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Die Niederlande kämpft schon lange gegen das illegale Drogenmilieu. Die Bürgermeisterin von Amsterdam fordert nun einen Politikwechsel.
Amsterdam – Die Bürgermeisterin von Amsterdam, Femke Halsema, fordert eine Regulierung des Verkaufs und Konsums von Kokain in der Stadt. Dadurch soll krimineller Drogenhandel verhindert werden, durch den laut Halsema jährlich „Milliardengewinne“ erwirtschaftet würden.
Amsterdam will Kokain legalisieren: „Lächerlich, dass wir den Drogenhandel den Kriminellen überlassen“
In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP sagte die Bürgermeisterin: „Ist es nicht lächerlich, dass wir den Drogenhandel den Kriminellen überlassen und nicht versuchen, einen Weg für einen zivilisierten Markt zu finden?“ Neben einem regulierten Kokainmarkt sei auch ein Markt für Drogen wie Ecstasy möglich. „Man könnte sich vorstellen, Kokain in Apotheken oder über ein medizinisches Modell zu bekommen.“
Halsema zufolge brauche es einen anderen Umgang mit illegalen Substanzen wie Kokain, weil der Krieg gegen Drogen der kriminellen und milliardenschwere Unterwelt nichts entgegensetzt. Amsterdam ist derzeit einer der wichtigsten Umschlagplätze in Europa. In den Niederlanden wird schon länger verzweifelt gegen die kriminellen Banden gekämpft.
„Ich denke, dass einige Drogen gefährlich sind. Und ich denke auch, dass es klug ist, Drogenkonsum zu reduzieren. Aber ich merke auch, dass die Art und Weise, wie wir das tun, nicht hilft“, sagt Halsema. In Amsterdam seien derzeit 80 Prozent der Polizeiaktivitäten der Bekämpfung von Drogenkriminalität gewidmet.
Umstrittene Drogenpolitik: Legalisierungspläne für Amsterdam stoßen auf Kritik
Die Position der Bürgermeisterin ist in den Niederlanden und in der Region umstritten. Einer ihrer Kritiker ist unter anderem Bart De Wever, der Bürgermeister der belgischen Stadt Antwerpen, einem großen Einfallstor für Drogen in Europa. Auch der Bürgermeister von Rotterdam, Ahmed Aboutaleb, sieht das Vorhaben kritisch. Er appellierte unterdessen an Verbraucher und erklärte, dass jeglicher Konsum von Kokain kriminellen Banden helfe.
Die Amsterdamer Bürgermeisterin hält die Debatten über den Umgang mit Drogen für wenig produktiv. Ihr zufolge seien diese zu emotional und moralisierend. „Es gibt selten eine pragmatische oder wirtschaftliche Diskussion zu diesem Thema“, sagte Halsema. Für sie sei es keine Lösung, Konsumenten und Konsumentinnen wie Kriminelle zu behandeln. Sie verwies auf die Situation in den Vereinigten Staaten, wo das Gefängnissystem von der Anzahl an Drogendelikten überwältigt ist.
„Keine Alternative“: Bürgermeisterin von Amsterdam verteidigt neue Drogenpolitik
Aus Frustration über die mangelnde Bereitschaft der niederländischen Regierung, sich mit dem Thema zu befassen, hat Halsema die Debatte Anfang des Jahres auch auf internationaler Ebene angestoßen. Im Januar 2024 lud sie Bürgermeisterkollegen und Kolleginnen sowie Experten und Expertinnen zu einer Konferenz nach Amsterdam ein. Dort wurde darüber diskutiert „wie und nicht ob“ Städte Drogen regulieren sollten.
„Jeder, der ein bisschen über Wege nachdenkt, wie man den Einfluss der Drogenhändler wirklich reduziert, kommt zu diesem Schluss, dass es tatsächlich keine Alternative gibt“, sagte sie.
Im Interview erklärt der Drogentrendforscher Bernd Werse, warum Repression als Maßnahme gegen Drogenkonsum meist nicht erffektiv ist. (jus/afp)