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Das Borna-Virus ist eine Bedrohung für die Gesundheit: Eine Infektion kann tödliche Hirnentzündungen auslösen. Es gibt kaum Anzeichen im Frühstadium.
Berlin – Das seltene Borna-Virus (BoDV-1) versetzt Deutschland derzeit in Sorge, denn es kann lebensbedrohliche Hirnentzündungen verursachen. Trotz der geringen Fallzahlen führt die Infektion fast immer zu einem tödlichen Verlauf. Eine deutsche Region ist besonders betroffen, da dort das Virus bei mehreren Tieren nachgewiesen wurde.
Laut Robert Koch-Institut (RKI) ist das Virus in Deutschland nur in spezifischen Gebieten verbreitet, vor allem in ländlichen Regionen Bayerns. Der Ursprung des Virus im Tierreich liegt bei der Feldspitzmaus, die als Träger fungiert und das Virus über Speichel, Urin und Kot abgibt. Erst seit 2018 ist jedoch bekannt, dass auch Menschen von diesem Virus betroffen sein können – meist mit schweren und lebensbedrohlichen Folgen. Wie gelangt das Virus zum Menschen?
Gefährliches Borna-Virus: Eine Krankheit mit schnellem und tödlichem Verlauf
Die Hauptquelle für die Infektion ist die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon), die das Virus jedoch nur in bestimmten Regionen in sich trägt. Ein direkter Kontakt zu diesen Tieren ist nicht zwingend erforderlich, denn das Virus kann auch über kontaminierte Ausscheidungen auf Oberflächen oder in der Luft übertragen werden. Besonders gefährdet sind Menschen in Endemiegebieten in Bayern und angrenzenden Regionen. Laut RKI kann eine Infektion jedoch auch durch Reiseaktivitäten und den Kontakt mit infizierten Oberflächen erfolgen.
Eine Infektion mit dem Borna-Virus verläuft, laut RKI, meist innerhalb von Wochen tödlich, da es das zentrale Nervensystem angreift und eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) verursacht. Die ersten Anzeichen sind oft unspezifisch und äußern sich durch:
- Kopfschmerzen
- Fieber
- Allgemeines Unwohlsein
Sehr rasch entwickeln sich laut RKI jedoch schwerwiegende neurologische Symptome wie Sprach- und Gangstörungen, Verhaltensänderungen und im schlimmsten Fall Bewusstseinsverlust bis hin zum Koma. Der aktuelle Kenntnisstand zeigt, dass alle bisher diagnostizierten Fälle in einem fatalen Verlauf endeten. Eine Therapie gegen BoDV-1 existiert bislang nicht, und auch die Forschung in diesem Bereich steht noch am Anfang.
Prävention vor dem Borna-Virus in Deutschland: Wie kann man sich schützen?
Eine Diagnose ist aufgrund der unspezifischen Anfangssymptome und der Seltenheit des Virus besonders herausfordernd. Gewissheit über eine BoDV-1-Infektion gibt es oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit, wenn das Virus durch eine PCR-Untersuchung im Gehirnwasser oder Hirngewebe nachgewiesen wird. Frühtests oder Vorabdiagnosen sind aktuell nicht möglich.
Laut Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, das für die Diagnostik zuständig ist, sollten Ärzte bei unklaren Fällen einer Enzephalitis in Verdachtsfällen BoDV-1 als mögliche Ursache in Betracht ziehen. Laut RKI gibt es jährlich ungefähr fünf bis zehn akute Erkrankungen in Deutschland.
Trotz der geringen Wahrscheinlichkeit einer Infektion empfiehlt das Robert Koch-Institut Vorsichtsmaßnahmen, insbesondere in betroffenen Gebieten. Menschen sollten vermeiden, Spitzmäuse oder deren Ausscheidungen zu berühren. Das RKI rät zudem, tote Spitzmäuse nur mit Schutzhandschuhen und FFP2-Masken zu entsorgen und Flächen mit Desinfektionsmitteln gründlich zu reinigen. Bereits im November 2023 wurde eine Übertragung auf einen Menschen in Bayern bekannt. Katzen oder andere Haustiere gelten aber nicht als Virus-Überträger, so das RKI. (ls)
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