VonConstanze Juckenackschließen
In Hamm ist die Zahl der Baugenehmigungen spürbar eingebrochen. Das betrifft vor Mehrfamilienhäuser. Aktuelle Zahlen.
Hamm – Die Zahl der Baugenehmigungen in Hamm ist 2023 deutlich gesunken. Das Bauamt hat im vergangenen Jahr 320 neue Wohnungen genehmigt. 2022 waren es noch 651 Wohnungen gewesen. Diese Zahlen gehen aus Ende April veröffentlichten Daten von IT NRW als statistischem Landesamt hervor. 320 Wohnungen: Das ist der niedrigste Wert seit 2014. Er bestätigt Tendenzen der Vormonate und entspricht der bundesweiten Entwicklung.
Eingebrochen ist die Zahl der Genehmigung in allen Bereichen. Ein Beispiel: 2022 wurde noch der Bau von 410 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern genehmigt, 2023 lag der Wert nur noch bei 152. Auch den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern haben kaum Bauherren beantragt: So wurden 2023 nur noch 60 Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser ausgesprochen, 2022 waren es noch 84 und 2021 sogar 133. Bei den Zweifamilienhäusern sank die Zahl der genehmigten Wohneinheiten von 28 im Jahr 2021 auf neun 2022 und nur noch sechs im vergangenen Jahr.
Steuert Hamm angesichts derart niedriger Zahlen auf eine Wohnungskrise zu? Davor hatte Oberbürgermeister Marc Herter bereits bei der Messe Imbau gewarnt. Zuletzt standen in Hamm noch etwa ein Prozent der Wohnungen leer – ein niedriger Wert. Schließlich sind etliche der leer stehenden Wohnungen nicht bewohnbar, beispielsweise, weil sie umgebaut werden.
„Masterplan Wohnen“ für Hamm in Arbeit
Klare Vorgaben dazu, wie viele neue Wohnungen Hamm braucht, gibt es nicht. Über viele Jahre peilte die Verwaltung an, dass pro Jahr 400 neue Wohnungen gebaut werden sollten. Damit wollte man für eine Erneuerung veralteten Wohnraums sorgen und den veränderten Bedürfnissen der Bevölkerung Rechnung tragen, etwa dem Umstand, dass eine alternde Bevölkerung mehr barrierearme oder -freie Wohnungen braucht.
Derzeit erarbeitet ein Planungsbüro in Dortmund im Auftrag der Stadt einen neuen „Masterplan Wohnen“. Darin geht es unter anderem um die Frage, wie viel Neubau in Hamm gebraucht wird. Fertig werden soll der neue Plan noch in diesem Quartal.
Aus der neuen Statistik von IT NRW geht nicht hervor, wie viele der genehmigten Wohnungen gebaut oder fertig wurden.
Im Landesvergleich liegt die Zahl der Baugenehmigungen auf einem niedrigen Niveau. Pro 10.000 Einwohner wurden knapp 18 neue Wohnungen genehmigt, der Landesschnitt liegt bei 24. In Dortmund liegt die Baugenehmigungsquote genau im Landesschnitt, im Kreis Soest mit 20 leicht darunter und in Münster mit 43 deutlich höher. Schlusslicht ist Herne mit 6 Wohnungen pro 10.000 Einwohner, Spitzenreiter der Kreis Steinfurt mit knapp 47.
Nach kontroversen Vorgängen ist in Hamm ein 100 Jahre altes Gebäude „entmietet“ worden und inzwischen komplett leer. Pläne für einen Neubau liegen wohl schon in der Schublade.
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