VonNadja Orthschließen
Spitzt sich der Klimawandel in diesem Sommer zu? Der Biologe Mark Benecke prognostiziert für Deutschland eine nie dagewesene Hitze in 2024.
Bonn - Der Biologe und Autor Doktor Mark Benecke hat vor extremen Temperaturen im Sommer 2024 gewarnt. „Ich kann Ihnen aus den Erfahrungen der letzten Jahre mit fast völliger Sicherheit [...] sagen, dass wir den Höllensommer des Jahrhunderts und Jahrtausends kriegen werden“, sagte der 53-Jährige während eines Vortrags in Bonn am Mittwoch. Der Biologe erinnerte an ein Erlebnis im vergangenen Sommer in London, als bei 40 Grad Celsius niemand mehr seine Wohnung verlassen konnte. Ähnlich könnte es laut Benecke auch Deutschland dieses Jahr ergehen. Der Klimawandel zeigt sich in ganz Europa bereits besonders dramatisch.
Seine extreme Prognose stützte er auf Temperaturaufzeichnungen aus den letzten Jahrzehnten, für die seit 1961 die durchschnittlichen monatlichen Temperaturen in jedem Jahr gemessen wurden. Dabei hatten Experten laut Benecke bereits im vergangenen Sommer eine extreme Anomalie in den Temperaturen festgestellt. „Daran erinnere ich mich noch ganz genau“, sagte er in seinem Vortrag, den er anschließend auch auf seinem YouTube-Kanal veröffentlichte.
Biologe Mark Benecke warnt angesichts vergangener Wetteraufzeichnungen vor extremer Hitze
Kolleginnen und Kollegen aus der Biologie weltweit sollen fassungslos bei den Temperaturen im Sommer 2023 gewesen sein. „Auf einmal lagen wir so weit [...] über der Abweichung zwischen 1961 und 1990, dass die Kollegen zunächst mal gesagt haben: ‚Das muss ein Messfehler sein, das kann überhaupt nicht sein. Das ist nicht möglich.‘.“ Besonders drastisch sei die Tatsache, dass die Welt bereits Anfang diesen Jahres weit über der Anomalie des letzten Jahres liegt. Zwar müsse man natürlich andere Umwelteinflüsse berücksichtigen. Doch ein extrem heißer Sommer scheint damit Gewissheit, so Benecke.
Tatsächlich war der vergangene Monat global der wärmste Februar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Damit sei bereits den neunten Monat in Folge ein weltweiter Temperaturrekord erreicht worden, teilte das EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus am Donnerstag (7. März) mit. Durch den fortschreitenden Klimawandel bewege sich die Erde in „unbekanntes Terrain“ mit nie da gewesenen Herausforderungen.
„Unsere Städte, unsere Kultur, unser Verkehrssystem, unser Energiesystem, nichts davon war jemals mit einem solchen Klima konfrontiert“, sagte auch der Direktor des Copernicus-Klimawandeldienstes (C3S), Carlo Buontempo, angesichts der Aufzeichnungen im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.
Weitere Forschungszentren schlagen Alarm: „Nichts war jemals mit einem solchen Klima konfrontiert“
Den Messungen zufolge herrschte im Februar eine Durchschnittstemperatur von 13,54 Grad Celsius dieses Jahr. Der Monat war damit 1,77 Grad wärmer als im Durchschnitt zwischen 1850 und 1900. Besonders in der ersten Monatshälfte seien die Temperaturen „außergewöhnlich hoch“ gewesen: Demnach lag an vier Tagen in Folge die globale Durchschnittstemperatur sogar zwei Grad über dem vorindustriellen Durchschnitt.
Der Biologe Mark Benecke betonte in seinem Vortrag unterdessen, wie wichtig das Handeln eines jeden einzelnes sei. Weniger Autofahren, weniger Fleisch essen und auf saisonales Gemüse zurückgreifen statt im Winter die „Erdbeeren aus Spanien“ zu kaufen - „Das haben Sie alles in der Hand“, so Benecke. (nz/afp)
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