VonMaximilian Gangschließen
Aus dem Tagebau Hambach soll der zweitgrößte See Deutschlands werden. Neben einem riesigen Radweg sind weitere Orte geplant.
Hambach – 4,3 Milliarden Kubikmeter Wasser sollen aus dem gigantischen Loch, das der Braunkohlebagger am Tagebau Hambach hinterlassen wird, den nach Volumen zweitgrößten See Deutschlands machen. So lautet zumindest das Mammutvorhaben des Energieriesen RWE. Der See soll das Zentrum einer Wald-Seen-Landschaft werden: Auch im Umkreis des Tagebau Hambach ist einiges geplant, mit dem „Hambach Loop“ unter anderem ein riesiger Fahrradweg. Eine Studie soll nun herausfinden, was dort sonst noch entstehen könnte.
Zweitgrößter See Deutschlands in NRW geplant: Was dort entstehen soll
Die Machbarkeitsstudie zum Projekt „Besondere Orte am Hambach Loop“ soll weitere realisierbare Nutzungsmöglichkeiten mit besonders viel Potenzial finden, wie Christina Brincker von der Neuland Hambach GmbH im Gespräch mit 24RHEIN sagt. Welche genau das sind, sei zum größten Teil bislang unklar. Klar ist: Die „besonderen Orte“ am Tagebausee in NRW sollen eine „überregionale Strahlkraft“ haben und den „Hambach Loop“ attraktiver machen.
„Aktuell prüfen wir die Anzahl der besonderen Orte, das heißt wir prüfen, wie viele es zur Unterstützung des Loops bedarf und wie diese Orte auch dauerhaft [...] betrieben werden können“, sagte Brincker. Die Studie soll außerdem auch Fragen zur Verfügbarkeit von Flächen, zur Nachhaltigkeit sowie zum Planungsrecht beantworten. Einer der bereits geplanten Orte sei das Einleitbauwerk, durch das das Wasser aus dem Rhein in den gigantischen See fließen soll. Auch Aufenthaltsmöglichkeiten, wie Rastplätze, und Mobilstationen seien angedacht.
Neuland Hambach GmbH
Die Neuland Hambach GmbH wurde von den sechs Anrainerkommunen Elsdorf, Jülich, Kerpen, Merzenich, Niederzier und Titz ins Leben gerufen. Die Gesellschaft vertritt die Interessen der Bürgerinnen und Bürger im Umkreis, kümmert sich um die strukturpolitische Entwicklung und die Koordination der Zukunftsperspektiven sowie um die Akquise von Fördermitteln und Investitionen.
„Besondere Orte“ am zweitgrößten See Deutschlands: Bürger können Möglichkeiten online bewerten
„Auch die Bevölkerung soll während des gesamten Prozesses eng miteingebunden werden“, so Brincker. Beispielsweise sollen im Spätsommer/Frühherbst Aktionen im direkten Tagebauumfeld stattfinden, die sich vor allem an die potenziellen Nutzerinnen und Nutzer des „Neuland Hambach“ richten sollen. Gemeinsam mit den Menschen der Region sollen dabei verschiedene Aspekte ausgearbeitet werden, wie Brincker sagt:
- Welches „Charisma“ die einzelnen Orte haben.
- Ob die Orte baulich und funktional in den vorgesehenen Raum passen.
- Für welches Nutzungsangebot man an dieser Stelle gerne Pause machen würde.
- Welches Nutzungsangebot eine solch große Anziehungskraft hat, dass man dafür extra anreist.
Die Planung für die sogenannten „Raumerlebnisaktionen“ beginnt Anfang August, genaue Daten stehen noch nicht fest. Darauffolgend sei eine Onlinebeteiligung geplant, bei der die im Rahmen der Studie erarbeiteten Standorte und Nutzungsmöglichkeiten von den Bürgerinnen und Bürgern bewertet werden können.
NRW: „Besondere Orte“ am zweitgrößten See Deutschlands sollen Braunkohlerevier aufwerten
Der 42 Kilometer lange „Hambach Loop“, der Besucherinnen und Besucher in Form einer Acht um den Tagebau und die nahegelegene Sophienhöhe führen soll, soll die bestehenden Orte, wie beispielsweise die entweihte Kirche in Manheim-Alt, dann mit den neu geschaffenen Orten verbinden. „So soll eine neue Erlebnis- und Mobilitätsinfrastruktur entstehen, die die vom Tagebau beanspruchte Landschaft aufwertet [und] für die Menschen wieder zugänglich macht“, erklärte Brincker.
Nicht nur bei der Neuland Hambach GmbH laufen die Vorbereitungen für die Restrukturierung des Kohlereviers auf Hochtouren. Auch RWE hat bereits große Pläne, was neben und auf dem gigantischen See am Tagebau Hambach entstehen könnte. Beispielsweise hat das Unternehmen bereits Ideen entwickelt, wie am Tagebau nach dem Ende der Kohleverstromung dennoch weiter Strom erzeugt werden kann: durch schwimmende Solarmodule auf dem See. (mg) Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
Rubriklistenbild: © Neuland Hambach / bgmr Landschaftsarchitekten


