Video aus „Pony“-Bar

Sylter Nazi-Eklat: Udo Lindenberg findet drastische Worte – SPD schweigt

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  • Nico Reiter
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In der Promi-Bar „Pony“ auf Sylt grölen Gäste ausländerfeindliche Parolen. Nun folgen Konsequenzen. Ein erster Gast hat sich inzwischen entschuldigt.

Update vom 30. Mai 2024, 13.54 Uhr: Sänger Udo Lindenberg (78) hat nach dem Rassismus-Eklat um ein Partyvideo auf Sylt davor gewarnt, Menschenverachtung zum Trend werden zu lassen. „Wir dürfen das nicht zulassen. Dass Rassismus sogar noch zum Partyhit wird, dass Menschenverachtung zum Trend wird“, schrieb der Rockmusiker auf seinen Social-Media- Kanälen. „Und viele sagen immer noch: So schlimm ist das doch wirklich nicht. Es ist doch hier weit und breit kein neues Drittes Reich in Sicht.“ Man müsse schon ziemlich blind sein, so Lindenberg.

„Aber wir sind mehr, und wir sind lauter!!“, schrieb er. „Also Faschos verpisst euch, keiner vermisst euch.“ Dies ist eine Zeile aus seinem Song „Panik-Panther“ (1992). Der Sänger postete auch ein Foto von sich, auf dem er den Mittelfinger zeigt.

Update vom 30. Mai 2024, 9.26 Uhr: Der Versuch der SPD, gegen die rassistischen Parolen auf Sylt vorzugehen, endete in einem Shitstorm. Die Partei versuchte, mit einem Instagram-Post Stellung zu beziehen und schrieb unter einem schwarz-rot-goldenen Banner: „Deutschland den Deutschen, die unsere Demokratie verteidigen.“ Nach zahlreichen negativen Reaktionen wurde der Post schließlich gelöscht und die Partei sah sich gezwungen, ihre Aussagen zu korrigieren. Man habe „es nicht geschafft, einen Ton zu treffen, der alle mitnimmt.“

Doch eine weitere Aufarbeitung der Geschehnisse scheint es nicht zu geben – auf Nachfrage teilte Bianca Walther, Sprecherin des Parteivorstandes und des Parteivorsitzenden Lars Klingbeil, unserer Redaktion lediglich mit: „Wir haben klar Stellung zu der Aktion bezogen“. Über Konsequenzen für der internen Abläufe oder weiterer Maßnahmen schweigt die SPD.

Am Pfingstwochenende ist auf Sylt ein Video entstanden, das junge Erwachsene zeigt, die „Deutschland den Deutschen“ und „Ausländer raus!“ singen.

Update vom 29. Mai 2024, 20.30 Uhr: Ein Sprecher der Flensburger Staatsanwaltschaft bestätigte am Mittwoch, dass Ermittlungen gegen eine Frau und zwei Männer eingeleitet wurden. Details zu den Personen wurden nicht öffentlich gemacht, bereits kurz nach der Veröffentlichung des Videos kursierten aber immer wieder Namen in den Medien. Gegen die drei Personen wird aufgrund des Verdachts auf Volksverhetzung ermittelt, so die dpa.

Einer der beiden Männer muss sich zudem wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vor Gericht verantworten. In dem aufgetauchten Video ist ein Mann zu sehen, der womöglich einen Hitlergruß andeutet. Es ist nur einer von vielen Fällen, die in den letzten Tagen bekanntwurden – diese beschränken sich keinesfalls nur auf Sylt oder Deutschland.

Auch in Österreich wurden ähnliche Vorfälle wie jenem auf Sylt bekannt. Staatsschützende würden momentan in Kärnten sowie Niederösterreich aufgrund aufgetauchter Videos ermitteln, gaben die Polizeibehörden an. „Wir haben eine historische Verantwortung, uns von derartigen Umtrieben glasklar zu distanzieren“, sagte Sozial- und Gesundheitsminister Johannes Rauch von den Grünen. Auch dort wurden die aus Sylt bekannten Parolen zur Melodie von Gigi D‘Agostinos Lied „L‘Amour toujours“ angestimmt.

