VonVictoria Krumbeckschließen
Eine Schülerin aus Rom wird von einem Hausmeister sexuell belästigt. Der Mann wird vom Gericht freigesprochen, da die Tat nicht lang genug war.
Rom — Wann kann eine Handlung als sexuelle Belästigung bezeichnet werden? Sobald ein Mensch einer unerwünschten sexuellen Handlung ausgesetzt ist, sollte der Fall klar sein. Ein Gericht in Rom sieht das anderes. Eine Schülerin wurde im April 2022 von einem Hausmeister belästigt. Doch der Mann wird freigesprochen. Das Gericht argumentiert: Der Vorgang, der zwischen fünf bis zehn Sekunden dauerte, war zu kurz. In Italien ist der Aufschrei groß. Auf den sozialen Medien zeigen Menschen, wie lang zehn Sekunden wirklich sind.
Gericht in Italien urteilt: Sexuelle Belästigung zu kurz — Mann wird freigesprochen
Die damals 17-jährige Schülerin erzählte dem Gericht, dass jemand ihr Gesäß berührte, als sie die Treppe hochging, wie corriere.it am 8. Juli berichtete. Die Hände des 66-jährigen Hausmeisters glitten in ihre Hose und packten schließlich ihre Unterwäsche, die sich, wie die Schülerin schilderte, um zwei Zentimeter anhob. Als sich das Mädchen umdrehte, sah sie den Hausmeister, der stumm wegging. Das Gericht sieht in dieser Tat jedoch ein „zufälliges“ Manöver, eine „Scherz-Handlung“, wie das Portal das Schreiben des Gerichts zitiert.
Die Richter urteilten, dass diese Tat kein Verbrechen darstellt und in dem fünf bis zehn Sekunden langen Vorfall keine Absicht des Hausmeisters gelegen habe, das Mädchen zu belästigen. Der Mann wurde daher freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren gefordert, da sie die Absicht in den Schilderungen der Schülerin deutlich sahen. Der Hausmeister soll der Schülerin doch noch hinterhergelaufen sein, um zu sagen: „Liebes, du weißt, dass ich einen Witz gemacht habe.“
Sexuelle Belästigung war „Scherz“ — Solidarität mit Schülerin auf Instagram
Die Anwältin des Mannes gab die Tat ihres Mandanten zu. Er habe das Gesäß der Schülerin berührt, doch es habe sich dabei um einen „Scherz“ gehandelt. Die Hände steckte er laut der Aussage der Anwältin nicht in ihre Hose. „Das ist zumindest für mich kein Scherz“, kommentierte die mittlerweile 18-Jährige das Urteil, wie corriere.it in einem weiteren Artikel schrieb. Es wurden auch Aussagen von Zeugen aufgenommen, die die Belästigung sahen.
Auf den sozialen Medien solidarisieren sich viele Menschen mit der Schülerin. Sie posten Videos, auf denen sie sich zehn Sekunden lang selbst anfassen. Auch der italienische Schauspieler Paolo Camilli, der aus der Serien „White Lotus“ bekannt ist, postete ein solches Video auf Instagram. Dazu schrieb er: „Sollte der Staat nicht schützen?“ Das Urteil könnte auf andere junge Frauen, die sexuell belästigt werden, abschreckend wirken, wie die Schülerin sagte. Sie hofft nun, dass die Staatsanwaltschaft noch Berufung einlegt.
Viele Menschen, besonders Frauen, haben schon einmal sexuelle Belästigung erlebt. Auch im EU-Parlament tauchen erschreckende Zahlen auf. (vk)
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