Notlage hätte wohl verhindert werden können

Mpox-Krise hätte vermieden werden können – beunruhigende Parallelen zu Corona

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Die WHO hat angesichts der Ausbreitung von Mpox (vormals Affenpocken) die höchste Warnstufe aktiviert. Hätte ein schnelleres Handeln die Krise verhindert?

Frankfurt – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen der Ausbreitung des Mpox-Virus, früher als Affenpocken bekannt, die höchste Alarmstufe ausgerufen. Besonders betroffen ist Afrika, wo weiterhin ein hoher Bedarf an Impfstoffen besteht. Die aktuelle Lage zeigt Parallelen zur Corona-Pandemie.

In Afrika werden dringend neue Impfdosen gegen Mpox benötigt. Industrieländern wird indessen vorgeworfen, Impfstoffe zu horten.

Mpox breitet sich interntational aus: Frühe Warnzeichen wurden ignoriert

Bereits 2017 gab es Berichte aus Nigeria über die Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Mpox-Virus. Trotz dieser frühen Warnzeichen und der endemischen Präsenz des Virus in West- und Zentralafrika blieben internationale Reaktionen und notwendige Finanzierungen – mit denen eine weitere Verbreitung womöglich hätte verhindert werden können – weitestgehend aus. Virologe Wolfgang Preiser von der Universität Stellenbosch betont im Gespräch mit der Welt, dass erst ab 2022, als Industrieländer betroffen waren, höhere Summen an Forschungsgeldern mobilisiert wurden.

Obwohl die WHO 2022 sogar eine erste „gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite“ aufgrund der Verbreitung von Mpox ausrief, kam es nicht zu einer erfolgreichen Bekämpfung. Nach der Beendigung der Notlage im Mai 2023 sprang die deutlich gefährlichere Virusvariante Klade I in Zentralafrika immer wieder auf den Menschen über. Und entwickelte sich laut einem Beitrag des Wissenschaftsmagazins Spektrum zu einer ansteckenderen Version, die jetzt auch außerhalb Afrikas entdeckt wurde. Das Problem sei laut Spektrum „lediglich notdürftig unter den Teppich gekehrt worden.“

Harrsche Kritik aus Südafrika: Mpox-Krise spiegele Fehler der Corona-Pandemie

Es wird zunehmend Kritik laut, die Reaktionen der westlichen Länder auf den Mpox-Ausbruch würden die Fehler der Corona-Pandemie widerspiegeln. Neben der verfehlten Eindämmung würden Impfstoffe gehortet und die eigenen Bevölkerungen priorisiert. Indessen warteten afrikanische Länder, in denen Mpox endemisch ist, weiterhin auf dringend benötigte Impfstoffe. Dies erinnert stark an die Vorwürfe einer „Impfstoff-Apartheid“ während der Corona-Pandemie – ein Begriff, den Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa prägte.

Der Präsident forderte die internationale Gemeinschaft auf, Vorräte an Impfstoffen und anderen medizinischen Gegenmaßnahmen für den Einsatz in Afrika zu mobilisieren. Er betonte die Notwendigkeit eines „fairen und gerechten Pandemieabkommens“. Afrikas oberste Gesundheitsbehörde, die Africa CDC, verfügt eigenen Angaben zufolge über rund 200.000 Impfdosen, benötige jedoch zehn Millionen Dosen.

Trotz der Parallelen gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen Mpox und Corona

Während die Gefährdung von Mpox-Ausbrüchen in Europa derzeit niedrig ist, müsse das Virus in Afrika zwingend eingedämmt werden, erklärt Virologe Prof. Dr. Hendrik Streeck bei IPPEN.MEDIA. „Mpox wird durch engen Haut-zu-Haut-Kontakt übertragen. Zum Beispiel beim Geschlechtsverkehr“, sagt Streeck. Hier liegt der entscheidende Unterschied zum Corona-Virus: Da Mpox nur durch sehr engen Kontakt übertragen wird, ist eine Ansteckung im Alltag unwahrscheinlich. Daher empfiehlt das Robert Koch-Institut eine Impfung lediglich bestimmten Personengruppen.

„Wenn ich mit meiner Familie einen Safariurlaub irgendwo in Afrika mache, dann ist es nicht vorstellbar, sich mit Mpox zu infizieren“, unterstreicht Professor Christoph Lübbert, Chefarzt für Infektiologie und Tropenmedizin am Sankt Georg Klinikum Leipzig gegenüber dem MDR. Vor allem aber im Ostkongo, wo über sieben Millionen Binnenflüchtlinge auf in Lagern auf engstem leben, breitet sich das Virus allerdings besonders schnell aus. Die schlechten hygienischen Bedingungen begünstigen die Verbreitung.

Mpox werden nicht mehr Affenpocken genannt

Die Krankheit hieß nur Monkeypox (Affenpocken), weil sie 1958 erstmals in Affen entdeckt wurde. Mit den Ausbrüchen in diesem Jahr haben Affen nichts zu tun. 2022 hat die WHO entschieden, die ursprüngliche Bezeichnung abzuschaffen. Zum einen wurde der neue Name, Mpox, gewählt, weil er in vielen Sprachen gut aussprechbar sei. Zum anderen soll durch die Umbenennung Diskriminierung gegen Tiere oder Länder verhindert werden.

Reaktion der WHO auf die Ausbreitung von Mpox sei ein „Hilferuf an die Welt“

„Sehen Sie sich nur die Überfüllung hier an“, sagte Mahoro Faustin, Leiter des Lagers von Bulengo, im Gespräch mit ZDF heute. Derzeit sei es überhaupt nicht nachvollziehbar, wie stark sich das Virus im Lager verbreitet. Seit etwa drei Monaten komme es zu vermehrten Krankheitsfällen mit Symptomen wie Fieber und Schüttelfrost – typische Symptome einer Mpox-Infektion – so Faustin weiter. Viele der in den Lagern lebenden Menschen hätten zudem ein schlechtes Immunsystem, was die Verbreitung weiter fördern würde, erklärt auch Katharina von Schroeder von Save the Children gegenüber der Welt.

Dass die WHO nun die höchste Alarmstufe ausgerufen hat, sei ein „Hilferuf an die Welt“, ist sich Chefarzt Lübbert sicher: „Helft den betroffenen Regierungen und Ländern, die damit nicht aus eigener Kraft zurechtkommen. Und gebt eingelagerte Impfstoff-Reserven frei, damit dieser Ausbruch, der im Moment noch gut beherrschbar ist, eingedämmt wird.“ (tt)

Rubriklistenbild: © Moses Sawasawa/dpa

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