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Die Ampel-Koalition plant Steuerentlastungen für Familien. Doch die Auswirkungen unterscheiden sich zwischen Haushalten. So viel macht die Senkung wirklich aus.
Frankfurt – Ab dem 1. Januar 2024 treten neue Steuerentlastungen in Kraft. Durch den Beschluss der Ampelkoalition werden die Freibeträge gesenkt. Haushalte sollen in Zukunft mehr Nettoeinkommen zur Verfügung haben. Aber nicht alle Familien profitieren gleich stark von den neuen Plänen.
Derzeit liegt der Grundfreibetrag, also der Betrag, bis zu dem das Einkommen steuerfrei bleibt, bei 10.908 Euro. Dieser soll, statt wie geplant auf 11.604 Euro, jetzt auf 11.784 Euro angehoben werden. Das sind 108 Euro mehr pro Person. Auch der Kinderfreibetrag soll von 6024 Euro auf 6612 Euro ansteigen, statt auf 6384 Euro. Das ergibt 228 Euro mehr pro Kind. Beispielrechnungen von focus.de und dem Handelsblatt zeigen, wie sich diese Änderungen in der Realität auf Familien auswirken.
Steuerentlastung vor allem für gutverdienende Familie mit zwei Kindern
Am Beispiel einer Familie mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von 100.000 Euro wird die Entlastung sichtbar. 2023 bezahlt die Familie 1442 Euro Lohnsteuer im Monat. Nach dem alten Plan hätte sie 2024 73 Euro im Monat, also rund 880 Euro jährlich gespart. Mit dem neuen Plan erhöht sich der Betrag um 20 Euro. Demnach liegt die Familie bei 93 Euro monatlich, das sind ungefähr 1100 Euro im Jahr. Pro Kind kann der Haushalt also mit fast 100 Euro mehr im Jahr rechnen, berechnet focus.de. Familien, bei denen beide Eltern zu den Spitzenverdienern gehören, können noch mehr sparen. Wenn beide Partner gemeinsam 16.000 Euro monatlich, also 192.000 Euro jährlich verdienen, erhält die Familie laut der Berechnung von Finanzwissenschaftler Frank Hechtner im Handelsblatt bis zu 1600 Euro im Jahr.
Weniger Entlastung für Familie mit niedrigerem Einkommen
Verdient der Haushalt weniger, zeigen die Entlastungen aber weniger Auswirkung. Das sieht man am Beispiel einer Familie mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von 60.000 Euro. Statt des Kinderfreibetrages erhalten Familien mit Jahreseinkommen unter 60.000 Euro Kindergeld. Die Steuersenkungen wirken sich also nur auf den Grundfreibetrag bei Lohn- und Einkommensteuer aus. Statt 311,83 Euro monatlich hätte die Familie nach dem alten Plan 33 Euro monatlich mehr, also 400 Euro jährlich zur Verfügung. Mit dem neuen Plan erhalten sie 14 Euro mehr im Monat - 165 Euro mehr im Jahr. Insagesamt sind das 565 Euro im Jahr 2024, berechnet focus.de. Das Kindergeld beträgt monatlich 250 Euro pro Kind. Zusätzlich bekommt die Familie also insgesamt 6000 Euro Kindergeld.
Single-Haushalt ohne Kinder - Steuerentlastung kaum merklich
Am Beispiel eines Single-Haushalts, in dem keine Kinder leben und das Einkommen 39.000 Euro beträgt, ist die geplante Steuerentlastung kaum merklich. 2023 bezahlt der Haushalt 395,75 Euro Lohnsteuer im Monat. Nach den alten Plänen blieben hier 21,25 Euro monatlich, beziehungsweise 255 Euro jährlich mehr. Mit den neuen Plänen steigt dieser Betrag zwar, aber nicht stark. Nur 3,50 Euro mehr bekommt der Haushalt monatlich. Insgesamt spart ein Single-Haushalt also 2024 ungefähr 25 Euro im Monat, also 297 Euro im Jahr, zeigt die Berechnung von focus.de. Verdient die alleinlebende Person aber 60.000 Euro Jahresgehalt, so kommen nur 292 Euro mehr jährlich dazu, berechnet Hechtner für das Handelsblatt.
| Haushalt | nach Steuersenkung |
|---|---|
| 2 Kinder, 192.000 Euro Jahreseinkommen | 1600 Euro jährlich |
| 2 Kinder, 100.000 Euro Jahreseinkommen | 1100 Euro jährlich |
| 2 Kinder, 60.000 Euro Jahreseinkommen | 565 Euro jährlich |
| keine Kinder, 39.000 Euro Jahreseinkommen | 297 Euro jährlich |
| keine Kinder, 60.000 Euro Jahreseinkommen | 292 Euro jährlich |
Ampel-Beschluss teilweise verwaltungstechnisch
Finanzminister Christian Lindner (FDP) hat den neuen Plan mit Verfassungsargumenten begründet. Die Freibeträge sollen das Existenzminimum der Haushalte sichern, das durch Regelbedarfe berechnet wird. Da diese 2024 durch die Inflation stiegen, müssten auch die Freibeträge angehoben werden. Private Haushalte zahlen 2024 mehrere hundert Euro mehr für Strom und Gas. Die SPD verlangt ab 2025 100 Euro mehr Kindergrundsicherung ab dem Jahr 2025.
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