Klimawandel und El Niño

Hitze-Rekorde in Südamerika: Heißester Winter seit 70 Jahren

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Südamerika ist aktuell von einer Hitzewelle betroffen. Mehrere Länder verzeichnen Temperaturrekorde. Dabei ist auf der Südhalbkugel aktuell Winter.

Frankfurt – Während in Deutschland aktuell ziemliches Regenwetter herrscht, werden anderswo Hitzerekorde gebrochen. Bereits im Juli wurden vielerorts in Europa Temperaturrekorde verzeichnet. In Südamerika ist es eigentlich aktuell Winter. Doch hier werden in vielen Ländern winterliche Höchsttemperaturen gemessen. Der Grund für die hohen Temperaturen: die Kombination aus zwei Phänomenen.

Hitze-Rekorde in Chile: Wasserversorgung der Hauptstadt in Gefahr

In Vicuña, gelegen im bergigen Zentrum Chiles, wurde in dieser Woche 38 Grad gemessen. So heiß wie seit 70 Jahren nicht. Die Hitzewellen im Winter seien von entscheidender Bedeutung, denn sie hätten großen Einfluss auf die Gletscher und den Schnee in den Bergen. Diese sei für die Wasserversorgung in der Hauptstadt von großer Bedeutung, erklärt der Klimatologe Raúl Cordero von der Universität in Santiago de Chile. Vor zehn Jahren habe es noch zwei Hitzewellen im Jahr gegeben. „Jetzt sprechen wir von neun“ so Cordero.

Die Temperaturen erreichen in Südamerika vielerorts höchstwerte für den Winter.

Und nicht nur Chile ist von der Hitzewelle betroffen. Auch in Argentinien sind die Temperaturen ungewöhnlich hoch. Diese bewegen sich normalerweise zu dieser Zeit bei Werten zwischen 9 und 18 Grad. Nun wurden am 1. August in Buenos Aires mehr als 30 Grad gemessen, die höchste Temperatur, die je an einem 1. August gemessen wurde. Ähnlich verlief es in Uruguay, wo mehrere Städte ebenfalls Höchsttemperaturen von mehr als 30 Grad erlebten.

El Niño und Klimawandel als Auslöser für die Rekordtemperaturen in Südamerika

Der Auslöser für die hohen Temperaturen ist die Kombination aus zwei Phänomenen. So fallen, der globale Erwärmungs-Trend, aufgrund des Klimawandels und das El Niño Phänomen, zusammen. El Niño zeichnet sich durch Erwärmung des Oberflächenwassers im Pazifik aus. Es führt zu steigenden Temperaturen und verstärktem Extremwetter, sowie im Westen Südamerikas auch zu Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutschen. Bereits im Juni wurde von der US-Ozeanografie- und Wetterbehörde NOAA de Beginn eines neuen El Niño bekannt gemacht. „Wenn El Niño endet, sollte die globale Wettersituation nicht mehr so extrem sein“, erklärt Chiles Umweltministerin und Klimatologin Maisa Rojas.

Umweltministerin Maisa Rojas warnt vor zu hohen Temperaturen an den Polen

In Chile, Buenos Aires und Uruguay sollen sich die Temperaturen in den kommenden Tagen wieder erholen. Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen zufolge werden Hitzewellen aber häufiger und heftiger. Grund dafür sei der Klimawandel. Eine weitere Gefahr sei zudem die Eismenge an Nord- und Südpol, diese habe ein Minimum erreicht, warnt Rojas. „Besonders rund um die Antarktis, wo das Meereseis zu dieser Jahreszeit anwächst und im September sein Maximum erreicht, ist es auf einem historischen Minimum“, erklärt die Umweltministerin. Und nicht nur an den Polen wird das Eis immer weniger, auch die heimischen Alpen verlieren so viel Eis wie noch nie. (Anna-Lena Kiegerl/Afp)

Rubriklistenbild: © Imago/Christian Ohde

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