Hambach Loop

NRW: Zweitgrößter See Deutschlands geplant – 42 Kilometer Radweg direkt am Ufer

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Aus dem Tagebau Hambach soll der zweitgrößte See Deutschlands werden. Doch auch drumherum sind viele Dinge geplant – unter anderem ein riesiger Radweg.

Hambach – Was RWE mit dem Tagebau Hambach vorhat, klingt unglaublich: Aus den riesigen Kraterlandschaften, die der jahrzehntelange Braunkohleabbau dort hinterlassen wird, soll bis 2070 der nach Volumen zweitgrößte See Deutschlands entstehen – auf einer Fläche von 4200 Hektar. Auch die Tagebaue Garzweiler und Inden sollen zu Seen umfunktioniert werden. Anschließend sollen die Tagebauseen Hambach und Inden durch einen Kanal verbunden werden.

Dafür sollen Billionen an Litern Wasser aus dem Rhein in die Mulden des Tagebaus gepumpt werden. Das übergeordnete Ziel: Aus den graubraunen Mulden soll eine attraktive Wald-Seen-Landschaft werden. Mit dem „Hambach Loop“ ist sogar ein kilometerlanger Radrundweg geplant. Verschiedene „besondere Orte“ sollen den Radweg auch für Touristen attraktiver machen.

Riesiger Radweg am Hambachsee: „Hambach Loop“ soll besondere Orte miteinander verbinden

Der Fahrradweg „Hambach Loop“ soll rund um den gigantischen Tagebausee führen (Illustration).

Der „Hambach Loop“ soll das „Herzstück einer grünen, vernetzten Infrastruktur“ rund um den Tagebau in NRW werden – so der Plan der Neuland Hambach GmbH, die an der Restrukturierung der Tagebau-Region arbeitet. Unter dem Dach der Gesellschaft stecken die sechs Anrainerkommunen Elsdorf, Jülich, Kerpen, Merzenich, Niederzier und Titz ihre Köpfe zusammen, um gemeinsam und in enger Absprache mit dem Energiegiganten RWE Perspektiven für die Braunkohleregion Hambach zu entwickeln – von den Anwohnern, für die Anwohner, so zumindest der Plan.

Der riesige Radweg „Hambach Loop“ soll bestehende Orte rund um den Tagebau Hambach miteinander verbinden, wie die entweihte Kirche in Manheim-Alt mit dem „Ort der Zukunft“ Morschenich-Alt, der wie so viele andere Kommunen ursprünglich dem Braunkohlebagger weichen sollte. Doch es sollen auch „neue besondere Orte“ rund um den zukünftigen Hambacher See entstehen. Einer dieser Vorschläge: Mittels Virtual Reality könnte der Bürgerwald wiederbelebt werden. Wie genau die „besonderen Orte“ aussehen könnten, ist noch unklar – unter anderem durch eine Studie und eine Onlinebeteiligung von zukünftigen Nutzerinnen und Nutzern soll das herausgefunden werden.

Wald-Seen-Landschaft am Tagebau: Aussichtspunkte am Radweg „Hambach Loop“

Rund 42 Kilometer lang soll der Rad- und Wanderweg werden, aufgeteilt auf zwei Strecken: Rund 29 Kilometer des „Hambach Loop“ sollen entlang des Ufers des künftigen Sees verlaufen, eine zweite Strecke soll Anwohner und Touristen um die Landschaften der Sophienhöhe führen – „in Form einer Acht“, sagte Christina Brincker von der Neuland Hambach GmbH gegenüber 24RHEIN. „Auf dem durchweg befahrbaren Rundweg locken zahlreiche Aussichtspunkte mit Panoramablicken über den See sowie die offene und halboffene Landschaft“, heißt es.

Auch mehrere Aussichtsplattformen sind am „Hambach Loop“ geplant (Illustration).

„Hambach Loop“: Riesiger Radweg soll Touristen anlocken – aber auch Kommunen vernetzen

Der „Hambach Loop“ solle demnach Touristen anlocken, sei „aber auch eine wichtige Verbindungsstrecke im Alltagsverkehr“, so die Neuland Hambach GmbH. „Neben der Vernetzung der Kommunen untereinander, liegt der Schwerpunkt in den regionalen Anbindungen und Einbindungen in die bestehenden Netze.“ Dadurch soll die wirtschaftliche Infrastruktur durch eine bessere Verkehrsanbindung optimiert – und damit Arbeits- und Ausbildungsplätze erhalten werden. Das Konzept soll die Landschaften um den Tagebau so zu einer „Gesamtmodellregion für die Verkehrswende“ machen, lautet der Plan der Neuland Hambach GmbH.

Bis der Hambacher See fertig wird, wird es nach den Planungen des Energiegiganten RWE noch Jahrzehnte dauern, nicht so jedoch beim „Hambach Loop“. Der Radrundweg soll „eines der ersten sichtbaren Projekte in der Transformationlandschaft sein“, heißt es. Erste Abschnitte sollen demnach bereits „ab 2024 eingerichtet und befahrbar werden“, erklärte Brincker. Das vom Land NRW geförderte Projekt ist am 1. Mai 2023 in die erste Planungsphase gestartet. Ziel sei es nun, den „Hambach Loop“ von der Planung bis zur Baureife vorzubereiten und inhaltlich abzustimmen. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in NRW und Deutschland passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Neuland Hambach / bgmr Landschaftsarchitekten

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