In Kinderfeuerwehr engagiert

Magdeburg-Anschlag: Mutter in Trauer um Sohn (9) - „Das verspreche ich dir“

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Beim Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg stirbt auch ein Neunjähriger. Die Mutter trauert auf Facebook mit herzzerreißenden Worten.

Magdeburg – Fünf Menschen wurden durch den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg aus dem Leben gerissen. Dem jüngsten Todesopfer – einem neunjährigen Jungen – gab dessen Mutter nun für die Öffentlichkeit ein Gesicht. Auf einem bereits mehr als 180.000 Mal geteilten Facebook-Beitrag (Stand: 22.12. um 9 Uhr) trauert Désirée G. um ihren André.

„Lasst meinen kleinen Teddybär nochmal um die Welt fliegen… André hatte keinem was getan… er war doch erst 9 Jahre bei uns auf der Erde… wieso du… wieso nur… ich verstehe es nicht… nun bist du bei Oma und Opa im Himmel… sie haben dich sehr vermisst… so sehr wie wir dich nun hier vermissen… du wirst immer in unseren Herzen weiterleben… das verspreche ich dir“, schrieb die demnach aus dem baden-württembergischen Bühl stammende Frau samt einem roten Herzen und weinenden Gesichtern.

Trauer um André G. und die anderen Opfer: Am Magdeburger Weihnachtsmarkt wurden zum Gedenken an die Bluttat Kerzen, Blumen und Kuscheltiere niedergelegt.

Anschlag in Magdeburg: Trauer um neunjährigen André auf Facebook

Darunter folgen die Hashtags Anschlag, Magdeburg, Weihnachtsmarkt, Gerechtigkeit und fliegkleinerEngel. Auf einem dazugehörigen Foto lächelt ein Junge mit braunen Augen und dunklen Haaren dem Betrachter mit geschlossenem Mund entgegen. Es ist André.

Das jüngste von Désirée G.‘s fünf Kindern wollte sich am Freitagabend wie Tausende andere auf Weihnachtsmärkten im ganzen Land auf die besinnlichste Zeit des Jahres einstimmen. Nach dem letzten Schultag des Jahres dürfte er sich auf die freien Tage bis Anfang Januar gefreut und seinem zehnten Weihnachtsfest entgegengefiebert haben. Doch das wird er nun nicht mehr erleben.

In ihrer Trauer um André sind Désirée G. und die Familie nicht allein. Unter dem Post finden sich Dutzende Kommentare, unzählige weitere in Re-Posts ihrer emotionalen Abschiedsworte. Eine Wegbegleiterin schrieb: „Wir haben doch so toll mit unseren Kuscheltieren auf dem Balkon in der Kur gespielt. Danke, dass wir dich kennenlernen durften. Ich wünsche euch ganz viel Kraft.“

Besonders viele Reaktionen rief dieser Kommentar hervor: „Es ist unbegreiflich. André war für jeden nur ein kleiner Engel. Er hat in seinem kurzen Leben so viele Menschen bereichert mit seiner freundlichen Art und so viel Lebenslust.“ Vor allem Verwandte und Freunde melden sich zu Wort. Darunter eine Tante, die schrieb: „Wir werden dich immer im Herzen behalten, kleiner Neffe. Viel zu kurz war dein Leben.“

Weihnachtsmarkt-Anschlag in Magdeburg – Bilder zeigen die fürchterlichen Momente danach

Auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg ist am Freitagabend (20. Dezember) ein Autofahrer in eine Menschengruppe gerast. Erste Bilder zeigen Rettungskräfte im Einsatz.
Auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg ist am Freitagabend (20. Dezember) ein Autofahrer in eine Menschengruppe gerast. Erste Bilder zeigen Rettungskräfte im Einsatz. © Heiko Rebsch/dpa
Das Standbild aus einem Video zeigt Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei im Einsatz auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg.
Das Standbild aus einem Video zeigt Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei im Einsatz auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg.  © Thomas Schulz/dpa
Zunächst war die Rede von einem Toten auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt. Wenig später wurde die Zahl bereits von Medien korrigiert. Sowohl die Volksstimme als auch die Bild berichten mittlerweile von elf Todesopfern. Offiziell bestätigt wurde diese Zahl noch nicht. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff sprach gegen 22 Uhr von zwei Todesfällen.
Zunächst war die Rede von einem Toten auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt. Wenig später wurde die Zahl bereits von Medien korrigiert. Sowohl die Volksstimme als auch die Bild berichten mittlerweile von elf Todesopfern. Offiziell bestätigt wurde diese Zahl noch nicht. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff sprach gegen 22 Uhr von zwei Todesfällen. © Heiko Rebsch/dpa
Rettungskräfte kümmern sich um die rund 80 Verletzten auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg.
Rettungskräfte kümmern sich um die rund 80 Verletzten auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg. © Thomas Schulz/dpa
Der festgenommene Verdächtige in Magdeburg ist den deutschen Behörden nach Informationen aus Sicherheitskreisen bislang nicht als Islamist bekannt gewesen. Der Mann soll nach ersten Erkenntnissen etwa 50 Jahre alt sein und aus Saudi-Arabien stammen. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff bestätigte: „Wir haben den Täter gefasst. Es ist ein aus Saudi-Arabien stammender, in Sachsen-Anhalt arbeitender Arzt, der seit 2006 in Deutschland ist.“ Nach jetzigem Stand sei es ein Einzeltäter, das Verhör werde vorbereitet.
Der festgenommene Verdächtige in Magdeburg ist den deutschen Behörden nach Informationen aus Sicherheitskreisen bislang nicht als Islamist bekannt gewesen. Der Mann soll nach ersten Erkenntnissen etwa 50 Jahre alt sein und aus Saudi-Arabien stammen. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff bestätigte: „Wir haben den Täter gefasst. Es ist ein aus Saudi-Arabien stammender, in Sachsen-Anhalt arbeitender Arzt, der seit 2006 in Deutschland ist.“ Nach jetzigem Stand sei es ein Einzeltäter, das Verhör werde vorbereitet.  © Dörthe Hein/dpa-Zentralbild/dpa
Lauf Haseloff sei der Mann mit einem „Leihwagen mit Münchner Kennzeichen“ in die Menge am Magdeburger Weihnachtsmarkt gefahren.
Lauf Haseloff sei der Mann mit einem „Leihwagen mit Münchner Kennzeichen“ in die Menge am Magdeburger Weihnachtsmarkt gefahren. © Dörthe Hein/dpa-Zentralbild/dpa
Hier fuhr der Mann in die friedliche Menschenmenge: Die Karte zeigt den Ort des Weihnachtsmarktes in Magdeburg.
Hier fuhr der Mann in die friedliche Menschenmenge: Die Karte zeigt den Ort des Weihnachtsmarktes in Magdeburg. © dpa
Abgesichert und bewacht: Die Gegend um den Weihnachtsmarkt in Magdeburg ist nach dem Anschlag Hochsicherheitszone.
Abgesichert und bewacht: Die Gegend um den Weihnachtsmarkt in Magdeburg ist nach dem Anschlag Hochsicherheitszone. © Heiko Rebsch/dpa
Verbandsmaterial liegt auf dem Boden auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg.
Verbandsmaterial liegt auf dem Boden auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg.  © Dörthe Hein/dpa-Zentralbild/dpa
Einsatzkräfte versorgen die Opfer des Anschlags in Magdeburg.
Einsatzkräfte versorgen die Opfer des Anschlags in Magdeburg. © Heiko Rebsch/dpa
Der Bereich um den Magdeburger Weihnachtsmarkt ist nach dem Anschlag weiträumig abgesperrt.
Der Bereich um den Magdeburger Weihnachtsmarkt ist nach dem Anschlag weiträumig abgesperrt. © Foto: Heiko Rebsch/dpa
Der Weihnachtsmarkt in Magdeburg nach dem Anschlag. Trümmer und Papiere liegen auf dem Boden.
Der Weihnachtsmarkt in Magdeburg nach dem Anschlag. Trümmer und Papiere liegen auf dem Boden. © Heiko Rebsch/dpa
Polizisten sichern am Freitagabend (20. Dezember) den Bereich auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt ab. Derzeit wird der mutmaßliche Täter verhört. Er soll ein radikaler Islamkritiker sein, der aus Saudi-Arabien floh und seit 2006 in Deutschland lebte.
Polizisten sichern am Freitagabend (20. Dezember) den Bereich auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt ab. Derzeit wird der mutmaßliche Täter verhört. Er soll ein radikaler Islamkritiker sein, der aus Saudi-Arabien floh und seit 2006 in Deutschland lebte. © Hendrik Schmidt/dpa
Mehrere Objekte werden in Sachsen-Anhalt durchsucht, die mit dem Anschlag auf in Magdeburg in Verbindung stehen könnten. Darunter auch Häuser in Bernburg (Saale), wo der mutmaßliche Täter gelebt habe.
Mehrere Objekte werden in Sachsen-Anhalt durchsucht, die mit dem Anschlag auf in Magdeburg in Verbindung stehen könnten. Darunter auch Häuser in Bernburg (Saale), wo der mutmaßliche Täter gelebt habe. © Sebastian Willnow/dpa
Kanzler Olaf Scholz, Ministerpräsident Reiner Haseloff, Innenministerin Nancy Faeser und Verkehrsminister Volker Wissing äußern sich schockiert nach den Ereignissen am Freitagabend (20. Dezember).
Kanzler Olaf Scholz, Ministerpräsident Reiner Haseloff, Innenministerin Nancy Faeser und Verkehrsminister Volker Wissing äußern sich schockiert nach den Ereignissen am Freitagabend (20. Dezember).  © Christoph Soeder/dpa
Scholz und Haseloff nach Todesfahrt auf Weihnachtsmarkt in Magdeburg
Bundeskanzler Olaf Scholz und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff besuchen den Ort der tödlichen Attacke auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg. © Jan Woitas/dpa

