Demenz-Risiko aus der Kindheit

Könnte 720.000 Menschen betreffen: Charité-Forschende finden Faktor, der Risiko für Demenz erhöht

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In einer neuen Studie haben Forschende der Charité Berlin ein Risiko für Demenz aufgedeckt, das wohl bis zu 40 Prozent der Menschen in Deutschland betrifft.

Berlin – Demenz gehört zu den häufigsten Krankheiten in Deutschland. Rund 1,8 Millionen Menschen leiden hierzulande unter der Krankheit, berichtet das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Verschiedene Faktoren wirken sich auf das Demenz-Risiko aus, so sollte man ab einem bestimmten Alter sollte man keinen Alkohol trinken. Forschende des Berliner Traditions-Krankenhauses Charité fanden einen Risiko-Faktor, der bis zu 40 Prozent der Bevölkerung betrifft und vor allem bei Frauen häufig eine Rolle spielt.

Die Charité ist eins der größten und traditionsreichsten Krankenhäuser in Berlin. (Montage)

Forschende der Charité entdecken Risiko-Faktor für Demenz – bis zu 40 Prozent der Bevölkerung betroffen

Mit einem gesunden Lebensstil, ausgewogener Ernährung und Bewegung lassen sich viele Krankheitsrisiken vorbeugen, doch einige Faktoren liegen auch außerhalb der eigenen Kontrolle. So entdeckten Forschende einen Zusammenhang zwischen Demenz und einer Corona-Infektion. Erste Grundsteine für das Krankheitsrisiko werden offenbar sogar bereits in der Kindheit gelegt.

„Stress und Trauma während der Kindheit wie etwa Misshandlung oder Vernachlässigung, häusliche Gewalt, Substanzmissbrauch oder Kriminalität in der Familie oder der Verlust eines Elternteils – Erfahrungen dieser Art betreffen tatsächlich nicht wenige Menschen in unserer Gesellschaft“, erklärt Studienleiterin Prof. Christine Heim, Direktorin des Instituts für Medizinische Psychologie der Charité in einer Pressemeldung. Demnach berichten sogar bis zu 40 Prozent der Bevölkerung davon. Diese Stresserfahrung können molekulare und neurobiologische Spuren hinterlassen und das Hormon- und Immunsystem beeinflussen. Dadurch sei das Risiko für verschiedene Krankheiten – auch Demenz – deutlich erhöht.

Frauen bekommen häufiger Demenz: Studie erkennt „wichtige Zusammenhänge“

Die Studie legte ihren Schwerpunkt auf Demenz bei Frauen, da Frauen generell häufiger als Männer an Demenz erkranken, doch die Krankheit tritt grundsätzlich immer häufiger auf. Vor diesem Hintergrund „müssen wir besser verstehen lernen, welche Risikofaktoren beim Entstehen eine Rolle spielen“, sagt Prof. Matthias Endres, Direktor der Klinik für Neurologie der Charité. „Unsere Erkenntnisse werfen Licht auf bislang unerkannte, aber umso wichtigere Zusammenhänge.“ Man könne auch noch nicht schlussfolgern, dass Frauen mit frühen Stresserfahrungen stärker gefährdet seien als Männer mit frühen Stresserfahrungen.

