VonRobin Dittrichschließen
Der Klimawandel zeigt seine negativen Auswirkungen immer wieder in ganz Europa. Überschwemmungen folgen oftmals Hitzewellen und Trockenheit.
Frankfurt – Als es Ende April 2024 in vielen Orten Deutschlands plötzlich zu schneien begann, waren wohl viele Menschen verwundert. Es ist nur eins von vielen Ereignissen, die einen voranschreitenden Klimawandel zeigen. So sieht es in Europa aktuell aus.
Alarmierender Klimabericht dokumentiert den voranschreitenden Klimawandel in Europa
Viele Länder Europas hatten im letzten Jahr mit anhaltender Hitzebelastung zu kämpfen. Im Schnitt wurden 2023 so viele Tage mit extremer Hitze wie noch nie zuvor dokumentiert. Das geht aus einem gemeinsamen Bericht des europäischen Klimawandeldienstes Copernicus und der Weltwetterorganisation WMO hervor. Erstmals wurden die Hitzebelastungen in Europa um das Jahr 1940 aufgezeichnet, die Temperaturen stiegen seitdem immer weiter an.
Bereits im Jahr 2020 war es überaus warm gewesen, einige Datensätze besagen sogar, dass die durchschnittlichen Temperaturen dort noch etwas höher waren. „2023 war ein komplexes und vielschichtiges Jahr, was die Klimagefahren in Europa angeht“, sagte Carlo Buontempo, Direktor des Copernicus Climate Change Service, über die Ergebnisse. „Wir wurden Zeuge von weitverbreiteten Überschwemmungen, aber auch von extremen Waldbränden mit hohen Temperaturen und schweren Dürren.“ Auch Südostasien musste unter Hitzewellen leiden.
Hohe Temperaturen belasten ganz Europa – zahlreiche Dürren in den letzten Jahren
Laut dem Bericht der WMO und Copernicus waren elf der zwölf Monate des letzten Jahres überdurchschnittlich warm. Neben dem wärmsten je gemessenen Jahr wurde 2023 ein weiterer unrühmlicher Rekord aufgestellt. Über ganz Europa wurde ein Rekordwert an Tagen mit extremem Hitzestress registriert. Darunter werden Tage mit einer gefühlten Temperatur von über 46 Grad verstanden. „In einigen Teilen Süd- und Ostspaniens, Südwestfrankreichs, Südostitaliens, Südsardiniens, Griechenlands und der Westtürkei herrschte bis zu 10 Tage lang ‚extreme Hitzebelastung‘.“
Obwohl die Hitze in ganz Europa zu spüren war, hatte vor allem Südeuropa damit zu kämpfen. Insbesondere Spanien ächzte unter immer wieder auftretenden Hitzewellen und damit einkehrender Dürrephasen. „23 der 30 schwersten Hitzewellen in Europa sind seit dem Jahr 2000 aufgetreten“, heißt es seitens der WMO. Auch die Menschen leiden zunehmend unter der Hitze. 2022 gab es knapp 70.000 hitzebedingte Todesfälle. Obwohl für das Jahr 2023 noch keine Daten vorliegen, wird vermutet, dass die Zahl dort noch einmal angestiegen ist.
Folgen des Klimawandels: Niederschläge nehmen zu
Was für einige Menschen zusammenhanglos klingt, ist bittere Realität des Klimawandels: Obwohl es immer wärmer wird, nehmen auch die Niederschläge weiter zu. 2023 fiel knapp sieben Prozent mehr Niederschlag in ganz Europa als sonst durchschnittlich. In einigen Orten kam es sogar zu schweren Überschwemmungen, in Slowenien waren knapp 1,5 Millionen Menschen davon betroffen.
Eine Erklärung des Zusammenhangs zwischen ansteigenden Temperaturen und starken Niederschlägen gibt Richard Allan, Professor für Klimaforschung an der Universität Reading: „Eine wärmere Atmosphäre ist eine durstigere Atmosphäre, die in der Lage ist, einer Region mehr Feuchtigkeit zu entziehen“, zitiert ihn sueddeutsche.de. Das entzogene Wasser schlägt dann in anderen Regionen teils heftig nieder: „Dies führt zu größeren Schwankungen und wilderen Wechseln zwischen nassen und trockenen Tagen, Jahreszeiten und Jahren, die schwer zu planen und zu bewältigen sind.“
Klimawandel führt zu Gletscherschmelze und warmen Meeren in Europa
Mit ansteigenden Temperaturen sind auch die Meere um die europäischen Küsten deutlich wärmer geworden. Im Mittel waren sie im Jahr 2023 so warm wie nie zuvor – gemessen wird das seit 1980. Doch nicht nur die Meere, auch die Gletscher waren zu warm: „Nach dem Rekord-Eisverlust im Jahr 2022 war es ein weiteres außergewöhnliches Verlustjahr in den Alpen“, heißt es in dem WMO-Bericht. Die Gletscher in den Alpen sollen in zwei Jahren knapp zehn Prozent ihres Volumens verloren haben. (rd/dpa)
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