Mangel an Personal in deutschen Kitas: Fachkräfteanteil nimmt ab
VonDiana Serbe
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Die Kita-Krise macht sich in Deutschland vor allem durch einen Mangel an Betreuern bemerkbar. Nun wird klar, dass es stellenweise auch an deren Qualifikationen mangelt.
Berlin – Nicht nur die Zahl der Betreuer in Kitas sinkt, auch deren Grundlagen zur Kindererziehung sind immer weniger ausreichend. Was das für den täglichen Umgang mit Heranwachsenden bedeutet.
Studie zu Erziehern: Jedes Bundesland hat andere Regelungen
Weniger Erzieher und dann auch noch weniger qualifizierte – So drastisch kann man die Personalentwicklung in deutschen Kitas über die Jahre zusammenfassen. Grundlage für diesen Schluss bildet der aktuelleLänderreport Frühkindliche Bildungssysteme für das Jahr 2023 der Bertelsmann Stiftung. Seit 2008 werden von der Stiftung in einem Ländermonitoring Daten und Fakten für den Bereich gesammelt und ausgewertet. Die zeigen, dass 2017 bundesweit in jedem dritten Kita-Team (32 Prozent) noch acht von zehn pädagogischen Fachkräften mindestens einen einschlägigen Fachschulabschluss aufwiesen. 2023 traf das nur noch auf rund jedes vierte Kita-Team zu (23 Prozent).
Das ist kein regionales Phänomen, in 13 von 16 deutschen Bundesländern ist diese Entwicklung sichtbar. Laut Bertelsmann Stiftung sei die am deutlichsten in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen ausgefallen. Mehr und mehr müssen Kitas wegen verfügbarer Betreuer komplett schließen. Eltern sind dann oft gezwungen, ihre Kinder wegen fehlender Kita-Plätze mit ins Büro zu nehmen.
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Die der Bundesregierung angehörende Arbeitsgruppe Frühe Bildung empfiehlt eine Fachkraftquote von 85 Prozent pro Kita-Team. Genau dort liegen aber unter anderem die Ursachen: Deutschland hat keine einheitlichen Standards für alle Bundesländer. Wegen des bereits bekannten Mangels soll das neue Kita-Gesetz ab 2025 Abhilfe schaffen und zu bundesweit einheitlichen Qualitätsstandards führen. Dieses sieht vor allem eine finanzielle Investition von 5,5 Milliarden Euro über die kommenden vier Jahre vor.
Grundlage für gute Erzieher nicht nur Ausbildung
Im dpa-Interview weist eine Mitautorin der Bertelsmann-Studie darauf hin, was zur formalen pädagogischen Qualifikation gehört. Demnach hätten einen einschlägigen Hochschul- oder Fachschulabschluss Erzieherinnen, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Heilpädagogen oder auch Kindheitspädagogen, so Kathrin Bock-Famulla. Der Expertin zufolge zählten Kinderpflegerinnen oder Sozialassistentinnen mit zweijähriger Ausbildung nicht dazu. Deutschland ist im Ländervergleich recht streng mit den Anforderungen an Pädagogen – zumindest in der Theorie, wenn es um Zulassung und darauf basierend Zuschüsse durch Kommunen geht.
Im Interview mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI) verweist eine Expertin allerdings darauf, dass innerhalb der Kitas weniger streng kontrolliert wird. Es gebe keine guten Aufschlüsse darüber, inwiefern die einzelne Arbeit der Teams zu einer guten frühkindlichen Bildung führe. Eine Art Pisa-Test für die Kleinsten wie zum Beispiel in den USA oder Großbritannien gibt es hierzulande nicht.
Je nach Bundesland wird zudem der Mangel unterschiedlich kompensiert, um den Anspruch auf einen Kita-Platz zu gewährleisten. Dort sind teils auch Quereinsteiger ohne Qualifizierung im Dienst. Die Bertelsmann-Studie zeigt, dass in Baden-Württemberg auch Hebammen oder Logopädinnen in der Kita im Dienst sind. In Niedersachsen könnten unter bestimmten Bedingungen auch Eltern oder Rentner erzieherisch tätig sein. In Bayern brauche eine Kitaleitung keine pädagogische Qualifizierung mehr.
Bestmögliche Kenntnisse für Erzieher
Wer sich als Begleiter der frühkindlichen Erziehung eignet, lässt sich nicht nur an den in der Theorie erlernten Methoden festmachen. Wichtig sei vor allem, dass sich die betreuten Kinder in der Phase des Heranwachsens gesehen fühlen. Laut dem Portal pro-kita.com sollen pädagogische Aktivitäten Kinder in ihrer Entwicklung bestmöglich stärken. Pädagogen sollten bestenfalls Expertise in folgenden Bereichen mitbringen:
Der Titel „Kita des Jahres“ ging 2024 nach Sachsen und zeigt am Beispiel, wie es in der preisgekrönten Einrichtung herausragend gut für den Nachwuchs läuft. (diase)