VonPatrick Mayerschließen
Wegen des Ansturms von Touristinnen und Touristen führen mehrere italienische Regionen zwischen Ligurien, der Amalfiküste und Venedig wieder strenge Regeln ein. Ein Überblick.
Venedig – Wie sehr der Tourismus Italien trotz all der Einnahmen stellenweise zusetzt, ließ sich an Pfingsten in Lignano an der Adriaküste unweit von Udine beobachten. Wie etwa Rai News berichtete, überrannten rund 90.000 Party-Touristinnen und -Touristen aus Deutschland und Österreich die Adria-Kleinstadt förmlich.
Urlaub in Italien: Teils strenge Regeln zwischen Amalfiküste und der Adria
Dabei steht die Haupturlaubssaison in einem wohl wieder von Hitzewellen geprägten Sommer erst noch bevor. Bezeichnend: Wie das Online-Reisemagazin Travelbook berichtet, wurden zum Beispiel für das Mittelmeer-Land im vergangenen Jahr 2023 mehr als 440 Millionen Übernachtungen von Urlauberinnen und Urlaubern gezählt.
Dies entsprach demnach einem Wachstum von mehr als zwölf Prozent gegenüber 2022. Touristinnen und Touristen bringen einer volkswirtschaftlich extrem wichtigen Branche aber nicht nur Geld. Sie bringen auch Müll, volle Straßen samt Lärmbelästigung für Anwohnende, und nicht jede Urlauberin oder Urlauber kann wohl Denkmäler und Sehenswürdigkeiten angemessen behandeln. Deswegen planen mehrere italienische Regionen wieder strenge Regeln für Urlaub in Italien, die die Menschen besser einhalten sollten. IPPEN.MEDIA verschafft einen Überblick über prominente Beispiele.
Urlaub in Portofino: „Rote Zone“ in italienischem Touristen-Magnet
Portofino (Region Ligurien): Bürgermeister Matteo Viacava hatte im April 2023 eine Verordnung unterzeichnet, die eine „rote Zone“ zwischen dem Ortskern und den umliegenden Stränden definiert. Hier ist es Reisegruppen in der Hauptsaison schlicht verboten, stehenzubleiben.
Heißt konkret: Von morgens bis 18 Uhr abends dürfen Touristinnen und Touristen auf dem Hauptplatz von Portofino, dem Piazza Martiri dell‘Olivetta, zwar flanieren, einkaufen und in Restaurants einkehren. Sie dürfen aber keine Versammlungen bilden, weil sonst der besagte Piazza vor dem kleinen Hafen innerhalb kürzester Zeit verstopft ist. Markant: Wen sich jemand nicht daran hält, können Strafen zwischen 65 und 275 Euro verhängt werden.
Urlaub in den Cinque Terre: Regeln für Wanderweg „Sentiero Verde Azzurro“
Cinque Terre (Region Ligurien): Der Wanderweg „Via dell’Amore“, der die Dörfer Riomaggiore und Manarola entlang der Küste der „Cinque Terre“ miteinander verbindet, ist bei Touristinnen und Touristen sehr bekannt und beliebt. Nicht nur, dass an der unweit verlaufenden Bahnstrecke zwischen beiden Dörfern jetzt zehn statt vorher fünf Euro für eine sechs Kilometer lange Zugfahrt erhoben werden.
Die Verwaltung des Nationalparks „Cinque Terre“ prüft zudem für den ebenfalls hochfrequentierten Wanderweg „Sentiero Verde Azzurro“, der alle fünf Dörfer – Riomaggiore, Manarola, Corniglia, Vernazza und Monterosso – miteinander verbindet, ein Einbahnstraßensystem. Heißt: An ausgewählten Tagen darf nur in eine Richtung gewandert werden, um Staus und Blockaden auf der Strecke durch Menschentrauben zu verhindern, die nicht aneinander vorbeikommen. Um welche Tage es geht, erfahren Urlauberinnen und Urlauber auf der Website des Nationalparks.
