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Das wohl verrückteste Dorf in NRW gehört zur Hälfte einem anderen Bundesland

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Auf der Grenze von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen liegt Reine. Damit hat das Dorf gleich zwei Bürgermeister. Es gibt noch weitere kuriose Folgen.

Reine – Zwei Postleitzahlen, zwei Stromnetze, zwei Bürgermeister – in Reine gibt es alles doppelt. Der Grund: Der Ort liegt genau auf der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Links NRW, rechts Niedersachsen – und einig werden sich die Bundesländer vermutlich nie, denn: Keiner möchte seinen Teil der Ortschaft abgeben.

Das verrückteste Dorf in NRW gehört zur Hälfte einem anderen Bundesland

„Wieso sollten wir so eine Besonderheit einfach aufgeben? Es gibt für mich keinen Grund“, sagt Frank Meier, Bürgermeister von Extertal, im Gespräch mit dem WDR. Eine Ansicht, die sein niedersächsischer Amtskollege aus Aerzen teilt. Der Sender hat dem wohl verrücktesten Dorf in NRW jüngst einen Besuch abgestattet. Gerade einmal 100 Menschen wohnen in Reine – oder besser gesagt: in beiden Dörfern. Denn offiziell gibt es das Dorf gleich zweimal. Die westliche Hälfte gehört zur lippischen Gemeinde Extertal in NRW, die östliche zum Flecken Aerzen in Niedersachsen. Eine unsichtbare Grenze zieht sich von Nord nach Süd durch den Ort und sorgt für einige Eigenheiten.

Reine wird durch eine Grenze in zwei Bundesländer geteilt.

So kommen zum Beispiel die beiden Müllabfuhren an unterschiedlichen Tagen, schildert der WDR. Der Bus fährt nach Reine – aber nicht hindurch, stattdessen dreht er an der Grenze wieder um. Und auch der Straßenbelag kann sich innerhalb des Dorfes unterscheiden. Doch so geteilt das Dorf in bürokratischer Hinsicht auch ist, bringen manche Dinge beide Seiten zusammen. Der Friedhof zum Beispiel. Denn egal, ob Westfale oder Niedersachse: Die letzte Ruhestätte aller Reiner liegt auf der NRW-Seite.

Gesetzliche Feiertage in NRW und Niedersachsen

Auch bei den Feiertagen gibt es Unterschiede. Am Fronleichnamstag haben die NRW-Bewohner frei, während die Niedersachsen arbeiten müssen. Dafür dürfen sich die Niedersachen am Reformationstag ausruhen, während auf der anderen Seite der Grenze normal gearbeitet wird. Entscheidend ist dabei nicht der Wohnort, sondern die Arbeitsstätte.

So lebt Reine mit der doppelten Verwaltung – und macht aus der Teilung einfach eine Besonderheit.

Ein ähnliches Phänomen findet sich im Münsterland. Das Dorf Suderwick im Münsterland grenzt an das holländische Dinxperlo. Die beiden Ortschaften verbindet eine lange gemeinsame Geschichte.

Rubriklistenbild: © CreditIMAGO / Panthermedia

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