Gefahr durch Luftverschmutzung

Lungenarzt warnt vor Feinstaub: Er dringt in Gefäße ein – wer besonders gefährdet ist

  • schließen

Luftverschmutzung steht auf Platz 2 der tödlichsten Gesundheitsrisiken. Ein Facharzt klärt über Feinstaub auf und richtet sich vor allem an Lungenkranke.

Frankfurt – Immer wieder kursieren Bilder aus den Großstädten dieser Welt: Von dichtem Smog umhüllte Hochhäuser, unzählige Autos, die sich durch die verqualmten Straßen kämpfen. Ein Szenario, das in diesem Ausmaß in Europa eher selten auftritt. Dennoch zog vor Kurzem aufgrund der Wetterlage eine Smog-Wolke aus Polen über Deutschland. Stauen sich bei Windstille verschiedene Schadstoffe in den untersten Luftschichten, atmen wir sie ein – das kann unter Umständen gefährlich werden. Wie gefährlich, erklärt ein Lungenfacharzt gegenüber IPPEN.MEDIA.

Erst kürzlich mussten in Bangkok, Thailand, sämtliche Schulen geschlossen werden, da über der Millionenmetropole eine dichte Smog-Glocke hing. Die Feinstaubwerte dort überstiegen die empfohlenen Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation WHO um das 15-fache. Seit Jahren ist dies keine Seltenheit in Ballungszentren asiatischer Länder, des Nahen Ostens und in Regionen Afrikas.

Lungenkrebs: Elf Symptome, die auf einen Tumor hinweisen – nicht nur Husten

Frau mit Fieber im Bett
Erhöhte Temperatur und Fieber sind in der Regel ein Zeichen davon, dass der Körper gegen etwas kämpft. Tumorwachstum hat in vielen Fällen eine Veränderung der Körpertemperatur zur Folge. Wer bemerkt, dass er ohne eigentlichen Infekt Temperaturschwankungen hat, sollte einen Arzt aufsuchen. © Milan Markovic/Imago
Mann, der müde und erschöpft ist
Eine anhaltende Müdigkeit und Abgeschlagenheit kann im Zweifelsfall auch auf ernste Erkrankungen wie Lungenkrebs hindeuten. Bei einer Dauer von mehr als zwei bis drei Wochen sollten die Symptome unbedingt mit einem Arzt besprochen und abgeklärt werden. © Monkey Business 2/Imago
Frau mit Kurzatmigkeit
Menschen, die an Lungenkrebs erkranken, bemerken eine zunehmende Kurzatmigkeit und/oder Atemnot. Auch diese Symptome sollten frühzeitig von einem Facharzt (Pneumologen) abgeklärt werden. © Maridav/Imago
Frau mit Atemnot und Brustschmerzen (Symbolbild)
Als typisches Symptom eines sich entwickelnden Lungenkarzinoms sind nicht nur Atemnot sowie ein Engegefühl und Schmerzen in der Brust zu erkennen, auch ein Pfeifen beim Einatmen kann ein Indiz für die Erkrankung sein. © megaflopp/Imago
Mann mit Schmerzen im Nacken und Rücken
Neben Brustschmerzen kann eine Krebserkrankung wie das Bronchialkarzinom auch zu Gliederschmerzen, Knochenschmerzen sowie Rückenschmerzen führen. © NickWhite/Imago
Frau liegt schwitzend im Bett
Eine Krebserkrankung wie ein Lungenkarzinom kann sich auch durch immer wiederkehrende Schweißattacken, insbesondere Nachtschweiß, bemerkbar machen. Betroffene leiden daher unter Schlafstörungen – auch durch die Luftnot, die mit dem Tumorwachstum verbunden ist und sich im Liegen verstärkt. © AndreyPopov/Imago
Mann hustet
Hält akuter Husten länger als zwei Wochen an – obwohl dieser zum Beispiel mit Antibiotikum behandelt wurde – könnte dies auf eine ernste Erkrankung wie einen Tumor hindeuten. Auch ein chronischer Husten, der sich verändert und/oder verstärkt, kann auf eine schwere Erkrankung zurückzuführen sein. © BRUNO / IMAGE POINT FR / BSIP/IMAGO
Mann hustet in Taschentuch
Wer unter Husten leidet, der mit Auswurf verbunden ist – mit oder ohne Blutbeimengung – sollte so bald wie möglich einen Arzt aufsuchen. Beschwerden dieser Art können ein Hinweis für ein Lungenkarzinom sein. © africa_images/Imago
Frau fasst sich an den Hals
Manche Menschen, die an einem Bronchialkarzinom erkranken, entwickeln eine heisere Stimme, insbesondere, wenn der Tumor auf Nerven im Brustkorb drückt. © megaflopp/Imago
Mann trinkt Orangensaft
Mit der Heiserkeit kann auch das Schlucken zunehmend schwerfallen oder schmerzen. © manuela.fink/Imago
Hände
Bei plötzlich auftretenden Veränderungen oder Verfärbungen der Fingernägel sowie einer Verdickung der Fingerspitzen (Trommelschlegelfinger), sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Auch dabei kann es sich um ein Anzeichen für eine schwerwiegende Erkrankung wie Lungenkrebs handeln. © rotoGraphics/IMAGO

Lungenfacharzt warnt: Feinstaub-Partikel lagern sich in den Atemwegen ab

Bei Feinstaub handelt es sich um kleinste, für das menschliche Auge unsichtbare Teilchen in der Luft, nicht größer als zehn Mikrometer – kleiner also, als eine Frischhaltefolie dick ist. Wird dieser als PM10 bezeichnete Feinstaub eingeatmet, kann er sich in den großen Atemwegen ablagern und Entzündungen verursachen, erklärt Prof. Dr. Heinrich Worth, Internist mit den Spezialgebieten Lungen- und Herzerkrankungen im Interview.