Cinque Terre
Die Cinque Terre ist ein etwa zwölf Kilometer langer Küstenstreifen an der italienischen Riviera in der Region Ligurien, der samt dem gleichnamigen Nationalpark nordwestlich von La Spezia gelegen ist. Von Nordwest nach Südost reihen sich die fünf Dörfer Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore entlang der steil abfallenden Küste der Riviera di Levante. Die Cinque Terre gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe und sind mit ihren bunten Häuser-Fassaden ein beliebtes Motiv für Urlauberinnen und Urlauber, die ihre Reise in sozialen Medien wie Instagram festhalten.
Urlaub auf Capri: Kampanien-Insel verlangt eine Eintrittsgebühr
Insel Capri (Region Kampanien): Die Eintrittsgebühr für die Insel im Kampanischen Archipel wurde von 2,50 auf fünf Euro erhöht. Der Preis wird mit der Gebühr für den Schiffstransfer erhoben. Wie der ADAC in seinem Online-Reiseführer schreibt, versprechen sich die örtlichen Behörden dadurch Mehreinnahmen von vier Millionen Euro im Jahr.
Dieses Geld soll in nicht näher erklärte Projekte fließen, mit denen die Besucherströme auf der Insel besser gelenkt werden sollen. Und mit denen bei Touristinnen und Touristen dafür geworben werden soll, dass sie vielleicht besser außerhalb der Hauptsaison auf die Insel im Tyrrhenischen Meer und im Golf von Neapel kommen. Auch damit soll dem Massenansturm begegnet werden.
Urlaub an der Amalfiküste: Amalfitana nach Positano wird wieder limitiert
Amalfiküste (Region Kampanien): Wie der ADAC und der Österreichische Automobil-, Motorrad- und Touring Club (ÖAMTC) informieren, werden auf der geradezu legendären Amalfitana an der Amalfiküste auch in diesem Sommer Fahrverbote gelten. Die kurvige und teils abschüssige Küstenstraße verbindet über 50 Kilometer im Golf von Salerno die gleichnamige Großstadt sowie die beliebten Urlaubsorte der Amalfiküste – namentlich in Richtung Westen Vietri sul Mare, Maiori, Minori, Atrani, Amalfi, Praiano und Positano bis nach Sorrent.
Zwischen dem 15. und 30. Juli sowie vom 1. bis zum 30. Oktober wird aber an den Wochenenden wieder ein Nummernschilder-System gelten, wenn es darum geht, wer die stark genutzte Strecke wann befahren darf. Damit will die italienische Region Kampanien das teils extrem hohe Verkehrsaufkommen drosseln. Konkret: An ungeraden Tagen im Kalender dürfen Fahrzeughaltende mit Autos, deren Kennzeichen auf eine ungerade Zahl enden, die Straße nicht befahren – zum Beispiel am 15., 17., 19., 21. und so weiter nicht. Entsprechend wird mit geraden Tagen und geraden Zahlen am Ende der Kennzeichen verfahren. Die Regeln gelten laut ADAC täglich von 10 bis 18 Uhr und demnach im August sowie im September an allen Wochentagen.
Urlaub in Venedig: Italienische Stadt erhebt eine Eintrittssteuer
Venedig (Region Venetien): Im April hatte die weltberühmte Lagunen-Stadt Venedig eine Eintrittssteuer eingeführt. Die Maßnahme soll die Touristenmassen zumindest etwas begrenzen. Konkret: Tagesurlauberinnen und -urlauber müssen zwischen 8.30 und 16 Uhr fünf Euro zahlen, wenn sie nicht in einem Hotel der Großstadt mit ihren rund 262.000 Einwohnerinnen und Einwohnern übernachten.
Tagesreisende werden dagegen gebeten, vor dem Besuch der Stadt auf der Website www.cda.ve.it eine Eintrittskarte zu kaufen, die man per PayPal oder mit der Kreditkarte bezahlen kann. Anschließend erhält man einen QR-Code, den man auf Nachfrage in der Stadt vorzeigen muss. Wer keinen Code vorweisen kann, der oder dem drohen in Venedig zwischen 50 und 300 Euro Geldbuße. (pm)
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