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El Niño heißt das Wetterphänomen, das sich nach Einschätzung von US-Forschenden in den nächsten Monaten verstärken könnte. Welche Szenarien drohen?
Frankfurt – Erhöhte Temperaturen im Pazifik, veränderte Luftströmungen – das kann auf das seit einiger Zeit erwartete Klimaphänomen El Niño hindeuten. Nach Einschätzungen von Expert:innen der US-Atmosphärenbehörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) würden die Fakten darauf hindeuten.
Durch El Niño stünde die Welt in den nächsten Monaten vor neuen Wetterextremen sowie Temperaturrekorden. „Je nach Stärke kann El Niño eine Reihe von Folgen haben, etwa das Risiko von starkem Regenfall oder von Dürren in bestimmten Weltregionen erhöhen“, heißt es von Klimaforscherin Michelle L‘Heureux in einer Mitteilung der NOAA. Was ist also konkret zu erwarten?
El Niño: Klimaphänomen hat bereits begonnen – weitere Wetterextreme als Folge?
El Niño, das ist eine Bezeichnung aus dem Spanischen und lässt sich mit „Christkind“ übersetzen. Im Wetterkontext sind hiermit ungewöhnliche, nicht zyklische Meeresströmungen im äquatorialen Pazifik gemeint. Das Klimaphänomen tritt etwa alle zwei bis sieben Jahre auf – und nimmt Einfluss auf das globale Wetter.
Laut der NOOA liegt ein deutlicher Hinweis auf einen beginnenden El Niño dann vor, wenn die Oberflächentemperatur des Wassers in bestimmten Regionen des Ozeans innerhalb kurzer Zeit stark ansteigt. Dies sehe die US-Atmosphärenbehörde aktuell als gegeben an. Denn die Temperaturen im zentralen Teil des tropischen Pazifiks lägen derzeit um 0,8 Grad Celsius über den langjährigen Durchschnittswerten. Das Wasser zwischen Peru und den Galapagos-Inseln ist sogar 2,3 Grad wärmer als sonst.
Zeichen auf nahenden El Niño verdichten sich – Klimaforschende machen Hinweise auf Klimaphänomen aus
Es gibt noch weitere Indizien. Zum Beispiel die sich zuletzt spürbar veränderten Wettermuster in der Pazifik-Region, wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet. Die sogenannte Walker-Zirkulation hat sich in den vergangenen Wochen stark verlangsamt, das ist für Klimaforscher ein entscheidendes Kriterium für einen El Niño.
Durch seine Wechselwirkung mit dem Jetstream beeinflusst ein El Niño das Wetter an vielen Orten auf der Welt. Gemeint sind hiermit Bänder von Höhenwinden, die sich in West-Ost-Richtung über den Globus strecken. Wenn also das Wasser im Pazifik rund um den Äquator erwärmt wird, steigt von dort auch mehr warme Luft auf, die Einfluss auf den Jetstream nimmt.
Stürme, Niederschläge, Waldbrände: Welche Folgen El Niño mit sich bringt – für die ganze Welt
Dies äußert sich wiederum in mehr Stürmen und mehr Niederschlägen, welche den südlichen Teil der USA erreichen. In Kanada hingegen wird es heißer. Das Risiko für Waldbrände steigt in Indonesien oder Australien, da diese Länder wie auch das Amazonas-Becken weniger Regen abbekommen.
Unter dem Einfluss von Wetterphänomen El Niño werden zudem die Winter in Mitteleuropa tendenziell wärmer. Und auch global, so die NOAA, sei in den nächsten Monaten mit weiter steigenden Temperaturen zu rechnen. Erschwerend hinzu komme nämlich auch noch der direkte Einfluss vom Klimawandel.
US-Expert:innen schätzen Wahrscheinlichkeit für „starken“ El Niño auf 56 Prozent ein
Das genaue Ausmaß der Folgen von El Niño sei aber noch nicht einschätzbar. Dies hänge schließlich von seiner Stärke ab. Und dafür seien wiederum die Temperatur-Anomalien im Pazifik entscheidend. Doch sind diese bereits jetzt groß. Dementsprechend schätzt die NOOA die Möglichkeit eines „starken“ El Niño aktuell auf 56 Prozent ein.
Bereits jetzt sei schon absehbar, dass El Niño bis zum Winter zunehmend an Stärke dazu gewinnen dürfte. Etwaige Wetterextreme, in denen sich dies äußert, sollten dafür sprechen. (Stand der Daten: 12. Juni 2023; han)
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