Update vom 28. Mai, 21.48 Uhr: Nach den entstandenen Bildern entscheidet die Hochschule einer auf dem Video zu sehenden Studentin, sie von der Universität zu exmatrikulieren. Ein Sprecher der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) gab am Dienstag bekannt, dass der Ausschuss, der die Entscheidung treffen soll, am kommenden Montag seine erste Sitzung abhalten werde.

Gemäß § 42 des Hamburgischen Hochschulgesetzes müssen Studierende exmatrikuliert werden, falls „sie der Hochschule durch schweres schuldhaftes Fehlverhalten erheblichen Schaden zugefügt haben“. Die Verantwortung für diese Entscheidung liegt bei einem Ausschuss, der vom Hochschulsenat eingesetzt wird. Dieser Ausschuss setzt sich zu gleichen Teilen aus Mitgliedern des Hochschulsenats und des Präsidiums zusammen. Die genauen Bestimmungen werden durch die Satzung der Hochschulen festgelegt.

Nach Sylt-Skandal: Universität reagiert auf Video

Update vom 28. Mai, 15.37 Uhr: Wegen des Sylt-Skandal-Videos droht einer Studentin jetzt die Exmatrikulation von ihrer Universität. Das teilte die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) am Montag in den sozialen Medien mit. „Auf Grundlage des Hamburger Hochschulgesetzes wird aktuell geprüft, ob ein Exmatrikulationsverfahren eingeleitet werden kann“, heißt es in einem Instagram-Post zu lesen. Dazu habe die Präsidentin den Exmatrikulationsausschuss einberufen, der auch studentisch besetzt sein werde. Zudem teilt die HAW eine erste Maßnahme gegen die Studentin mit: „Die Studierende erhält ein zweimonatiges Hausverbot, das sich auch auf die Teilnahme von Lehrveranstaltungen erstreckt.“

Die HAW Hamburg betont, dass die „Hochschule ein Ort ist, an dem Menschen unabhängig von ihrer Nationalität, ethnischen Herkunft, Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung oder ihrer sexuellen Identität willkommen sind.“

Update vom 28. Mai, 13.44 Uhr: An einem Elite-Internat in Schleswig-Holstein sollen Schülerinnen und Schüler fremdenfeindliche Parolen auf einer „Schülerparty“ gegrölt haben. Auch bei diesem Vorfall lief offenbar „L‘Amour Toujours“.

Nach Sylt-Video mit rassistischen Parolen – Oktoberfestverbot für „L‘Amour Toujours“

Update vom 27. Mai, 15 Uhr: Der Partyhit „L‘ amour toujours“ ist nach dem rechtsextremistischen Sylt-Video endgültig in Verruf geraten. Auf dem Münchner Oktoberfest soll es eine Null-Toleranz-Grenze dafür geben. „Wir werden das Lied verbieten“, sagte Oktoberfest-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) am Montag im Gespräch mit Merkur.de von IPPEN.MEDIA. Betriebsvorschriften sollen für das Verbot angepasst werden.

Sylt-Eklat: Video aus Überwachungskamera veröffentlicht

Update vom 26. Mai, 12:23 Uhr: Nachdem einige Gäste in der Promi-Bar „Pony“ ausländerfeindliche Parolen grölten, äußern sich nun auch Verantwortliche der Sylter Bar. Auf Instagram veröffentlichen sie ein Video der gesamten Tanzfläche, auf dem die betreffende Gruppe rot eingekreist ist. Sie stehen am Rand des Geschehens, auf dem Bild ganz hinten links. Wie die Bar mitteilt, haben sie sich zu diesem Schritt entschlossen, da sie „aufs Übelste beleidigt“ werden und Morddrohungen erhalten würden.

