VonKarolin Schaeferschließen
Laut Statistischem Bundesamt gibt es mehr Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland. Die meisten Frauen sind bei der Abtreibung zwischen 18 und 34 Jahren alt.
Frankfurt – In Polen gilt ein nahezu vollständiges Abtreibungsverbot. In Deutschland dagegen ist der Abbruch der Schwangerschaft bis zur zwölften Woche straffrei – sofern sich Frauen vorher beraten lassen. Wie das Statistische Bundesamt jetzt mitteilte, ist hierzulande die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche im zweiten Quartal 2023 gestiegen.
Zahl der Schwangerschaftsabbrüche steigt: Die meisten Frauen sind zwischen 18 und 34 Jahren
Rund 26.700 Abtreibungen wurden zwischen Anfang April und Ende Juni gemeldet. Das sind laut Statistischem Bundesamt 4,5 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. „Damit setzte sich der seit dem 1. Quartal 2022 beobachtete Anstieg im Vorjahresvergleich fort“, heißt es in einer Mitteilung vom Montag (11. September).
Die Ursachen für die Abbrüche seien unklar, insbesondere, da die persönlichen Entscheidungsgründe nicht bekannt seien. Laut Bundesamt hatten 42 Prozent der Frauen vor dem Abbruch noch kein Kind zur Welt gebracht. So verteilt sich das Alter der Frauen, die im zweiten Quartal 2023 einen Schwangerschaftsabbruch durchführen ließen:
- Unter 18 Jahren – 3 Prozent
- 18 bis 34 Jahren – 70 Prozent der Frauen
- 35 bis 39 Jahren – 19 Prozent der Frauen
- Ab 40 Jahren – 8 Prozent der Frauen
Schwangerschaftsabbruch in Deutschland: Großteil der Abtreibungen erfolgen nach Beratungsgespräch
Die meisten gemeldeten Abtreibungen (96 Prozent) erfolgten nach einem Beratungsgespräch. Indikationen aus medizinischen Gründen und aufgrund von Vergewaltigungen lagen den Angaben zufolge in vier Prozent der Fälle vor.
Die meisten Abbrüche (50 Prozent) seien mit der Absaugmethode durchgeführt worden. Bei 37 Prozent der Schwangerschaftsabbrüche wurde das Mittel „Mifegyne“ eingesetzt. Die Abtreibungen erfolgten überwiegend ambulant, davon 83 Prozent in Arztpraxen beziehungsweise OP-Zentren und 14 Prozent ambulant in Krankenhäusern.
Kaum ein Thema sorgt für so viel Diskussion. In den USA haben zuletzt einige Staaten das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche eingeschränkt. Frauenrechtlerinnen empfehlen deshalb, Zyklus-Apps vom Handy zu löschen. In einigen Ländern setzen sich dagegen progressivere Ansichten durch, etwa in Kanada. Im Großteil der europäischen Länder ist es Frauen gesetzlich erlaubt, unter bestimmten Voraussetzungen einen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen. Unter solchen Bedingungen sind Abtreibungen auch in Deutschland zwar straffrei, für ungewollt Schwangere aber nicht immer möglich. (kas/dpa)
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