VonJulian Mayrschließen
Ein möglicherweise tödliches Virus macht derzeit in Deutschland und Europa die Runde. Doch ist die Erkrankung auch für Menschen ein Grund zur Sorge?
Frankfurt – Die Saison für neue Grippe- und Coronawellen steht bevor. Sorgen bereitet Menschen und vor allem Landwirten und Landwirtinnen in Deutschland gerade eine andere Krankheitswelle. Die Erkrankungsfälle mit der sogenannten Blauzungenkrankheit (BT) nehmen seit Juli 2024 deutlich zu. In Norddeutschland hat die Gemeinde Sylt aufgrund der Seuche nun sogar mehrere Kilometer Küstenbereich abriegeln lassen.
Die gute Nachricht: Menschen kann die Viruserkrankung nicht gefährlich werde, betroffen sind in erster Linie Wiederkäufer. Dennoch gilt es im Umgang mit der Erkrankung einiges zu beachten.
Blauzungenkrankheit macht sich breit – Wer betroffen ist und wie sich die Erkrankung ausbreitet
Die Blauzungenkrankheit ist eine „virusbedingt, hauptsächlich akut verlaufende Krankheit der Schafe und Rinder“, informiert das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) für Tiergesundheit. Betroffen von der Viruserkrankung können aber auch Ziegen, andere Wildwiederkäuer oder Kamelartige, wie etwa Alpakas, sein. Eine Ansteckungsgefahr für Menschen besteht hingegen nicht.
Die Krankheit wird vor allem durch Gnitzen, kleine stechende Insekten, übertragen. Die Erkrankung tritt laut FLI somit saisonal verstärkt im Sommer und bei feuchtwarmen Bedingungen auf. Potenzielle Übertragungsrisiken bestehen aber auch bei der Verwendung von kontaminierten Nadeln von Impfbestecken oder chirurgischen Instrumenten, heißt es seitens der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).
Woher stammt die Blauzungenkrankheit?
Der Erreger der Blauzungenkrankheit (englisch: Bluetongue disease) ist ein Orbivirus aus der Familie der Reoviridae. Erstmals nachgewiesen wurde der Virus in den 1930er Jahren in Südafrika. Die weitere Ausbreitung des Virus wurde der AGES zufolge durch den Export von Merinoschafen begünstigt. Mittlerweile ist die Erkrankung auf der ganzen Welt nachgewiesen. In Zentraleuropa trat die Blauzungenkrankheit nachweislich das erste Mal 2006 in den Niederlanden auf, in den Folgejahren breitete sich der Virus auch in Deutschland aus.
Quellen: AGES, FLI
Ausbreitung der Blauzungenkrankheit – Drastische Zunahme der Variante BTV-3 im Sommer 2024
Eine Übertragung von Tier zu Tier findet bei Erkrankungen der Blauzungenkrankheit nicht statt. Die Sperrung einzelner Gebiete, etwa in Norddeutschland, erfolgte in erster Linie zum Schutz der erkrankten Tiere. Die derzeitigen Erkrankungen sind hauptsächlich auf die Variante BTV-3 zurückzuführen. Im Oktober 2023 wurde der erste Ausbruch mit dem Serotypen 3 in NRW nachgewiesen, ehe sich der Erreger laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über Niedersachsen weiterverbreitete.
Ab Juli 2024 nahmen die Nachweise von BTV-3 in Deutschland deutlich zu. Allein im August zählte das Tierseuchen-Nachrichtensystem 5726 gemeldete Fälle von Erkrankungen mit dem Blauzungenvirus. Auch für September (Stand: 30. September) lag die Zahl der gemeldeten Ausbrüche noch bei 2943 Fällen.
Symptome der Blauzungenerkrankung – typische Färbung der Zunge selten
Zu den klinischen Symptomen der Blauzungenerkrankung zählen Fieber, Schwellungen im Kopfbereich und Hautveränderungen, insbesondere im Maulbereich. Namensgebend für die Erkrankung ist eine aufgeschwollene, bläuliche Zunge, die oft aus dem Maul heraushängt. Sie kommt laut FLI aber nur noch selten vor. Betroffene Tiere zeigen oft einen Rückgang der Milchleistung und ein reduziertes Allgemeinbefinden.
Besonders Schafe sind stark betroffen und können schwere Krankheitsverläufe aufweisen. Die Sterblichkeit soll laut AGES, mit Ausnahme bei Schafen, vor allem bei Rindern, relativ gering sein. Generell scheint der Serotyp 3 im Vergleich zu vorherigen Varianten aber zu schwereren Verläufen zu führen. Halter von Haustieren wie Katzen und Hunden müssen sich bezüglich einer Ansteckung mit Virus jedoch keine Sorgen machen.
Impfung bietet Schutz vor der Erkrankung – Derzeit noch keine Impfstoffe für BTV-Variante zugelassen
Um die Verbreitung der Blauzungenkrankheit einzudämmen, werden insektenabwehrende Mittel eingesetzt, um die Übertragung durch Gnitzen zu verhindern. Zudem ist es sinnvoll, Tiere durch Impfungen zu schützen. Derzeit sind einige serotypenspezifische Impfstoffe verfügbar und zugelassen. Allerdings existieren derzeit keine zugelassenen Impfstoffe gegen BTV-3 in der EU.
Nach einer Bewertung des Paul-Ehrlich-Instituts hat das BMEL per Eilverordnung jedoch die Verwendung dreier Impfstoffe zur Prophylaxe gestattet, zunächst für die Dauer von sechs Monaten. „Aktuell bleibt festzuhalten, dass die Impfung mit inaktivierten BTV-3-Impfstoffen die einzige wirksame Maßnahme ist, Tiere vor Krankheit und Tod zu schützen“, heißt es seitens FLI. (jm)