Eigentlich ein Ort für Show and Shine: Die Pony-Bar auf Sylt. (Archivbild)

„Es tut uns leid, dass unsere Gäste und Mitarbeiter wegen einiger weniger in Sippenhaft genommen werden“, schreibt der „Pony“-Club. „Wir haben auf alle konstruktiven Nachrichten und Fragen reagiert und uns daher entschlossen, das Video zu veröffentlichen, um uns, unsere Mitarbeiter und unsere treuen Gäste zu schützen. Wir sind auch sehr dankbar für alle anderen Nachrichten, die uns ermutigen, weiterzumachen. Wir sind der Meinung, dass das Thema Rassismus definitiv behandelt werden muss, aber auf zivilisierte Weise.“

Sie erklären auch: „An alle, die ständig fragen: ‚Hat man das nicht mitbekommen?‘ Ihr seht selbst, dass die Mehrheit auf dem Video ihren Spaß hat, während eine kleine Gruppe etwas skandiert, das mit unseren Grundwerten nicht vereinbar ist.“

Update vom 26. Mai, 07.47 Uhr: Die erste Person aus dem Sylt-Video entschuldigt sich öffentlich. Es handelt sich um einen Mann, der deutlich im Video zu erkennen ist. Jetzt spricht er von einem „ganz schlimmen Fehler“, den er gemacht habe. „Ich will mich öffentlich und aufrichtig entschuldigen für das, was passiert ist. Alle, die wir damit vielleicht verletzt haben, bitte ich um Entschuldigung“, zitiert ihn die Bild-Zeitung.

Der Mann habe sich selbst der Polizei gestellt und werde auch die rechtlichen Konsequenzen für sein Handeln übernehmen. Der Vorfall sei betrunken zustande gekommen und zeige nicht seine echte, innere Haltung. An die Öffentlichkeit geht er, weil die Anfeindungen nicht nur gegen ihn, sondern auch gegen seine Familie und Freunde gehen. „Das war mein Fehler, für den auch nur ich geradestehen sollte.“ Man solle ihm und nicht seinem Umfeld böse sein. Laut eigener Aussage verfolge er weiter die Diskussion, habe jedoch seine Social Media Profile gelöscht.

Eklat in Nobel-Bar auf Sylt: Gäste skandieren „Ausländer raus!“ – Polizei äußert sich

Update vom 24. Mai, 14:18: Zum Vorfall des rassistischen Videos aus der „Pony“-Bar hat sich nun auch der Bürgermeister der Gemeinde Sylt, Nikolas Häckel, geäußert: „Wir haben für diese Gesänge null Toleranz. Dieses Verhalten ist für uns abstoßend und vollkommen inakzeptabel. Wir dulden das nicht. Wir wenden uns in jeder Form gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Menschenfeindlichkeit. Insofern begrüßen wir, dass die Betreiber der Bar sehr deutlich Stellung genommen haben“, sagte Häckel auf Anfrage von kreiszeitung.de.

Auf Sylt würden Menschen aus 113 Nationen friedlich miteinander zusammenleben, hieß es weiter. Touristinnen und Touristen aus anderen Ländern würden begrüßt. Für die Gäste, die in dem Video ausländerfeindliche Parolen grölen, fand Häckel klare Worte: „Solche Gäste brauchen nicht noch einmal nach Sylt zu kommen. Sie sind herzlich ausgeladen. Denn wir sind eine weltoffene Insel.“

Rassistisches Video von Sylt: Staatsschutz ermitteln wegen Volksverhetzung

Update vom 24. Mai, 11.46 Uhr: Das Video aus der „Pony“-Bar hat auch seinen Weg zu den zuständigen Behörden gefunden. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft Flensburg mitteilen, ermittelt jetzt der Staatsschutz wegen Volksverhetzung und des Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen.

„Auf dem Video ist zu sehen, wie mindestens Teile der abgebildeten Personen rechtsextreme Liedtexte (‘Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!‘) singen. Zudem liegt der Verdacht vor, dass durch eine Person der sogenannte Hitlergruß gezeigt wird“, heißt es in der kurzen Mitteilung der Polizei Flensburg. Es sei zudem nicht ausgeschlossen, dass im Laufe der Ermittlungen weitere Tatverdächtige hinzukommen, die auf dem bekannten Video nicht zu sehen sind.

