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Die Corona-Inzidenzen in Deutschland sind so hoch wie lange nicht mehr. Grund dafür ist eine neue Corona-Variante: JN.1 breitet sich rasant aus und dominiert schon jetzt.
Berlin — Kurz vor Weihnachten meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) besorgniserregende Zahlen: In Deutschland gibt es zurzeit so viele Corona-Infektionen wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Insgesamt sind seit Oktober über 196.008 Covid-19 Fälle gemeldet worden. Allein in der 49. Kalenderwoche waren es 26.847 Neuinfektionen. Das geht aus dem jüngsten Wochenbericht des RKIs hervor.
Bisher dominierten die Varianten Eris (EG.5) und Pirola (BA.2.86). Doch seit Kurzem ist vor allem eine neue Variante für die vielen Neuinfektionen verantwortlich. Es handelt sich um den Pirola Subtyp JN.1, der auch schon in den USA für hohe Inzidenzen sorgt. 29 Prozent aller Neuinfektionen wurden dem RKI zufolge durch diese Variante ausgelöst. Sie verdrängt demnach Eris und Pirola, die jeweils weniger als 20 Prozent aller Infektionen ausmachen. Neben Covid-19 breiten sich zurzeit auch andere Atemwegserkrankungen aus und sorgen für eine regelrechte Infektionswelle in Deutschland.
Mutation der Coronavirus-Variante JN.1 besorgt Forschende
JN.1 wurde im September erstmals in den USA festgestellt. Dort gibt das zuständige Gesundheitsamt, das Center for Disease Control (CDC), an, dass 15-29 % der Neuinfektionen auf JN.1 zurückzuführen sind. In den kommenden Wochen wird sich der Pirola-Subtyp laut der Behörde noch weiter ausbreiten. Gleiches könnte auch für Deutschland gelten: Beim Abwassermonitoring hat das RKI im Dezember so viele Sars-CoV-2 Genfragmente festgestellt, wie seit Sommer 2022 nicht mehr.
JN.1 wurde wegen seiner Ähnlichkeit zur Pirola-Variante in Infektions-Statistiken zunächst nicht separat gelistet. Die beiden Virusvarianten unterscheiden sich nur durch eine Veränderung im Spike-Protein. Diese Mutation besorgt Forschende allerdings. Denn die Dominanz von JN.1 deutet darauf hin, dass diese Variante entweder leichter übertragbar oder erfolgreicher bei der Umgehung des Immunsystems ist. Der Infektiologe Dr. Thomas Russo, der die Abteilung für Infektionskrankheiten an der University von Buffalo in New York leitet, bezeichnete die Variante im Gespräch mit dem amerikanischen Gesundheitsmagazin Prevention als „äußerst hinterlistig“ und warnte vor noch höheren Infektionszahlen.
Corona-Impfstoffe schützen effektiv vor allen Virusvarianten
Trotz der schnellen Ausbreitung der Variante gibt es zurzeit keine Anzeichen dafür, dass JN.1 im Vergleich zu anderen Varianten zu einem höheren Risiko für Infizierte führt. Hinweise für neue Symptome der Variante gibt es derzeit ebenfalls nicht. Nach wie vor gehören Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Husten, eine laufende und verstopfte Nase sowie eventuelle Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns zu den gängigsten Symptomen einer Covid-19-Infektion. Die Pirola-Variante hatte für Aufsehen gesorgt, weil sie mit ungewöhnlichen Symptomen wie etwa Hautausschlag und Veränderungen im Mund und auf der Zunge in Verbindung gebracht worden war.
Für Geimpfte gibt es außerdem Entwarnung: Es wird davon ausgegangen, dass alle zugelassenen Impfstoffe ausreichend vor einem schweren Verlauf nach einer Infektion mit JN.1 schützen. Auch gegen Eris und Pirola sind sie effektiv. Der Virologe Ulf Dittmer, der Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Essen und Präsident der Gesellschaft für Virologie ist, empfiehlt Menschen ab 60 die Impfung gegen Covid-19. (jus)
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