„Anflug großer Dummheit“

Nazi-Parolen auf „Schülerparty“ in Elite-Internat: „L‘Amour Toujours“ lief hier jede Woche

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Plötzlich grölen Schülerinnen und Schüler fremdenfeindliche Parolen. Das Internat Louisenlund reagiert erschüttert auf den Nazi-Eklat bei einer Feier im Jugendhaus.

Kiel – Die wöchentliche „Schülerparty“ ist am Internat Louisenlund in Güby eine Institution. Jeden Donnerstag um 19 Uhr steigt eine kleine Feier im Jugendhaus. Üblicherweise wird dort Fußball geschaut, getanzt oder gesungen. Auch vergangene Woche, am 23. Mai.

Nazi-Parolen auf „Schülerparty“ in Internat Louisenlund: „L‘Amour Toujours“ lief hier jede Woche

„Zum regelmäßigen Repertoire gehört das Lied ‚L‘ Amour Toujours‘“, erklärt Stiftungsleiter Dr. Peter Rösner. Eben jene Disko-Hymne, die mit ausländerfeindlichen Parolen unterlegt zur unschönen Melodie für rechtes Gedankengut verkommen ist, gegipfelt im Nazi-Eklat von Sylt.

Junge Menschen grölen „Ausländer raus“, jetzt auch im Elite-Internat Louisenlund. Der Vorfall an der jüngsten „Schülerparty“ wurde zuerst über lokale Medien öffentlich, nun reagiert die Internatsleitung in einer ausführlichen Stellungnahme.

Lehrerin hört „Ausländer raus“-Rufe und zieht sofort den Stecker – Louisenlund-Party abgebrochen

Was ist passiert? Rund 40 Schülerinnen und Schüler waren am Donnerstag im Schülerhaus, an der Theke und auf der Tanzfläche, erklärt Rösner. Dann wurde Gigi D‘Agostino aufgelegt, wie auch in den Wochen zuvor. Diesmal aber hielten sich nicht alle an den Originaltext. Eine anwesende Pädagogin „glaubte, aus der allgemeinen Lautstärke ein ‚Ausländer raus‘ gehört zu haben.“

Laut Schulleiter war die Lehrerin aufgrund der Sylt-Vorfälle besonders aufmerksam und reagierte blitzschnell: „Sie hat reflexartig die Anlage sofort abgestellt, ging auf die Tanzfläche und hat die Schülerschaft deutlichst auf ihr offensichtliches Fehlverhalten hingewiesen. Sie hat die Party beendet und die Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken ins Bett geschickt.“ Mit einigen Schülerinnen und Schülern habe die Pädagogin direkt noch ein persönliches Gespräch geführt.

Das Internat Louisenlund will den ausländerfeindlichen Vorfall von der „Schülerparty“ gründlich aufarbeiten.

Jugendliche entschuldigen sich für Nazi-Eklat: „Anflug großer Dummheit“ – manche wohl regelmäßig auf Sylt

Was sagen die Schülerinnen und Schüler? War doch nicht so gemeint. „Sie wären doch nicht fremdenfeindlich, sie hätten das Video nachahmen wollen“, wendeten die Schülerinnen und Schüler laut Rektor ein. Insgesamt zeigen sich die aktiv beteiligten Jugendlichen jedoch einsichtig, so Rösner: „Sie bereuen dieses Fehlverhalten sehr und sind bereit, jegliche Sanktionen der Schule als Strafen anzunehmen.“ Die Gesänge seien in einem „Anflug von großer Dummheit“ entstanden.

Interessante Randnotiz aus einem internen Schreiben, das dem SHZ vorliegt: Viele Schülerinnen und Schüler aus Louisenlund sollen regelmäßig in der „Pony“-Bar auf Sylt zu Gast sein. Auffällig, dass sich rechte Entgleisungen im Nobel-Milieu abspielen.

Internat Louisenlund schließt beteiligte Schülerinnen und Schüler vom Schulbetrieb aus

Wie reagiert die Schule? Acht junge Menschen wurden ausgemacht, die sich aktiv an den Parolen beteiligt haben. Sie werden eine Woche lang vom Schul- und Internatsbetrieb ausgeschlossen, werden sich in dieser Zeit ehrenamtlich für soziale Organisationen engagieren. Die Jugendlichen sollen „ihr Verhalten im Sinne des unreflektierten Nachahmens von offensichtlich abzulehnenden Aktivitäten reflektieren“, schreibt Rösner. Der außerdem festhält: „Die pädagogische Aufarbeitung des Verhaltens liegt in meiner persönlichen Verantwortung als Schulleiter der Stiftung Louisenlund.“

Auch schleswig-holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU), äußert sich zum Vorfall in Louisenlund. Sie sagt: „Allen Schülerinnen und Schülern muss klar sein, dass es kein Scherz ist, solche Parolen zu singen.“ Jugendlicher Überschwang oder Alkohol seien keine Rechtfertigung für rassistische Gesänge. Um weitere Nachahmungen zu verhindern, sei es wichtig, jungen Menschen zu verdeutlichen, welche Tragweite solche Gesänge haben.

„Schülerschaft insgesamt ist völlig erschüttert, wütend und deprimiert“

Wie reagieren unbeteiligte Schülerinnen und Schüler? „Die Schülerschaft insgesamt ist völlig erschüttert, wütend und deprimiert, dass es in Louisenlund eine solche Szene gegeben hat“, erklärt Stiftungsleiter Rösner. Die Schulgemeinschaft wehrt sich gegen das Bild, das in ersten Artikel zum Vorfall auf der „Schülerparty“, entstanden ist. „Diese Artikel beschreiben nicht die Schülerschaft in Louisenlund. Die Schülerschaft und die Schule insgesamt lehnen jegliche Form von Fremdenfeindlichkeit oder Ausländerhass strikt ab.“ Gigi D‘Agostinos „L‘Amour Toujours“ wurde jetzt aus der Party-Playlist gestrichen, ähnlich wie in der „Pony“-Bar auf Sylt. (moe/dpa)

Rubriklistenbild: © Carsten Rehder/picture-alliance/dpa

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