Folge des menschengemachten Klimawandels

Wissenschaft überzeugt: In 30 Jahren versiegt Hauptquelle des Rheins 

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Die Auswirkungen des Klimawandels sind unübersehbar. Auch der Rhein ist stark betroffen. Forscher sagen: In 30 Jahren wird es Deutschlands größten Fluss, wie wir ihn kennen, nicht mehr geben.

Frankfurt – Der menschengemachte Klimawandel zeigt immer deutlichere Auswirkungen – weltweit: Dürre, Extremwetter und immer neue Temperaturrekorde sind auch in gemäßigten Breiten wie Deutschland an der Tagesordnung. Und ebenso wie anderswo auf der Welt ist der Klimakrise die größte Ursache für die allerorts sinkenden Wasserspiegel.

Auch der Rhein, Deutschlands größter Fluss und eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt, ist stark betroffen. Forscher stellen fest: Schon bald wird es den Rhein, so wie wir ihn heute kennen, nicht mehr geben.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind unübersehbar. Auch der Rhein ist stark betroffen (Archivbild).

Wissenschaft überzeugt: In 30 Jahren versiegt Hauptquelle des Rheins 

Extreme Wetterlagenbestimmen auch das Jahr 2023. Mehr noch: In Europa steigen die Temperaturen doppelt so schnell wie im Rest der Welt. Eine Folge: eine problematische Wasserflaute in Deutschland, die sich an den sinkenden Flusspegeln besonders eindrücklich zeigt. Laut Angaben des Recherche-Netzwerks Correctiv haben im vergangenen Sommer allein in Deutschland mehr als 40 Landkreise den Notstand ausgerufen oder müssen bereits Wasser rationieren. Und in Zukunft könnte sich die Situation noch verschärfen, warnen Wissenschaftler.

Auch am Rhein ist Niedrigwasser seit Jahren ein großes Problem. Doch dieses Jahr hat sich der Wasserstand des Flusses schon Anfang März stellenweise halbiert. So wurde am Pegel Kaub im Mittelrheintal eine Wassertiefe von 1,16 Meter gemessen. Normalerweise beträgt die Tiefe des Rheins hier rund 2,40 Meter. Drohnen-Aufnahmen, die historisch niedrige Wasserstände in Italien in diesem Sommer zeigten, geben einen Ausblick darauf, was dem Rhein demnächst drohen könnte. 

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Klimawandel gefährdet Wasserstand des Rheins: Bedrohung durch schwindende Alpenschmelze

Neben Hitzewellen und anhaltender Dürre sorgt auch ausbleibender Schneefall im Winter ein Problem für die Flüsse: Der Klimawandel führt zu wärmeren Wintern, was obendrein zu einem Rückgang der Schneereserven führt: „Der Rhein oder die Donau werden durch die Schneeschmelze in den Alpen ganz stark beeinflusst. Weniger Schnee und eine frühere und kürzere Schmelze verringern die Abflussmenge im Sommer und im Frühherbst“, erklärt Klimawissenschaftler Peter Greve gegenüber tagesschau.de.

Klimawandel: Forscher geben Rhein noch dreißig Jahre – dann versiegen Gletscherzuflüsse

In diesem Jahr ließ die Sommer-Hitze Alpen-Gletscher regelrecht in sich zusammenbrechen. Der Meteorologe Andreas Wagner bekräftigt in einem SWR-Beitrag: „Man muss davon ausgehen, dass in etwa 30 bis 40 Jahren dem Rhein kein Wasser mehr zufließt aus den Gletschern“.

Die Konsequenzen sind gravierend: Im Hochsommer könnte die Wassermenge im Rhein um bis zu 50 Prozent zurückgehen, was erhebliche Folgen für die Trinkwasserversorgung, Industrie, Landwirtschaft und die Tier- und Pflanzenwelt haben würde. „Die Auswirkungen dieser Veränderungen sind erheblich und betreffen alle, die Wasser entlang des Rheins nutzen: Die Rheinschifffahrt und mit ihr der wichtige Gütertransport werden beeinträchtigt, Kraftwerke und Stromversorger können weniger Strom produzieren und Trinkwasserversorger müssen sich auf häufigere Wasserknappheitssituationen vorbereiten“, so die länderübergreifenden Kommission zur Hydrologie des Rheins (KHR).

Sinkender Rheinpegel: dramatische Folgen für Menschen, Tiere und Pflanzen

Für die Menschen entlang des Rheins bedeutet dies eine ernsthafte Bedrohung ihrer Wasserversorgung. In Städten wie Köln könnten Trinkwasserknappheit und steigende Preise für das verfügbare Wasser zur Realität werden.

„In landwirtschaftlich stark genutzten Gebieten kann das Wasser während der Wachstumsperiode im Sommer knapp werden, weil die Pflanzen dann viel Wasser benötigen. Der Wasserbezug aus den Gewässern für die Bewässerung wird zunehmen und die Niedrigwassersituation noch verschärfen“, heißt es in dem Bericht des Forschungsprojekts zum Einfluss des Klimawandels auf den Rheinabfluss für die nahe (2031-2060) und ferne Zukunft (2071-2100).

Die Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt sind ebenfalls alarmierend. Lebensräume für seltene Vogelarten und Feuchtgebiete gehen verloren, während höhere Wassertemperaturen und geringerer Sauerstoffgehalt im Wasser die Lebensbedingungen weiter verschlechtern. Giftige Algen und Cyanobakterien werden sich vermehren, was die Ökosysteme weiter belastet.

Der Rhein wird zwar nicht vollständig verschwinden, doch das Leben entlang des Flusses wird sich stark verändern, prognostizieren die Wissenschaftler. Mensch, Tier und Natur müssen sich auf neue Bedingungen einstellen.

Rubriklistenbild: © Christoph Hardt/Imago

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