Neunjähriger stirbt bei Anschlag auf Weihnachtsmarkt: André war Mitglied der Kinderfeuerwehr

Auch die Feuerwehr Schöppenstedt nimmt auf Facebook Abschied von André und macht auf diesem Weg öffentlich, wie er sich für andere Menschen einsetzte. Demnach war André Mitglied der Kinderfeuerwehr Warle aus dem niedersächsischen Landkreis Wolfenbüttel.

Seine Mutter meldete sich auch unter diesem Post mit emotionalen Worten. „1000dank für die überaus große Anteilnahme… er war so ein liebes kleines Menschchen… hat alle mit seinen rehbraunen Äuglein verzaubert… es schmerzt unendlich… wieso nur“, kommentierte Désirée G.

Bei Focus Online äußerte sich Andreas Kliebisch, Ortsbrandmeister der Gemeinde Warle: „Die Familie wohnt seit einem Jahr im Ort. Sie stammen aus Bayern. Sie sind voll integriert, Kinder und Eltern sind in Vereine im Ort eingebunden.“ Über André sagt er: „Er war ein sehr aufgeschlossener Junge, hilfsbereit, sehr gut erzogen. Seit rund einem halben Jahr ist er bei uns in der Kinderfeuerwehr.“

Eine Betreuung der Eltern sei innerhalb des kleinen Dorfes veranlasst worden. „Die Anteilnahme ist groß, es ist ein furchtbarer Schicksalsschlag“, ergänzt Kliebisch.

Der Tatort: In dieser Gasse auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt wurden Hunderte Menschen von dem Fahrzeug erfasst.

Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Magdeburg: Jugendfeuerwehr trauert um getöteten André

Die Niedersächsische Jugendfeuerwehr gedachte dem Jungen auf ihrer Homepage: „Besonders schmerzt uns der Verlust eines so jungen Lebens aus unseren eigenen Reihen. André, 9 Jahre alt und engagiertes Mitglied der Kinderfeuerwehr Warle, aus dem Bezirk Braunschweig, wurde durch diese sinnlose Tat aus dem Leben gerissen.“

Über Spendenkonten soll Geld für die Familie gesammelt werden, die in der eigentlich schönsten Jahreszeit besonders schwierige Tage durchleben muss. Weil ein mutmaßlicher Einzeltäter am Freitagabend einen Pkw auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt steuerte, um zwischen den Ständen hindurchzurasen, wo den Besuchern kaum eine Chance zum Entkommen blieb.

Die Hintergründe der Wahnsinnstat sind noch nicht aufgeklärt. Es wurde Haftbefehl gegen einen 50-jährigen Arzt erlassen, dem Mord und mehrfacher versuchter Mord vorgeworfen wird. Der Tatverdächtige soll aus Saudi-Arabien stammen, seit 2006 in Deutschland leben und in Bernburg wohnen. (mg)

Rubriklistenbild: © Facebook/Désirée G., IMAGO / Xinhua

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