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Vitamin-D-Mangel erhöht Sterblichkeitsrisiko – Warum eine Gruppe besonders betroffen ist

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In der kalten Jahreszeit zeigt sich die Sonne nur selten. Die Folge bei vielen Menschen in Deutschland: Vitamin-D-Mangel. Ein zu niedriger Spiegel kann jedoch die Sterblichkeit erhöhen.

München – Besonders im Winter leiden viele Menschen in Deutschland an Vitamin-D-Mangel. Der Mensch produziert Vitamin D bei ausreichend Sonneneinstrahlung selbst, doch in der kalten Jahreszeit ist das in den hiesigen Breitengraden kaum möglich. Bei einigen schlägt das auf die Stimmung. Eine Studie zeigt noch weitreichendere Konsequenzen: Ein dauerhaft zu geringer Vitamin-D-Haushalt erhöht das Sterberisiko.

Sonnenstrahlen im Winter: Vitamin-D-Mangel kann gesundheitliche Folgen haben (Symbolbild).

Studie vergleicht Vitamin-D-Level von 78.000 Patienten mit Daten aus Sterberegister

Besteht ein Vitamin-D-Mangel kann der Körper kein Kalzium aus der Nahrung aufnehmen. Dann kommt es zur Entkalkung und letztendlich Erweichung der Knochen. Doch nicht nur das: Eine Studie der Medizinischen Universität Wien aus dem Jahr 2018 zeigte, dass ein dauerhafter Vitamin-D-Mangel auch die Sterblichkeit erhöht, insbesondere unter Diabetes-Patienten. Besonders Menschen jüngeren und mittleren Alters waren betroffen.

Das Forscherteam um Rodrig Marculescu nahm als Datenbasis 78.581 Patientinnen und Patienten, die zwischen 1991 und 2011 an der Abteilung für Laboratoriumsmedizin des allgemeinen Krankenhauses Wien eine Vitamin-D-Messung durchführen ließen. Die Probanden hatten ein Durchschnittsalter von 51 Jahren, 31,5 Prozent waren männlich. Diese Daten glich das Team dann mit dem österreichischen nationalen Sterberegister ab. Im Schnitt konnten die Forscher und Forscherinnen die Patienten über den Zeitraum von 10,5 Jahren verfolgen, im Maximum waren es 20 Jahre.

Das sind die Ergebnisse der Vitamin-D-Studie

Als gesunder Wert zogen die Forscher und Forscherinnen einen Vitamin-D-Spiegel von 50 nmol/L heran. Die niedrigen Werte legten sie bei 10 nmol/L und die hohen bei 90 nmol/L fest. Im Ergebnis zeigte die Studie, dass ein Vitamin-D-Spiegel von 10 nmol/L oder weniger das Sterberisiko um das Zwei- bis Dreifache erhöhte. Als besondere Risikogruppe erfassten die Forscher Patienten im Alter von 45 bis 60 Jahren, deren Wahrscheinlichkeit zu sterben durch einen Vitamin-D-Mangel um das 2,9-fache anstieg. Hohe Werte von 90 nmol/L oder mehr senkten indes die Sterblichkeit um 30 bis 40 Prozent. Den größten Effekt gab es erneut in der Altersgruppe der 45- bis 60-Jährigen.

Besonders Diabetes-Patienten profitierten der Studie zufolge von höheren Vitamin-D-Leveln im Blut. Ein Mangel des Vitamins erhöhte indes das Sterberisiko um das 4,4-Fache. Interessanterweise stellte die Studie für Patienten über 75 Jahren indes keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen Mortalität und Vitamin-D-Spiegel fest. Einen negativen Effekt durch eine zu hohe Konzentration von Vitamin-D im Blut konnten die Forscher in ihrer Untersuchung ebenfalls nicht ausmachen. Bislang waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass eine Überversorgung mit Vitamin-D zu einer Ablagerung von Kalzium in Nieren, Herz, Leber oder Blutgefäßen führen kann.

So viel Sonnenlicht braucht der Mensch

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, Gesicht, Hände und Teile von Armen und Beinen täglich zwischen 12 und 15 Uhr – je nach Hauttyp und Jahreszeit – 5 bis 25 Minuten der Sonne auszusetzen. Ist es zwischen 10 und 12 Uhr oder zwischen 15 und 18 Uhr, ist wegen der geringeren Sonnenstärke sogar die doppelte Dauer nötig. Glasscheiben halten UV-Strahlung ab. Es führt also kein Weg daran vorbei, an die frische Luft zu gehen, um die wichtige Sonnenration zu erhalten.

Gesundheitsrisiko Vitamin-D-Mangel: Sterblichkeitsrisiko erhöht

Vorherige Studien hatten besonders ältere Bevölkerungsgruppen unter die Lupe genommen, die oftmals Vitamin-D-Nahrungsergänzungsmittel erhalten, was eine Verzerrung der Ergebnisse zur Folge gehabt haben könnte. „Unsere Ergebnisse untermauern die Gründe für eine weit verbreitete Vitamin-D-Supplementierung zur Vorbeugung vorzeitiger Sterblichkeit, unterstreichen die Notwendigkeit einer frühzeitigen Einnahme und entschärfen die Bedenken hinsichtlich einer möglichen negativen Auswirkung bei höheren Werten“, so die Forscher und Forscherinnen der Universität Wien.

Die Bedeutung eines ausgeglichenen Vitamin-D-Haushalts untermauern auch weitere Studien. Einer im Juli 2023 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Untersuchung der Universität São Paulo zufolge, trägt Vitamin-D-Mangel zu einem Fortschreiten der diabetischen Nierenerkrankung bei. Diese Krankheit zählt zu den Hauptursachen für die Sterblichkeit von Diabetikern weltweit. Einer Krebserkrankung kann ein ausgeglichener Vitamin-D-Haushalt zwar nicht vorbeugen, reduziert das Sterberisiko aber merklich, wie eine Studie der Harvard Universität ergab. Wer an Krebs erkrankt, hat demnach mit ausreichend Vitamin-D im Blut höhere Überlebenschancen. Ein ausgeglichener Vitamin-D-Haushalt soll auch das Risiko einer Demenz-Erkrankung senken.

Rubriklistenbild: © dpa/dapd

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