Muslimischer Nordkaukasus

Mob stürmt Flughafen in Dagestan: Tschetschenen-Chef erteilt Schießbefehl „auf den Kopf“

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Mehrere Menschen stürmen den Flughafen in der russischen Stadt Machatschkala, um Jagd auf jüdische Passagiere zu machen.

In der russischen Teilrepublik Dagestan machen Männer Jagd auf israelische Geflüchtete. Mehrere Menschen werden verletzt. Der Flughafen wurde gesperrt.

Update vom 31. Oktober, 11.46 Uhr: Nach antisemitischen Ausschreitungen Dagestan in Südrussland hat der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow der Polizei seiner Teilrepublik einen Schießbefehl gegen aufsässige Demonstranten erteilt. Wer sich an Unruhen beteilige, werde festgenommen und eingesperrt, sagte Kadyrow der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti zufolge bei einer Sitzung der Regionalregierung in Grosny.

Wenn sich jemand widersetze, sollten die Beamten drei Warnschüsse abgeben. „Danach, wenn der Mensch immer noch gegen das Gesetz verstößt, gebt den vierten Schuss auf den Kopf ab! Der macht das nicht wieder. Das ist mein Befehl“, sagte Kadyrow nach Angaben vom Dienstag. Eine Menschenmenge hatte am Sonntag den Flughafen von Machatschkala gestürmt und Jagd auf jüdische Passagiere eines Fluges aus Tel Aviv gemacht. Es gab mehr als 20 Verletzte; 83 Personen wurden festgenommen.

Wie Wladimir Putin warf er dem Westen vor, zu den antisemitischen Übergriffen aufgestachelt zu haben. „Man darf den Feinden Russlands nicht Beistand leisten und die Lage im Inneren erschüttern“, sagte Kadyrow.

Mob stürmt Flughafen in Dagestan: Ukraine spricht von „tief verwurzeltem Antisemitismus“

Update vom 30. Oktober, 18.40 Uhr: Die Ukraine hat russische Vorwürfe zurückgewiesen, die antisemitischen Exzesse in der Teilrepublik Dagestan im Nordkaukasus angestachelt zu haben. „Die Vorgänge in Machatschkala spiegeln den tief verwurzelten Antisemitismus der russischen Eliten und Gesellschaft wider“, schrieb der ukrainische Außenamtssprecher, Oleh Nikolenko, am Montag bei Facebook. Moskau versuche mit seinen Vorwürfen gegen Kiew nur, die Verantwortung abzuschieben. Der Aufruhr sei vielmehr Folge der „russischen Staatspropaganda, die jahrzehntelang unter den Russen das Gefühl von Hass gegen andere Völker kultivierte“.

Update vom 30. Oktober, 11.27 Uhr: Behörden beklagen gezielte Destabilisierungsversuche in Dagestan. Das zentrale russische Untersuchungskomitee gab am Montag in Moskau bekannt, dass Aufrufe zu gewalttätigen Protesten über Telegram-Kanäle verbreitet wurden, was zu „Pogromen“ führte.

Aufgrund der Schäden an der Infrastruktur wurde der internationale Bereich des Flughafens in Dagestan vorübergehend geschlossen und soll in der Nacht zum Dienstag (31. Oktober) wiedereröffnet werden. Russische Medien berichteten von Tausenden von Teilnehmern an den nicht genehmigten Demonstrationen.

Mehrere Menschen stürmen den Flughafen in der russischen Stadt Machatschkala, um Jagd auf jüdische Passagiere zu machen.

Russland bestätigt 60 Festnahmen nach Angriff auf einen Flughafen in Dagestan

Update vom 30. Oktober, 8.39 Uhr: Nach einem Angriff von Dutzenden Personen auf einen Flughafen in der russischen Republik Dagestan wurden laut Moskau 60 Personen in Gewahrsam genommen. „Mehr als 150 aktive Teilnehmer an den Unruhen wurden identifiziert, 60 von ihnen wurden festgenommen“, so das russische Innenministerium am Montag. Neun Polizeikräfte seien dabei verletzt worden, zwei von ihnen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Zahlreiche Personen hatten am Sonntag (29. Oktober) den Flughafen der dagestanischen Hauptstadt Machatschkala gestürmt. Laut Medienberichten drangen die Angreifer sowohl auf das Rollfeld als auch auf das Dach des Flughafens vor. Das Gesundheitsministerium in Dagestan berichtete von Verletzten. Später konnte die Regierung der Kaukasusrepublik die Situation wieder unter Kontrolle bringen.

