VonJulian Mayrschließen
Ein Blick auf die Wettermodelle zeigt: Das große Winter-Comeback ist im Frühling nicht zu erwarten. Dennoch kann es im März, April und Mai auch mal kühl werden.
Frankfurt – Nach gerade mal der Hälfte des Monats ist bereits klar: Der Februar 2024 wird als einer der mildesten Februar-Monate der Messgeschichte eingehen. Der auch sonst schon überaus milde Winter dürfte trotz leichter Abkühlung auch im restlichen Februar nicht mehr zurückkehren, es bleibt weiterhin fast frühlingshaft warm. Wird also auch passend zum meteorologischen Frühlingsbeginn am 1. März Frühlingswetter in Deutschland Bestand haben?
Wetter-Prognose für den Frühling: Rückkehr des Winters nicht in Sicht
Mit Blick auf derzeitige Prognosen des Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) und der US-Behörde National Oceanic an Atmospheric Administration (NOAA) geht Meteorologe Dominik Jung von keinem überaus milden Frühling aus. Zumindest im März und April kündigen sich keine derart überdurchschnittlichen Abweichungen vom langjährigen Temperaturmittel an, wie sie im Februar gemessen wurden.
Dennoch dürfte der kommende März insgesamt wärmer werden, als im langjährigen Mittel. Das bedeutet auch, dass eine Rückkehr längerer Frostperioden, wie sie im Februar schlicht nicht vorkamen, wohl auch im März nicht zu erwarten ist: „Ein richtiger März-Winter scheint sich laut aktuellen Trends nicht einzustellen“, erklärt Jung bei wetter.net. Der Hochwinter ist laut dem Meteorologen „so langsam aber sicher vorbei.“
So wird das Wetter im Frühling: Milder März könnte gefühlt relativ kühl ausfallen
Vor allzu großer Euphorie sei jedoch gewarnt. Denn auch ein überdurchschnittlich warmer März könnte gefühlt relativ kühl ausfallen. „Momentan ist der Februar so viel wärmer als ein normaler März, dass selbst ein leicht zu warmer März noch als zu kühl empfunden werden wird“, erklärt Wetter-Experte Jung gegenüber IPPEN.MEDIA.
Und der Meteorologe schließt auch einen Kaltlufteinbruch in den Frühlingsmonaten März und April nicht aus. „Ich glaube kaum, dass es jetzt acht, neun Wochen nur mit Wärme, Wärme, Wärme weitergeht. Irgendwann kommt die Kaltluft noch mal.“ Und auch wenn Monate im Durchschnitt als zu mild berechnet würden, kann es laut Jung dazwischen auch mal „zwei, drei oder vier kalte Tage“ geben, die dann aber von mehr milden Tagen im Mittel überwogen werden dürften.
Was ist die CFS-Vorhersage?
Für Wettervorhersagen werden unterschiedliche Modelle herangezogen. Im CFS-Modell (Climate oder Coupled Forecast System) des National Centers for Environmental Prediction (NCEP) fließen langfristige Beobachtungen, historische Daten, wie das Verhalten von großräumigen Wetterlagen in der Vergangenheit, sowie das Verhalten von Meeresströmungen mit ein, erklärt Jung. Auf Basis dieser Daten wird berechnet, ob das Wetter eines Monats oder einer Jahreszeit im Vergleich zum langjährigen Mittel wärmer oder kühler, bzw. niederschlagsreicher- oder ärmer sein dürfte.
Langfristige Prognosen liefern keine exakten Wetter-Vorhersagen
Den Monaten April und Mai attestieren die CFS-Modelle derzeit positive Abweichungen vom langjährigen Mittel, die sich in Deutschland im Bereich von 0,5 bis 1 Grad bewegen dürften. Was Niederschläge angeht, so tanzt der im Volksmund für sein wechselhaftes Wetter bekannte Monat im Vergleich zum Klimamittel nicht sonderlich aus der Reihe. Im Mai hingegen könnte es mancherorts etwas nasser werden, als üblich. Laut Jung sind auch noch mal Schneeschauer und kalte Tage möglich.
Doch ob und wann es nochmal kühler werden könnte, bleibt unklar: „Das weiß momentan kein Mensch. Und das taucht auch nicht in diesen Monatsprognosen auf“, sagt Jung, und klärt auf: „Wie das Wetter am Vormittag, am Nachmittag, in den nächsten Tagen wird, ob es Regen oder Schnee gibt und wie warm oder kalt es an einzelnen Tagen wird: Das kann so eine Klimaprognose nicht vorhersagen.“
Mittel- bis langfristig können Modelle wie das CFS lediglich abschätzen, ob die Durchschnittstemperatur und die Niederschlagsmengen eines Monats oder einer Jahreszeit über oder unter dem langjährigen Klimamittel liegen, so der Wetter-Experte. Im Hinblick auf den momentan sehr milden Winter haben die Modelle mit ihren Prognosen richtig gelegen. Für die konkrete Urlaubsplanung eignen sich die Modelle laut Jung dennoch nicht.
Wettervorhersagen wie der 100-jährige Kalender „an den Haaren herbeigezogen“
Manche Wettervorhersagen geben jedoch durchaus vor, auch weit im Voraus für bestimmte Tage das Wetter richtig vorauszusagen. Der 100-jährige Kalender liefert solche Vorhersagen auf Basis angeblich wiederkehrender Zyklen, und prognostiziert etwa für den Frühling sehr ungemütliches Wetter. Von Wetterprognosen anhand sich wiederholender Perioden hält Meteorologe Jung jedoch nichts: „Das ist Quatsch, alles an den Haaren herbeigezogen. Da ist nichts Wissenschaftliches dran.“ Auch der DWD hält fest, dass Vorhersagen wie jene des 100-jährigen Kalenders nicht wissenschaftlich begründet sind.
Auch Schlüssen, wonach auf den nun milden Winter ein rauer Frühling folgen müsste, erteilt Jung eine Absage. „Meteorologen können nicht aus einer Jahreszeit auf die nächste Jahreszeit schließen. Dem Sommer ist es völlig egal, wie der Winter in diesem Jahr gewesen ist.“
Rubriklistenbild: © Jan Eifert/Imago Screenshot NCEP (CFSv2)

