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Der Wagner-Aufstand zieht weiter Kreise: Der hochrangige russische Armeegeneral Sergej Surowikin soll laut Geheimdokumenten ein geheimes VIP-Mitglied der Wagner-Truppe sein.
Moskau - Nach dem Aufstand der Wagner-Gruppe im Ukraine-Krieg scheint es für den hochrangigen russischen General Sergej Surowikin eng zu werden. Die New York Times hatte zuletzt berichtet, dass der Militär im Vorfeld von dem bevorstehenden Machtkampf wusste. Nun bekam der US-Nachrichtensender CNN offenbar Einblick in Geheimdokumente, die beweisen sollen, dass der russische Vizegeneralstabschef im Geheimen VIP-Mitglied der privaten Söldnertruppe ist.
Surowikin schon vor Beginn des Ukraine-Kriegs geheimes VIP-Mitglied in der Wagner-Gruppe?
Surowikin soll bereits im Jahr 2018 eine persönliche VIP-Registriernummer bei der privaten Söldnertruppe Wagner erhalten haben. Das berichtet CNN am Freitag und beruft sich dabei auf Geheimdokumente, die der Sender exklusiv einsehen konnte. Beweise, dass der General auch auf der Gehaltsliste des Wagner-Chefs Jewgeni Prigoschin stand, lagen indes nicht vor. Auch mindestens 30 weitere hochrangige russische Militär- und Geheimdienstbeamten sollen Mitglieder bei der Söldnertruppe sein, Details zur Identität der anderen VIP-Mitglieder wurden aber zunächst nicht bekannt.
Beobachter hatten sich überrascht davon gezeigt, dass die Wagner-Söldner am vergangenen Wochenende bei ihrer Einnahme des Hauptquartiers des südlichen Militärbezirks in Rostow am Don auf keine nennenswerte Gegenwehr russischer Soldaten gestoßen waren. Die nun enthüllten Geheimdokumente weisen laut CNN auf eine enge Beziehung zwischen dem russischen Militär und der privaten Söldnertruppe hin, was die einfache Einnahme des Militärstützpunktes und das schnelle Vorrücken bis rund 200 Kilometer vor der russischen Hauptstadt Moskau erklären könnte.
Wo ist Surowikin? General Armageddon seit Samstag nicht mehr öffentlich gesehen
Der aufgrund seiner Skrupellosigkeit unter dem Spitznamen „General Armageddon“ bekannte Surowikin war seit vergangenem Samstag nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden – sein Aufenthaltsort bleibt unklar. Während russische Medien bereits von der Festnahme des Generals berichtet hatten, wollte Kremlsprecher Dmitri Peskow sich nicht zum Verbleib des russischen Vizegeneralstabschefs äußern. Die US-Kriegsexperten der Denkfabrik Institute for the Study of War sahen darin einen Hinweis darauf, dass es Ermittlungen gegen den General geben könnte. Peskow hatte zuvor den Medienbericht der New York Times als „Spekulation“ zurückgewiesen, wonach Surowikin vom Aufstandsplan Prigoschins vorab gewusst haben soll.
Zwar gilt Surowikin als Verbündeter Prigoschins, schlug sich zuletzt aber auf die Seite des Kreml. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt hatte sich der General am Samstag direkt an Wagner-Chef Prigoschin gewandt und ihn gebeten, den Machtkampf zu beenden. Beobachter beschrieben Surowikins Auftritt am Samstag als nervös und bemerkten ein Stottern, was als Hinweis gedeutet wurde, dass der Armeegeneral seinen Text ablas. Der stellvertretende Vizegeneralstabschef war bis Januar 2023 Kommandeur der russischen Streitkräfte in der Ukraine, wurde dann aber durch Waleri Gerassimow ersetzt.
Aktuell ist unklar, inwiefern der frühere Putin-Freund noch das Vertrauen des Kreml genießt. Kremlsprecher Peskow jedenfalls äußerte sich nicht mit einem klaren Ja auf die Frage, ob der russische Präsident Surowikin weiter vertraue. Der Kremlchef arbeite als Oberbefehlshaber mit Verteidigungsminister Sergej Schoigu und Generalstabschef Waleri Gerassimow zusammen, hieß es am Donnerstag. Zu deren Untergebenen müsse sich das Ministerium äußern, sagte Peskow weiter.