Mehrere Menschen verletzen sich bei dem Angriff auf israelische Geflüchtete

Update vom 30. Oktober, 7.49 Uhr: Mehr als 20 Menschen sollen beim Tumult in Machatschkala verletzt worden sein, berichtet die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass. Unter den Verletzten seien Polizisten und Zivilisten. 10 Personen wurden laut Gesundheitsministerium im Krankenhaus behandelt, zwei befinden sich in kritischem Zustand.

Aus den USA kommen mahnende Worte zu den Vorfällen in der russischen Teilrepublik Dagestan. „Die Vereinigten Staaten verurteilen die antisemitischen Proteste im russischen Dagestan aufs Schärfste. Die USA stehen unmissverständlich an der Seite der gesamten jüdischen Gemeinschaft“, schreibt Adrienne Watson, eine Sprecherin des Weißen Hauses auf X (Twitter).

Israel äußert sich noch deutlicher. Die Regierung erwarte, „dass die russischen Strafverfolgungsbehörden die Sicherheit aller israelischer Menschen und Juden gewährleisten und entschieden gegen Randalierer und wilde Aufwiegelung gegen Juden uns Israelis vorgehen“, schreiben das Außenministerium und Ministerpräsident Netanjahu.

Nach Landung einer Maschine aus Israel: Antisemitischer Mob stürmt Flughafen

Erstmeldung vom 29. Oktober, 20.33 Uhr: Moskau – In Russlands muslimisch geprägtem Nordkaukasus ereignen sich antijüdische Übergriffe. In der Stadt Machatschkala in der Teilrepublik Dagestan drang eine Menschenmenge am Sonntagabend (29. Oktober) in den Flughafen ein, weil dort eine Maschine aus Tel Aviv gelandet war, in der wohl Geflüchtete aus Israel saßen. Zahlreiche Menschen liefen auch auf das Flugfeld. Der Flugplatz wurde vorübergehend geschlossen, ankommende Flugzeuge auf andere Flughäfen umgeleitet, wie die staatliche Flugaufsicht Rosawiazija der Agentur Tass zufolge mitteilte.

Antisemitischer Angriff auf Israelis in Russland – Flughafen gesperrt

Am Samstag (28. Oktober) umringte eine Menge aufgebrachter Menschen ein Hotel in der Stadt Chassawjurt in Dagestan, weil es das Gerücht gab, dort seien Geflüchtete aus Israel untergebracht. Die staatliche Agentur Ria bestätigte diesen Vorfall. Nach örtlichen Berichten drangen mehrere Dutzend Männer in das Hotel ein, um angeblich die Pässe der Hotelgäste zu kontrollieren. Die Polizei riegelte das Hotel ab.

Verschärft wird die Lage dadurch, dass die Evakuierungsflüge aufgrund des Israel-Kriegs für russische Staatsbürger aus Tel Aviv ausgerechnet im Nordkaukasus landen, nämlich auf den Flughäfen Machatschkala, Mineralnyje Wody und Sotschi. Im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern halten die russischen Muslime zu ihren palästinensischen Glaubensbrüdern.

In Naltschik wurden am Sonntag Reifen neben einem jüdischen Kulturzentrum im Bau angezündet, wie die Nachrichtenagentur Ria meldete. Das Gebäude wurde nach Angaben der Sicherheitsbehörden der Teilrepublik Kabardino-Balkarie mit extremistischen Lösungen beschmiert. Fotos zufolge stand dort „Tod den Juden“. In der Teilrepublik Karatschajewo-Tscherkessien riefen Demonstranten dazu auf, die örtliche jüdische Bevölkerung auszusiedeln.

Jüdinnen und Juden in Russland angegriffen – Republikchef verurteilt Vorfälle

Der Republikchef von Dagestan, Sergej Melikow, rief die Bevölkerung auf, sich nicht von Extremisten aufstacheln zu lassen, die die Lage destabilisieren wollten. „Wegen der Fakes, die von unseren Feinden verbreitet werden, waren einige noch ganz junge Leute drauf und dran, die Gesetze zu verletzen“, schrieb er auf Telegram. Auch die islamische Geistlichkeit der Region stellte klar: „Der Antisemitismus hat keinen Platz im multiethnischen Nordkaukasus.“

Wegen der Gewalt im Nahen Osten hatte sich Präsident Wladimir Putin vergangene Woche mit den Oberhäuptern der in Russland vertretenen Religionen getroffen. Dabei beschwor er ein friedliches Zusammenleben der Völker und Religionen in dem großen Land. Der Kreml forderte zudem kürzlich die Freilassung aller Hamas-Geiseln. Darunter könnten sich russische Agenten befinden. (asc/dpa)

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