Unerträglich heiß

Gefühlte Temperatur über 62 Grad: Brasilien ächzt unter heftiger Hitzewelle

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Seit Wochen hält sich eine extreme Hitze in Brasilien. Nun wurde ein neuer Rekordwert ermittelt. Es ist bereits der zweite binnen weniger Monate.

Rio de Janeiro – Statistisch gesehen fällt im März in Brasilien der meiste Regen. Für Abkühlung in den heißen Sommermonaten sorgt der Niederschlag momentan aber kaum; seit Wochen herrscht in vielen Teilen des Landes extreme Hitze. Der Rekord aus der letzten Hitzeperiode im November wurde nun nochmals übertroffen.

Über 62 Grad Celsius gefühlte Temperatur sei es laut Wetterdienst in Brasiliens Küstenmetropole Rio de Janeiro gewesen. Die Behörden warnen vor Folgen für die Gesundheit.

Über 63 Grad gefühlte Temperatur in Rio: Höchstwert in Armenviertel der Stadt festgestellt

Der bisherige Hitzerekord der Stadt wurde ebenfalls in diesem Sommer erreicht. Am 18. November lag die gefühlte Temperatur bei 59,7 Grad Celsius und durchkreuzte die Tour-Pläne von Weltstar Taylor Swift. Schnappschüsse davon, wie die Musikerin den überhitzten Zuschauern im Publikum Wasserflaschen zuwirft, gingen anschließend durchs Netz. Eine 23-Jährige erlitt auf den Rängen einen Herzstillstand und starb.

Erneut hält eine Hitzewelle Brasilien fest im Griff. Wie schon zu Beginn des südamerikanischen Sommers im November ist es unerträglich heiß. In der Küstenmetropole Rio de Janeiro wurden Rekordwerte verzeichnet.

Zum Ende des südamerikanischen Sommers sind die Temperaturen sogar noch höher. Im vorrangig ärmlichen Stadtviertel Guaratiba im Westen Rios verzeichnete der Wetterdienst am Sonntag (17. März) eine gefühlte Temperatur von 62,3 Grad – der höchste seit Beginn der Aufzeichnung in 2014. Die reale Temperatur lag am Sonntag bei 42 Grad Celsius. Die extrem hohen Temperaturen in Südamerika deuteten sich bereits vergangenes Jahr im Winter an.

Gefühlte und reale Temperatur – so unterscheiden sie sich

Das Wetter wird unterschiedlich wahrgenommen. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) erklärt, tragen sowohl die Sonneneinstrahlung, Luftfeuchte und die Windverhältnisse dazu bei, wie die Temperaturen empfunden werden. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren lässt sich die „gefühlte Temperatur“ berechnen. Je höher die Temperaturen und Luftfeuchtigkeit werden, desto wärmer wird das Wetter empfunden.

Der gefühlten Temperatur wird ein bestimmter Bereich zugeordnet, der von Menschen als angenehm empfunden wird. Zwischen 0 und +20 Grad Celsius entspricht diesem „Behaglichkeits- oder Komfortbereich“. Ist es deutlich wärmer oder kälter, kann das gefährlich für die Gesundheit werden. Je weiter die gefühlte Temperatur vom Komfortbereich abweicht, umso stärker werden Herz, Kreislauf und periphere Blutgefäße belastet.

Gefühlte Temperatur (°C)Thermisches Empfinden
unter - 35 °CSehr kalt
−39 bis −26Kalt
−26 bis −13Kühl
−13 bis 0Leicht Kühl
0 bis 20Behaglich
20 bis 26Leicht warm
26 bis 32\tWarm
32 bis 38Heiß
über 38Sehr heiß
Quelle: DWD

Zum Vergleich: in der Nacht zum 19. März rangierte die gefühlte Temperatur in Deutschland zwischen -4 Grad im Osten und 10 Grad im Westen. Der DWD gibt dazu regelmäßig Auskunft auf seiner Homepage. In Doha am Persischen Golf ist die Luft 50 Grad heiß, erklärt DWD-Mediziner Andreas Matzarakis gegenüber n-tv. „Aber trotzdem fallen die Menschen nicht um – weil es trocken und windig ist.“ Wohingegen es in Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit schon ab 30 Grad unerträglich werden könnte.

Gesundheitsgefahr Hitze: Behörden in Rio appellieren an Vernunft

Um gesund zu bleiben, muss der Körper konstant eine Temperatur von 37 Grad halten. Steigt sie, reguliert er die Temperatur über Schwitzen und gibt Feuchtigkeit an die Luft ab. Dafür muss sie jedoch trocken genug sein, um Feuchtigkeit aufnehmen zu können, wie Matzarakis dem Nachrichtenportal weiter erläutert. Steigt die Temperatur des Körpers bis auf 41 Grad, werde es lebensgefährlich.

Hierzulande spricht der DWD ab 32 Grad gefühlter Temperatur von einem heißen thermischen Empfinden und somit von einer „starken Wärmebelastung“. In Brasilien herrscht eine deutlich höhere Luftfeuchtigkeit, das Klima ist in weiten Teilen des Landes tropisch.

In Anbetracht der extrem hohen gefühlten Temperaturen appelliert die Stadtverwaltung Rios an die rund sechs Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, ausreichend Wasser zu trinken und die Sonne zu meiden. Leichte Mahlzeiten und entsprechende Kleidung seien ebenfalls empfehlenswert, auf alkoholische Getränke sollte möglichst verzichtet werden, schreibt das brasilianische Newsportal Jornal GGN. Die Hitze werde vermutlich bis Mittwoch (20. März) anhalten, heißt es. (rku/afp)

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