Eine Untersuchung der Bundesrundfunkanstalt Deutschen Welle zeigte, dass im Jahr 2022 ganze 98 Prozent der Menschen in Europa Luft atmeten, die schlechter war, als von der WHO empfohlen. Der Grenzwert der Organisation beträgt fünf Mikrogramm pro Kubikmeter, der im Jahresmittel nicht überschritten werden sollte. Die Analyse des Rundfunksenders bezieht sich auf noch kleinere Feinstaubpartikel mit einem Durchmesser von maximal 2,5 Mikrometern, auch als PM2,5 bezeichnet.

Viele europäische Städte liegen bei einem Jahresdurchschnitt von 25 Mikrogramm. Obwohl in bestimmten Regionen Indiens gelegentlich die 100-Mikrogramm-Grenze geknackt wird, kann auch die Luftverschmutzung in Europa bereits gesundheitsschädlich sein.

Feinstaub als Gefahr für die Gesundheit – eine Folge kann laut Lungenfacharzt der Herzinfarkt sein

Zur Luftverschmutzung durch Feinstaub kommt es vor allem durch die Verwendung fossiler Brennstoffe. Er entsteht durch Emissionen im Straßenverkehr, in der Industrie, aber teils auch in Privathaushalten beim Heizen mit Kohle und Brennholz. Auch der Flugzeugtreibstoff Kerosin verursacht massive Luftverschmutzung. Gefährlich für die Gesundheit wird es, wenn Teilchen kleiner als fünf Mikrometer in den Organismus gelangen, erklärt Professor Worth. Als besonders hoch gilt das Risiko bei den kleineren Feinstaubpartikeln PM2,5.

Diese Partikel gelangen auch in die kleinen Atemwege, die höchstens einen Durchmesser von zwei Millimetern haben, sagt der Mediziner. Sie bilden zu einem großen Teil das Lungengewebe in den Bronchien und sind für den Transport von Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid verantwortlich. „Dort können die Partikel die Schleimhaut schädigen. Sie verursachen Erkrankungen und ein höheres Infektionsrisiko“, erklärt Worth. Die Partikel könnten außerdem in die Zellschichten der Blut- und Lymphgefäße, ins sogenannte Endothel, kommen. „Das kann auch zu Einengungen der Herzkranzgefäße und damit zum Herzinfarkt führen.“

Professor Heinrich Worth ist stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Atemwegsliga (DAL).

Feinstaub erhöht Lungenkrebsrisiko – Luftverschmutzung ist für über 8 Millionen Tote verantwortlich

Sind die Partikel nur klein genug, steht ihnen also der Weg durch den menschlichen Organismus weitgehend offen. „Wir gehen auch davon aus, dass ein erhöhter, dauerhafter Kontakt mit Feinstaub zu einem erhöhten Lungenkrebsrisiko führt“, sagt Worth. Besonders gefährlich sei der Kontakt für Menschen mit Lungenvorerkrankung, betont er, „etwa Asthma oder der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit COPD“.

Zwar bleibe das Zigarettenrauchen einer der Hauptursachen für Erkrankungen der Atemwege. Wie eine Studie der Non-Profit-Organisation Health Effects Institute zeigt, führte Luftverschmutzung 2021 allerdings weltweit zu 8,1 Millionen Todesfällen. Mehr als 90 Prozent standen im Zusammenhang mit Feinstaub. Die Verschmutzung der Luft liegt damit auf Platz zwei der größten Risikofaktoren für einen vorzeitigen Tod, nur Bluthochdruck gilt noch als lebensbedrohlicher.

Feinstaub in der Luft kann, wird er eingeatmet, ein Risiko für die Gesundheit der Lunge darstellen. Denn die Partikel setzen sich in den Atemwegen fest. (Symbolbild)

Bei verschmutzter Luft: Maske und Luftreiniger können laut Lungenarzt helfen

Wer in einer Region mit zeitweise schlechter Luftqualität lebt, oder sogar von Smog betroffen ist, kann sich durch einige Maßnahmen vor den Schadstoffen schützen. Die Flucht aus der Stadt aufs Land könnte eine Möglichkeit sein. Vergessen werden sollte aber nicht, dass auch die Landwirtschaft zur Luftverschmutzung beiträgt.

Prof. Heinrich Worth rät dazu, bei erhöhten Feinstaubmesswerten drinnen zu bleiben und körperliche Aktivitäten zu vermeiden. Betroffene sollten – wenn zudem hohe Temperaturen herrschen – ausreichend trinken und nur kleine Mahlzeiten zu sich nehmen. Auch ein Mund-Nasen-Schutz mit Filterfunktion könne hilfreich sein. Zudem sollte auch auf den Innenraum geachtet werden: Da könnte auch ein elektronischer Luftreiniger eine Möglichkeit sein, die Schadstoffbelastung zu senken. (smk)

Rubriklistenbild: © Silas Stein/dpa

Kommentare