- VonBettina Menzelschließen
Ein UN-Bericht zeigt beunruhigende Zahlen: Alle zehn Minuten stirbt eine Frau weltweit durch Gewalt. Auch in Deutschland bleibt das eigene Heim der gefährlichste Ort für Frauen.
Berlin – Das Zuhause ist für Frauen der gefährlichste Ort: Alle zehn Minuten wird weltweit eine Frau von ihrem Partner oder einem Familienangehörigen getötet. Dies geht aus dem am Montag vorgelegten Jahresbericht 2023 des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) hervor. Auch Deutschland hat ein Problem mit Gewalt gegen Frauen.
Femizide weltweit: 85.000 Frauen und Mädchen wurden 2023 durch Gewalt getötet
Die Gewalt gegen Frauen habe „ein alarmierendes Ausmaß“ angenommen, heißt es in dem UN-Bericht. Weltweit seien im vergangenen Jahr 85.000 Frauen und Mädchen durch bewusste Gewalt getötet worden. Dabei seien 60 Prozent der getöteten Frauen Opfer „ihres Ehepartners oder anderer Familienmitglieder“ geworden. In Deutschland sind die Zahlen ebenfalls erschreckend. „Fast jeden Tag gibt es einen Femizid. Jeden Tag werden rund 400 Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt“, sagte Bundesfrauenministerin Lisa Paus (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur.
„Es braucht eine Trendumkehr, ein starkes Gewalthilfegesetz, um das Recht auf Schutz und Beratung für alle Betroffenen von geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt zu verankern“, forderte Paus. Sie werbe deshalb weiter für Zustimmung über Parteigrenzen hinweg für das Gewalthilfegesetz. Dies wurde der Frauenministerin in enger Abstimmung mit anderen Ministerien, den Ländern und Verbänden erarbeitet. Um es durch den Bundestag zu bringen, ist nach dem Ende der Ampel-Koalition auch eine breite Unterstützung der Union nötig.
Die unterschätzte Gefahr: Behörden und Justiz schützen Frauen nicht ausreichend
Der Schutz von Frauen dürfe „nicht abhängig sein von parteipolitischem Kalkül“, mahnte Paus. „Frauen, die Gewalt erfahren und die um ihr Leben fürchten, ist es vollkommen egal, wer regiert.“ Besonders schwerwiegend sind versuchte und vollendete Tötungsdelikte, die sich explizit gegen das weibliche Geschlecht richten – sogenannte Femizide. Im Jahr 2023 wurden 938 Mädchen und Frauen Opfer von versuchten oder vollendeten Femiziden. 360 Frauen und Mädchen starben dabei.
Die Trennung von einem gewalttätigen Partner sei für Frauen der gefährlichste Moment, sagte Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin der Frauenrechtsorganisation Terre de Femmes, dazu in einer Mitteilung. Diese Gefahr für Frauen würde von Behörden und Justiz noch immer unterschätzt werden. „Die traurige Realität: viele Femizide hätten verhindert werden können, wären die Frauen besser geschützt worden.“ In mehreren Städten in Deutschland sind zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am Montag (25. November) Kundgebungen und Aktionen geplant (AFP/dpa/bme).