VonKatharina Bellgardtschließen
In Hamm gab es einen Fall der Blauzungenkrankheit - jetzt steigen die Zahlen rasant. Die Infektionskrankheit breitet sich in ganz NRW aus.
Hamm/Kreis Unna – Nachdem in der vergangenen Woche ein Fall der Blauzungenkrankheit in Hamm bekannt wurde, steigen die Infektionen in der Region erheblich. „Die Zahlen explodieren gerade in ganz Nordrhein-Westfalen“, sagt der Leiter des zuständigen Veterinäramts im Kreis Unna, Dr. Tobias Kirschner. Insgesamt gibt es aktuell 143 Fälle in NRW, die Tendenz ist steigend. Auch Hamm und der Kreis Unna sind betroffen, hier wurden noch keine aktuellen Zahlen veröffentlicht.
„Zahlen explodieren gerade in NRW“ - Blauzungen-Infektionen steigen rasant
Die Blauzungenkrankheit ist eine virusbedingte Tierseuche, mit der sich Wiederkäuer wie Schafe und Rinder anstecken können. Übertragen wird sie durch Gnitzen, eine Mückenart, die zunächst in Europa nur im Mittelmeerraum auftrat. Ein sehr schwerer Verlauf kann zu Nottötungen führen, da die Tiere nicht mehr behandelt werden können.
In den Jahren 2006 bis 2008 brach die Krankheit schlagartig in Mitteleuropa aus. Die Infektion verläuft dieses Mal ähnlich, 2024 sind jedoch bislang mehr Schafe als Rinder betroffen. Ein ähnlicher Verlauf ist auch dieses Mal möglich. „Die Fälle jetzt sind nur eine Vorstufe“, sagt Kirschner. Die Infektionszahlen werden voraussichtlich im August und September deutlich steigen, wenn die Gnitzen aktiver werden.
Aber: Es gibt mittlerweile Impfungen gegen die Blauzungenkrankheit. Die Impfstoffe befinden sich in der vorläufigen Zulassung, sie sind laut Kirschner ohne Probleme erhältlich. Zudem können Landwirte ihre Tiere mit Mückenspray schützen, sodass sie möglichst nicht gestochen werden.
Blauzungenkrankheit in Hamm: Tierhalter werden finanziell unterstützt
In Hamm wurde am Mittwoch, 10. Juli, ein Fall der Blauzungenkrankheit in einer privaten Schafherde gemeldet. Dass es bei einem Einzelfall bleiben würde, schlossen die Mitarbeiter des Kreisveterinäramts jedoch von Anfang an aus. „Das Ausbruchsgeschehen ist explosionsartig“, erklärt Kirschner. „Die ersten Fälle gab es in den Niederlanden, dann in Belgien.“ Sollte der Verlauf wie 2006/08 sein, zieht die Krankheit immer weiter in den Osten von Europa.
„Für uns sind aber Bremsen wie die Impfung verfügbar“, sagt Kirschner. „Wir müssen sie nur einsetzen.“
Tierhalter werden laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz finanziell unterstützt:
- Die Tierseuchenkasse NRW unterstützt Tierhalter finanziell bei den Impfungen gegen den aktuellen Blauzungenerreger.
- Pro Impfdosis für ein Rind zahlt die Kasse 2 Euro dazu.
- Pro Impfdosis für ein Schaf zahlt die Kasse 1 Euro dazu.
Auch in der Vergangenheit zeigte sich, dass Impfen hilft: „Durch die vernünftige Impfdecke ebbte die Krankheit wieder ab“, erklärt Kirschner zum Verlauf ab 2008, als die erste Impfung auf den Markt gegen die Blauzungenkrankheit kam.
Schafe und Rinder haben in NRW noch ein weiteres Problem: Wölfe reißen die Tiere manchmal.
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