VonHannah Deckeschließen
Das Public Viewing musste am Samstag wegen eines Unwetters abgebrochen werden. Es gibt Kritik von Fans: Der Westfalenpark in Dortmund sei zu spät geräumt worden.
Dortmund - Lange hatten die Veranstalter die Hoffnung, dass das angekündigte Unwetter in NRW erst nach dem EM-Achtelfinale Deutschland gegen Dänemark am Samstagabend, 29. Juni, Dortmund erreichen wird. Die Fan Zones im Westfalenpark und auf dem Friedensplatz waren voll, zigtausende Fans feuerten die DFB-Elf beim Public Viewing an. Doch gegen 21.30 Uhr dann die Schreckensnachricht: Nicht nur das Spiel im Westfalenstadion musste aufgrund von heftigem Starkregen und Blitzen unterbrochen werden. Auch die Fan Zones wurden geräumt. Für einige Fußballfans kam dieser Schritt zu spät. Für Meteorologe Jörg Kachelmann hätte das Public Viewing „nie stattfinden dürfen“.
Westfalenpark „viel zu spät geräumt“? Kritik von Fußballfans nach Unwetter über Dortmund
„Das war lebensgefährlich“, sagt eine junge Frau in einem Tiktok-Video nach dem Deutschlandspiel in Dortmund. Sie übt harte Kritik am Veranstalter, der in ihren Augen den Westfalenpark „viel zu spät“ geräumt habe. „Ich finde es super fahrlässig vom Veranstalter“, so die junge Frau weiter. „Wenn das Unwetter schon da ist, ist die Räumung irgendwie auch zu spät, finde ich.“
Die Tiktok-Nutzerin beschreibt ein in ihren Augen „unschönes Erlebnis“. Man habe schon weit vor der Räumung in der näheren Umgebung Blitze gesehen. „Es wurde erst geräumt, nachdem das Gewitter schon direkt über den Leinwänden war.“ In „letzter Sekunde“ seien die Notausgänge geöffnet worden.
Westfalenpark bei EM-Spiel wegen Unwetter geräumt – „wirklich kurze Vorwarnzeit“
Gero Droste, Bereichsleiter „Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz“ bei der Feuerwehr Dortmund, erklärte am Samstagabend vor Medienvertretern, dass man das Wetter „den ganzen Abend beobachtet“ habe. Es sei immer die Rede davon gewesen, dass die Wetterlage im Laufe des späteren Abends kritisch werden könne. „Wir hatten die Hoffnung, dass wir das Spiel zeigen können“, erklärt Droste.
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— BlaulichtRheinlandNRW (@nrw_blaulicht) June 29, 2024
📍Dortmund
Blitzeinschlag ca. 2km vom Stadion entfernt.#Dortmund #Gewitter #Unwetter pic.twitter.com/Jchkne5ax3
Doch es kam anders. Gegen 21.25 Uhr habe der zuständige Meteorologe des Koordinierungsteams angerufen und vor einer Gewitterzelle gewarnt, die in 15 Minuten Dortmund erreichen werde. „Wir haben hart mit uns gerungen“, schildert Droste. „Doch die Entscheidung war dann klar: Wir müssen abbrechen.“ Ausschlaggebend seien die vielen angekündigten Blitze gewesen. In NRW gab es während des Unwetters Bahnsperrungen durch Blitzeinschläge sowie mehrere Feuerwehreinsätze.
Laut Droste hat die Räumung des Westfalenparks gut funktioniert. Er bedankte sich am Samstagabend bei den Fans, „die wirklich sehr ruhig und gesittet die Fan Zones geräumt haben.“ Im Endeffekt sei die Räumung „mit wirklich kurzer Vorwarnzeit echt gut gelaufen“.
Unwetter über Dortmund: „Ein Blitzschlag am falschen Ort, viele Tote“
Von chaotischen Szenen oder gar einer Massenpanik, die die junge Frau ebenfalls in ihrem Tiktok schildert, kann auch Jan Brückhändler nicht berichten. Der junge Mann aus Holzwickede besuchte ebenfalls am Samstagabend das Public Viewing im Westfalenpark. „Im Endeffekt lief das alles geregelt ab“, sagt Brückhändler im Gespräch mit wa.de. Er und seine Freunde hätten vor Ort kein Chaos oder Ähnliches erlebt, auch nicht bei den Ausgängen. Ein paar Leute seien in der Situation etwas angespannter gewesen als andere, „aber das ist ja normal“, so Brückhändler weiter. Auch andere Fußballfans schildern im Gespräch mit wa.de kein Chaos oder panische Fußballfans, merken wohl aber an, dass „sehr spät“ geräumt worden sei.
Für Meteorologe Jörg Kachelmann hätte das Public Viewing in Dortmund bei der angekündigten Wetterlage „nie stattfinden dürfen“. Es sei reiner Zufall, dass nichts passiert sei. „Ein Blitzschlag am falschen Ort, viele Tote“, sagt Kachelmann auf Nachfrage von wa.de. Laut Angaben des Meteorologen habe man spätestens um 20.40 Uhr gesehen, „dass da was Größeres Richtung Ruhrgebiet zieht“. Also weit vor Spielbeginn um 21 Uhr. Kachelmann hatte bereits im Frühjahr harte Kritik geäußert, nachdem es zu einem Blitzeinschlag in ein Pfingstzeltlager im Kreis Soest gekommen war. Im Gespräch mit soester-anzeiger.de kritisierte der Meteorologe, dass das Zeltlager deutlich früher hätte unterbrochen werden müssen.
