- VonBettina Menzelschließen
Sandra Sporerschließen
Die Zeitumstellung rückt näher und somit auch die Diskussion um ihren Nutzen wieder in den Fokus. Ihr Ursprung liegt in einem ironischen Brief.
Berlin – Jedes Jahr das gleiche Spiel: zweimal steht eine Zeitumstellung an. Dabei werden die Uhren einmal eine Stunde zurückgedreht und einmal eine Stunde vorgestellt. Der Wechsel zur Sommerzeit steht bereits kurz bevor: am 31. März 2024 ist es soweit. Sehr zum Leidwesen vieler, deren innere Uhr dadurch wieder aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Und das, obwohl der ursprüngliche Denkanstoß des Konzepts der Zeitumstellung nicht einmal ernst gemeint war. Auch ist längst bewiesen, dass die Zeitumstellung nicht zum Energiesparen beiträgt.
Ursprung der Zeitumstellung liegt in einem ironischen Brief von Benjamin Franklin
Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der USA, verfasste 1784 einen ironischen Brief an die Redakteure des Journal of Paris. Darin machte er sich über „Faulenzer“ lustig und spekulierte über ein früheres Aufstehen zur Energieeinsparung. In seinem Brief schlug Franklin eine Methode vor, um Beleuchtungskosten zu senken. Der berühmte Erfinder behauptete, er habe „entdeckt“, dass die Sonne im Sommer bereits um 6 Uhr morgens aufgeht – und machte sich dabei über seine eigenen Langschläfer-Tendenzen lustig.
Er schrieb: „Ihre Leser, [...] die wie ich vor Mittag noch nie Anzeichen von Sonnenschein gesehen haben [...], werden ebenso erstaunt sein wie ich, wenn sie von seinem so frühen Aufgang hören.“ Sein Vorschlag: Die Franzosen sollten einfach aufstehen, sobald es hell wird, und dann abends früh ins Bett gehen. Dies würde Kerzen sparen und somit Geld.
Dieses Prinzip ähnelt dem der heutigen Zeitumstellung. Allerdings sind die heutigen Maßnahmen humaner als zu Franklins Zeiten – der US-Gründervater hatte vorgeschlagen, Kanonen abzufeuern, „um die Faulenzer wirksam aufzuwecken.“ Der tatsächliche Nutzen der Zeitumstellung lässt sich in einer Aussage der deutschen Bundesregierung aus dem Jahr 2005 zusammenfassen: „Im Hinblick auf den Energieverbrauch bietet die Sommerzeit keine Vorteile“. Deutschland führte die Sommerzeit erstmals 1916 während des Ersten Weltkriegs ein, um Energie zu sparen.
Kein Energiespareffekt durch die Zeitumtellung, dafür Auswirkungen auf Schlafrhythmus und Gesundheit
Wer die Zeitumstellung „verschläft“, kommt am Tag darauf wahrscheinlich zu spät zur Arbeit oder verpasst einen Flug oder einen anderen wichtigen Termin. Glücklicherweise passiert das heutzutage zunehmend seltener, da sich die Uhren vieler elektrischer Geräte von selbst umstellen. Eine Uhr sollte man aber keinesfalls vergessen, sonst wird es teuer. Die Zeitumstellung hat aber auch weniger offensichtliche Konsequenzen – zum Beispiel mehr Wildunfälle.
Untersuchungen deuten darauf hin, dass es auch gesundheitliche Auswirkungen geben könnte. Es ist weitgehend unbestritten, dass die Umstellung auf die Sommerzeit den zirkadianen Rhythmus stören und zu Schlafstörungen und Schlafentzug führen kann. Die Studie eines Forscherteams der italienischen Universität Ferrara weist zudem auf einen Zusammenhang zwischen der Sommerzeit und einem leichten Anstieg von Herzinfarkten hin. Dies sei „insbesondere bei der Frühjahrsumstellung“ der Fall, „wobei es keine eindeutigen geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt“, so die Schlussfolgerung der Forscher.
Über die Studie
Die Studie „Daylight saving time and myocardial infarction: should we be worried? A review of the evidence“ (zu Deutsch etwa: Sommerzeit und Myokardinfarkt: Müssen wir uns Sorgen machen? Eine Überprüfung der Beweise) der Autoren Roberto Manfredini, F. Fabbian, A. De Giorgi et al. erschien am 22. Februar 2018 im medizinischen Fachblatt European Review for Medical and Pharmacological Sciences.
In der Nacht vom 30. auf den 31. März werden die Uhren wieder von 2 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt. Das bedeutet: eine Stunde weniger Schlaf. Die Mehrheit der Menschen in Europa würde darauf gerne verzichten. Eine EU-weite Umfrage aus dem Jahr 2018 mit 4,6 Millionen Teilnehmenden ergab, dass 84 Prozent der Befragten die Zeitumstellung abschaffen würden. Die Europäische Union hatte ursprünglich geplant, dies bis 2021 umzusetzen. Bisher scheiterte dies jedoch an der Abstimmung zwischen den Ländern, ob die Winter- oder Sommerzeit als dauerhafter Standard festgelegt wird. Hier ist ein Konsens jedoch dringend notwendig, um einen „Zeit-Flickenteppich“ zu vermeiden.
Die Redakteurin oder der Redakteur hat diesen Artikel verfasst und anschließend zur Optimierung nach eigenem Ermessen ein KI-Sprachmodell eingesetzt. Alle Informationen wurden sorgfältig überprüft. Hier erfahren Sie mehr über unsere KI-Prinzipien.
Rubriklistenbild: © Michael Bihlmayer/IMAGO

