VonMichelle Breyschließen
Nass, kühl und vom Sommer keine Sicht. Das Wetter in Deutschland ist für den Juni eher untypisch – wäre da nicht die Schafskälte.
Frankfurt – Am See oder im Freibad in der Sonne liegen oder ein Eis in der Stadt genießen? In Deutschland ist davon dieses Jahr zunächst nicht viel möglich. Heftiger Starkregen sorgte zuletzt in Bayern und Baden-Württemberg für eine brisante Hochwasserlage. Und auch zu Beginn der Kalenderwoche 23 (10. Juni) nimmt der Sommer erstmal keine Fahrt auf.
„Dieser Monat wird wahrscheinlich in Sachen stabiles Sommerwetter nicht mehr viel auf die Kette bringen“, sagt Dominik Jung von wetter.net in einem Video. Die Schafskälte prägt das Wetter. Ebenso werden neue Regenmassen erwartet. Auch die Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist alles andere als sommerlich. Oder wie es Meteorologe Kai Zorn in einem Video beschrieb: „Der Sommer, der sich eigentlich noch gar nicht so angefühlt hat, macht jetzt einen auf Herbst.“
„Schafskälte ist pünktlich“: Wetter in Deutschland bleibt wechselhaft und kühl
„Da kommt eine neue Wetterfront herangezogen. Und dementsprechend bleibt es heute bei uns in Deutschland eher so eine wechselhafte Angelegenheit“, so Jung mit Bezug auf die Prognose für Montag (10. Juni). Die Temperaturen liegen ihm zufolge bei maximal zwölf bis 23 Grad. Und das werde auch in den kommenden Tagen vorerst nicht besser. Erst kürzlich kündigte er an, dass die Temperaturen „ins Bodenlose“ stürzen.
„Die Schafskälte, die eigentlich genau heute beginnt, ist wirklich sehr pünktlich in diesem Jahr“, so Jung. In der Nacht zum Dienstag sei regional sogar Bodenfrost möglich.
Schafskälte
„Mitte Juni tritt in Mitteleuropa relativ häufig ein Kälterückfall auf, ausgelöst durch Zufuhr von Polarluft, der als ‚Schafskälte‘ bezeichnet wird“, informiert der DWD auf seiner Website. Die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens dieses Ereignisses sei unterschiedlich.
Laut DWD erwarten uns folgende Temperaturmaxima:
| Montag, 10. Juni 2024 | 15 bis 19 Grad |
| Dienstag, 11. Juni 2024 | 13 bis 19 Grad |
| Mittwoch, 12. Juni 2024 | 14 bis 19 Grad |
| Donnerstag, 13. Juni 2024 | 15 bis 21 Grad |
„Plötzlich wäre er da, der Sommer“: Langzeit-Prognose zeigt hohe Temperaturen – aber auch „Unwetterpotenzial“
Am Sonntag könnte es laut Wetterexperte Dominik Jung „schlagartig“ wärmer werden. „Wir sehen Temperaturen flächendeckend von 22 bis 29 Grad. Plötzlich wäre er da, der Sommer 2024.“ Er fügte jedoch mit Blick auf die Zeitspanne der Prognose an: „Da machen wir noch ein Fragezeichen dahinter.“
In der Kalenderwoche 24 (ab 17. Juni) warten dann demnach hohe Temperaturen bis zu 30 Grad. Diesen „Hitzepeak“ spricht auch Meteorologe Zorn in seinem Video an. Laut Jung gibt es „aber die ganze Zeit immer wieder ein großes Gewitter- und Unwetterpotenzial“.
Neue Regenmassen in Sicht – Wettermodelle übereinstimmend
Einig sind sich die verschiedenen Wettermodelle mit Bezug auf den Niederschlag. Laut deutschem, europäischem und amerikanischen Modell bleibt es hierzulande nass. Die Prognosen unterscheiden sich lediglich anhand der Regenmengen.
- ICON (deutsches Modell) bis 17. Juni: Wenig Regen im Osten, im Nordwesten Dauerregen möglich (40-60 Liter/Quadratmeter), im Südwesten/Süden 30-40 Liter/Quadratmeter möglich.
- ECMWF (europäisch) bis 19. Juni: Wenig Niederschlag im Osten, im Süden 50/60/70 Liter/Quadratmeter, im Nordwesten 60-80 Liter/Quadratmeter
- GFS (amerikanisch) bis 19. Juni: „Sehr nass nach der Prognose: Sachsen, Thüringen, teilweise Brandenburg. Da reden wir von 80 bis 120 Liter Regen pro Quadratmeter. Im Alpenraum teils 50 bis 70 Liter pro Quadratmeter, Schwarzwald bis zu 110. Auch im Nordwesten sehr, sehr nass bis rauf nach Schleswig-Holstein“, fasst Jung mit Blick auf die Karte zusammen.
Mehrere trockene Tage am Stück sieht Meteorologe Zorn ebenso nicht: „Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage: In diesem Monat wird das nichts mehr.“ Public-Viewing zur Europameisterschaft oder Stadionbesuche könnten somit eine nasse Angelegenheit werden. (mbr)
Rubriklistenbild: © Screenshot wetterzentrale / Andreas Arnold/dpa

