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Jugendliche „extrem gefährdet“: Pädagogin erklärt massives Problem und No-Go für Eltern

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Zwischen zehn und 21 Jahren ist das Risiko immens. Weshalb es Jugendliche schwer haben und was Eltern tun können, erklärt Expertin Melanie Hauptmanns.

Frankfurt – Bin ich glücklich mit mir selbst? Eine Frage, die viele Menschen leider mit Nein beantworten – vor allem, wenn es um ihr Aussehen geht. Besonders heikel ist das für Jugendliche, die oft unrealistischen Idealen hinterherrennen, sagt Pädagogin und Lifecoach Melanie Hauptmanns im Gespräch mit IPPEN.MEDIA.

Unter dem Markennahmen „Fräulein Kurvig“ gilt Melanie Hauptmanns als bekannteste Expertin für Bodypositivity und Diversitätskommunikation in Deutschland. Sie gibt Coachings für Erwachsene und junge Menschen an Schulen und in Kindergärten. Einen Namen hat sie sich außerdem als Curvy-Model gemacht, wird oft als Plus-Size-Heidi-Klum bezeichnet. Ihre Erfahrungen verarbeitet Hauptmanns auch in Büchern, ihr aktuelles Werk mit dem Titel „Mein fettes Glück“ erschien im hansanord Verlag.

Hauptmanns erklärt: „Jugendliche zwischen 10 und 21 Jahren sind extrem gefährdet für suizidale Gedanken. Aussehen spielt dabei oft eine große Rolle.“

Teenager messen sich an unerreichbaren Vorbildern auf Instagram und TikTok

Hinzu kommt, dass unrealistische Ideale über Social Media noch größeren Einfluss auf Teenager haben, als früher. „Junge Menschen haben einen anderen Umgang mit Social Media, als ältere. Sie kommunizieren enorm viel übers Handy. Umso unbeobachteter sie damit umgehen, desto mehr verlieren sie den Bezug zur Realität“, warnt Hauptmanns.

Das Problem: Auf schicken Fotos bei Instagram oder kurzen Videos auf TikTok sehen Jugendliche optimierte Posen, teils nachbearbeitete Bilder und kurze Ausschnitte einer vermeintlichen Realität von Aussehen. Noch schlimmer, beobachtet die Pädagogin: „Oft werden Puzzlestücke verschiedener Menschen zusammengesucht und daraus ein Ideal gebildet, an dem man sich misst.“

Nicht zufrieden mit sich selbst: Auch Erwachsene kennen das Problem, Jugendliche sind allerdings deutlich mehr gefährdet. (Symbolbild)

Es sei wichtig, bewusst zu machen, dass kurze Einblicke aus Posts, nicht dem Alltag entsprechen. Aber Hauptmanns betont: „Für junge Menschen ist es schwer zu erkennen, dass das nur 15 Sekunden sind. Da liegt es an uns Eltern, Einfluss zu nehmen und zu erklären, dass das nicht normal ist.“

Mobbing und unrealistische Ideale gefährden Jugendliche: Pädagogin erklärt Rolle von Instagram und TikTok

Wer anders aussieht oder etwas dicker ist, hat es außerdem in der Schule meist schwer. Mobbing ist ein Dauerthema überall, sagt die erfahrene Pädagogin. „Ich höre Geschichten, da läuft mir ein Schauer über den Rücken – auch heute noch. Was die sich an den Kopf knallen …“

Und das beschränkt sich nicht auf die Schule. Gerade online findet Mobbing laut der Pädagogin schnell nochmal eine andere Dimension. „In sozialen Medien ist es heutzutage so einfach, jemanden öffentlich bloßzustellen.“

Pädagogin gibt Rat für Eltern – und nennt ein No-Go

Ihr Rat an Eltern: „Sie sollten den Kindern nicht einfach Social Media zugänglich machen, sondern sich aktiv damit auseinandersetzen. Sie sollten mit den Kindern besprechen, was sie posten und verschicken.“ Eltern müssten klarstellen, dass sie immer als Ansprechpartner für ihre Kinder gelten. Die Abmachung müsse sein: „Wenn es ein Problem gibt, kommst du zu mir! Viele Jugendliche schämen sich so sehr, dass sie nichts sagen und das können extreme Probleme sein.“

„Außerdem sollten Eltern darauf bestehen, auf den Plattformen mit ihren Kindern befreundet zu sein“, empfiehlt Hauptmanns. So können Eltern sehen, was ihre Kinder posten, ohne ihnen heimlich nachzuspionieren.

Ein No-Go für Eltern“ nennt die Pädagogin auch: „Gleichgültigkeit zeigen. Wenn ich meinen Kindern eine Waffe in Form eines Handys in die Hand gebe, muss ich auch dafür sorgen, dass sie weder zu Opfern noch zu Tätern werden.“ (moe)

Rubriklistenbild: © Zoonar.com/stefania/Imago

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