gehe man sehr sensibel mit dem Thema um. In den vergangenen 30 Jahren ihrer Tätigkeit in Drensteinfurt hätten die Malteser damit bereits viel Gutes bewirken können. „Die gesammelte Kleidung wird über unsere Kleiderkammer verteilt oder über einen seriösen Partner an Sozialkaufhäuser in Polen und der Ukraine geliefert“, erklärt Schlichter. Das dadurch eingenommene Geld komme dem Ehrenamt der Malteser zugute, beispielsweise im Fahrdienst und weiteren sozialen Angeboten, bei der Gefahrenabwehr im Notfall, dem Katastrophenschutz oder dem Sanitätsdienst, der in Drensteinfurt Veranstaltungen begleitet.
Bezüglich der Müllproblematik appelliert Schlichter erneut an die Vernunft der Bürger, keine unbrauchbaren Dinge an den Containern abzuladen. „Wir überlegen aktuell, ob wir einen Abholservice für unsere Container einrichten. Das Projekt würde dann zuerst in Münster starten, bevor Drensteinfurt folgt. Zurzeit befindet sich eine App dafür in der Entwicklung“, sagt er.
Entsorgung von Textilien
Alle Textilien – auch Altkleider – die unbrauchbar, verschmutzt oder zerrissen sind, dürfen weiterhin in der Restmülltonne entsorgt werden. In Altkleidercontainern werden Schuhe und Kleidungsstücke gesammelt, die für den weiteren Gebrauch an Bedürftige ausgegeben werden können. Müll, Matratzen oder Reste von Gardinen, Teppichen, Möbeln und Elektrogeräten gehören nicht in Altkleidercontainer.
Auch an anderer Stelle erhalten Bedürftige in Drensteinfurt Hilfe: Aus der Kleiderkammer der Flüchtlingshilfe „Helfende Hände mit Herz“ wurde die Kleideroase – sie feierte kürzlich ihre Eröffnung.