Erstmeldung vom 24. Mai, 11.46 Uhr: Kampen – In der Sylter Promi-Partylocation „Pony-Bar“ in Kampen ereignete sich ein schockierender Vorfall. Ein Video, das in den sozialen Medien kursiert, zeigt feiernde Gäste, die ausländerfeindliche Parolen grölen. Die Aufnahmen entstanden offenbar am Pfingstwochenende, einem beliebten Zeitraum für Touristinnen und Touristen auf der Nordseeinsel.

Die kurze Videoaufnahme zeigt eine junge Frau, die sich selbst filmt. Sie trägt eine Sonnenbrille im Haar und einen Pullover über der weißen Bluse. Zur Musik von Gigi D’Agostinos „L’amour Toujours“ grölt sie: „Ausländer raus! Ausländer raus!“. Um sie herum sind zahlreiche feiernde Menschen zu sehen, die ebenfalls rechtsextreme Parolen rufen. Ein Mann hält ein Glas Rosé in der Hand und schreit „Deutschland den Deutschen“.

Ein anderer Gast deutet einen Hitlergruß an, hält sich zudem zwei Finger an die Oberlippe. Die feiernde Menge scheint sich nicht an den rechtsextremen Äußerungen zu stören. Der Song „L’amour Toujours“ des italienischen DJs Gigi D’Agostinos erschien erstmals 2001. Leider erhielt er Anfang des Jahres unrühmliche neue Bekanntheit, als er mit der „Ausländer raus!“-Parole unterlegt in sozialen Medien, wie TikTok, trendete.

Ausländer-Hass auf Sylt landet im Netz: „Pony“-Bar distanziert sich – Böhmermann reagiert

Das Video verbreitete sich schnell in den sozialen Medien und wurde unter anderem von ZDF-Moderator Jan Böhmermann auf X (ehemals Twitter) geteilt. Er fragte: „Wer und wo sind diese Leute?“. Die Bar-Betreiber haben mittlerweile auf Instagram auf den Vorfall reagiert.

In ihrer Story erklärten sie: „Liebe Freunde, auch wir haben gerade den Post gesehen und sind tief schockiert. Wir distanzieren uns von jeder Art von Rassismus und Diskriminierung. Bei uns ist jeder Gast, unabhängig von der Ethnie, herzlich willkommen. Das wissen auch unsere treuen Gäste und Freunde, die uns Jahr für Jahr besuchen. Wir sind stolz auf unsere Vielfalt.“

In dem Statement heißt es weiter: „Hätten wir von diesem Vorfall gewusst, hätten wir die betreffenden Gäste selbstverständlich des Hauses verwiesen. Es gibt keinen Platz für Rassismus!!!“ Abschließend erklären sie mit einem Post Scriptum: „All diejenigen, die sich auf diesem Video singend wieder erkennen … Ihr habt Hausverbot bei uns!“

Eine Stunde nach der ersten Stellungnahme veröffentlichte das Lokal eine weitere Instagram-Story. Darin bedankte sich das Lokal bei denjenigen, die ihnen mittlerweile die Namen der beteiligten Personen mitgeteilt hatten. Sie kündigten an, das Verhalten zur Anzeige zu bringen und alle strafrechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen.

Eigentlich ist das „Pony“ in Kampen bekannt für seine prominente Kundschaft und die gehobene Atmosphäre. Der Eintritt am Pfingstwochenende kostete laut „Bild“-Zeitung 150 Euro, Getränke nicht inbegriffen. Dieses Wochenende markiert traditionell den Beginn der Urlaubssaison auf Sylt und zieht zahlreiche Urlauberinnen und Urlauber an.

Erst am Donnerstag, den 23. Mai, feierte das Deutsche Grundgesetz sein 75. Jubiläum, in dessen Rahmen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Rede gegen Menschenverachtung, Hetze gegen Minderheiten und Hass hielt. „All das hat in einer Demokratie nichts zu suchen!“, betonte er.(ls)

Rubriklistenbild: © X/Screenshot/ @Sawsan Chebli

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