Die 13 Risikofaktoren einer Demenz

Junge Frau hält sich eine Hand an die Ohrmuschel
Schlechtes Hörvermögen zählt ebenfalls zu den Demenz-Risikofaktoren – wenn es nicht behandelt wird. Wer erste Anzeichen von Schwerhörigkeit an sich bemerkt, sollte daher einen HNO-Arzt aufsuchen und sich bei Bedarf ein Hörgerät anpassen lassen. Dem NDR zufolge ist bisher nicht vollständig geklärt, warum schlechtes Hörvermögen zur Entwicklung einer Demenz beiträgt. Wahrscheinlich sei aber, dass der Hörverlust auch zu Veränderungen im Gehirn führe. Hirnfunktionen würden aufgrund des Hörverlustes vernachlässigt werden, die auch das Gedächtnis steuern.  © xufabizphotox/Imago
Junge blonde Frau, die im schattigen Tageslicht sitzt und mit ernstem, nachdenklichem Blick aus einem Fenster blickt.
Depressionen erhöhen das Risiko für eine Demenzerkrankung um das bis zu Sechsfache, wie das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend informiert. Umgekehrt sei auch das Risiko für depressive Störungen bei Menschen mit Demenz deutlich erhöht. Depression ist eine Krankheit, die richtig behandelt heilbar ist. Zögern Sie deshalb nicht, einen Mediziner aufzusuchen. Erste Anlaufstelle ist der Hausarzt. Dieser oder diese wird Sie an einen Psychologen oder Psychiater weiterverweisen.  © Lars Zahner/Imago
Ein Junge sitzt im Freien auf einer Treppe und nascht einen Snack. Daneben liegt sein Schulranzen.
Wie die Alzheimer Forschung Initiative informiert, gehen Forschende davon aus, dass weltweit 45 Prozent aller Demenzerkrankungen vermieden oder verzögert werden könnten. Eine gute Hirngesundheit sei der Schlüssel. Nicht nur die körperliche, auch die mentale Gesundheit steht hier im Fokus. Und auch der Bildungsgrad spielt eine wichtige Rolle. So steigert eine geringe Bildung nachweislich die Gefahr, eine Demenz zu entwickeln.  © Imago
Frau läuft am Strand entlang, man sieht nur ihre Füße und die Fußspuren im Sand
Wer sich sehr oft einsam fühlt, hat ebenfalls ein höheres Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Wie die Alzheimer Forschung Initiative weiter informiert hätten Studien gezeigt, dass Menschen, die ungewollt allein sind, ein bis zu doppelt so hohes Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken als sozial aktive Menschen. Regelmäßige soziale Kontakte halten uns nicht nur mental fit, sondern auch geistig. Gespräche trainieren etwa unsere Fähigkeit, Gehörtes zu verarbeiten und darauf zu reagieren. Auch die Schlagfertigkeit kann sich verbessern und gemeinsames Lachen stärkt das Immunsystem und schützt vor depressiven Verstimmungen. Wer dagegen häufig ungewollt alleine ist, fordert sein Gehirn weniger ausgiebig als Menschen, die häufig mit anderen interagieren.  © Imago
Junge Frau schaut bei Regenwetter durch das Fenster
Sie sehen schlecht? Ein Verlust der Sehkraft geht mit einem erhöhten Demenzrisiko einher. Stefan Teipel vom Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen in Rostock führt dies auch darauf zurück, weil der Verlust des Sehens oft dazu führt, dass sich Betroffene zurückziehen und sozial isolieren. Das habe einen Effekt auf die Hirn-Gesundheit, so der Experte dem SWR zufolge.  © Imago/imageBROKER/Frank Roeder
Diabetes Mellitus in bunten Plastiklettern, darüber liegt ein Stethoskop
Wie die Alzheimer Forschung Initiative informiert, haben Menschen, die im mittleren Alter an Diabetes erkranken, im Alter ein höheres Risiko für eine Demenzerkrankung. Dies sei für die beiden häufigsten Demenzerkrankungen, die Alzheimer-Krankheit und die vaskuläre Demenz, nachgewiesen. © sohel.parvez@hotmail.com/Imago
Frau steht am Fenster und raucht.
„Wer im mittleren Alter von 50 bis 60 Jahren täglich mehr als zwei Packungen Zigaretten raucht, ist im Vergleich zu Nichtrauchern doppelt so stark gefährdet, zwei Jahrzehnte später eine Demenz zu entwickeln“, zitiert das Portal Lungenärzte im Netz Professor Stefan Andreas, Ärztlicher Leiter der Lungenfachklinik Immenhausen. „Dieses Risiko hängt direkt von der Anzahl der gerauchten Zigaretten ab und steigt bereits deutlich (um 34 Prozent), wenn pro Tag mehr als eine halbe Packung Zigaretten geraucht wird“, erklärte der Fachmann unter Berufung auf eine internationale Studie. © Marat Safin/Blend Images/Imago
Flugzeug vom direkt neben der Autobahn liegenden Flughafen ueber dem Verkehr auf der A5
Luftverschmutzung durch kleinste Feinstaubpartikel steht in Zusammenhang mit einem erhöh­ten Demenzrisiko, wie das Ärzteblatt informiert. Das Fachblatt zitiert die Studie einer Arbeitsgruppe der Harvard Chan School of Public Health im British Medical Journal. Die Ergebnisse legen nahe, dass ein Anstieg der Feinstaubbelastung durch kleinste Partikel der Kategorie PM2,5 mit einem höheren Demenzrisiko einhergeht.  © S. Ziese/Imago
Mann trinkt Bier in einem Pub
Alkohol schädigt das Gehirn und erhöht entsprechend auch das Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Je mehr und je regelmäßiger man trinkt, desto größer die körperlichen Schäden. Französische Forscher fanden der Ärztezeitung zufolge heraus, dass Alkoholmissbrauch der mit Abstand wichtigste Grund für eine früh beginnende Demenz ist.  © lev dolgachov/Imago
Arzt misst Blutdruck
Auch ärztlich attestierter Bluthochdruck zählt zu den Risikofaktoren, die die Entwicklung einer Demenz fördern.  © Imago
Mann liegt auf dem Sofa und isst Chips.
Bewegungsmangel zählt zu den stärksten Demenz-Risikofaktoren – und auch zu den am einfachsten beeinflussbaren. Wer täglich einen halbstündigen Spaziergang macht, fördert die Hirngesundheit bereits enorm.  © Imago
Übergewichtige Frau hält zwei Hanteln
Starkes Übergewicht begünstigt eine ganze Reihe an Krankheiten, wie etwa Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch Demenz zählt dazu. Dem Ärzteblatt zufolge ermittelten Forscher ein um 71 Prozent erhöhtes Erkrankungsrisiko bei Menschen, die einen BMI zwischen 25 und 30 hatten. Adipöse Personen mit einem BMI von mehr als 30 hatten ein fast vierfach erhöhtes Risiko heißt es weiter.  © Zoonar.com/Sirijit Jongcharoenkulchai/Imago
Ein Blatt Papier, auf dem verschiedene Cholesterinwerte angegeben sind
Außerhalb der Norm liegende Cholesterinwerte werden nicht nur mit einem erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Auch die Gefahr, eine Demenz zu entwickeln, steigt mit hohem Cholesterinspiegel.  © Rüdiger Rebmann/Imago

Wichtig anzumerken ist jedoch auch, dass einige Menschen resilienter sind als andere, Lebenskrisen besser übersehen und deshalb trotzdem ein geringeres Risiko haben. „In weiterführenden Untersuchungen müssen nun die dahinterstehenden Mechanismen aufgeklärt werden, damit künftig die Pfade der Krankheitsentstehung mit geeigneten Therapien frühzeitig und gezielt unterbrochen werden können“, erklärt Heim. (kiba)

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