Gesundheit

Neues Alzheimer-Medikament könnte Millionen Demenz-Patienten helfen – doch es gibt Risiken

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Ein spezielles Medikament für Alzheimer-Patienten wurde nach erneuter Prüfung zugelassen. Dabei gibt es allerdings Einschränkungen.

Amsterdam – Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Weltweit sind mehr als 55 Millionen Menschen von Demenz betroffen, informiert die Alzheimer Forschung (Stand: 2023). Die am häufigsten vorkommende Variante der Krankheit ist als Alzheimer bekannt. Nun gibt es für viele Patientinnen und Patienten einen neuen Hoffnungsschimmer: Für ein neues Medikament mit dem Antikörper Lecanemab ist der Weg in der EU nach erneuter Prüfung nun frei.

Im Juli hatte der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der European Medicines Agency (EMA) der EU sich noch gegen die Zulassung des Wirkstoffes Lecanemab und des entsprechenden Medikaments Leqembi ausgesprochen. Daraufhin hatte der Hersteller des Präparats, das japanische Pharmaunternehmen Eisai, eine Überprüfung der Entscheidung beantragt – mit Erfolg. Die EMA sprach der EU-Kommission am Donnerstag in Amsterdam (14.11) eine Empfehlung für das Präparat aus.

Alzheimer-Medikament kann Fortschreiten verlangsamen

Dabei gibt es allerdings Einschränkungen: Zum einen dürfen nur Patientinnen und Patienten mit einer leichten kognitiven Störung und einer leichten Beeinträchtigung von Denk- und Erinnerungsvermögen sowie Patientinnen und Patienten mit Alzheimer im frühen Stadium das Medikament bekommen. Zum anderen darf Lecanemab nur jenen Peronen verabreicht werden, die nur eine oder keine Kopie von ApoE4, einer bestimmten Form des Gens für das Protein Apolipoprotein E, aufweisen.

So wirkt das Alzheimer-Medikament Leqembi

Das Präparat Leqembi mit dem Wirkstoff Lecanemab ist ein Antikörper-Wirkstoff. Er nimmt das Protein Amyloid-beta ins Visier, welcher für die Alzheimer-Krankheit charakteristisch ist. Aus eben diesem Protein bestehen die Ablagerungen im Gehirn, die mit der Zerstörung der Nervenzellen im Zuge von Alzheimer in Verbindung gebracht werden.

Patientinnen und Patienten bekommen Leqembi als Infusion (Tropf) alle zwei Wochen direkt in die Vene verabreicht. Bevor es allerdings so weit ist, werden Patientinnen und Patienten per MRT untersucht. So sollen mögliche Nebenwirkungen wie Hirnschwellungen oder kleine Blutungen im Gehirn frühzeitig erkannt werden.

Quelle: Alzheimer-Forschung.de

Schwellungen und Blutgerinnsel im Gehirn – Nebenwirkungen bei bestimmten Patientinnen und Patienten

Bei Patientinnen und Patienten mit zwei Kopien dieses Proteins sei das Risiko für eine Schwellung oder Blutgerinnsel im Gehirn zu hoch, wenn sie Lecanemab einnehmen, so die EMA. In einer Mitteilung heißt es, zwar könnten die unter der Abkürzung ARIA (Amyloid-Related Imaging Abnormalities) zusammengefassten Symptome bei allen Patientinnen und Patienten mit Alzheimer-Krankheit auf natürliche Weise auftreten. Allerdings steige das Risiko durch die Einnahme von Arzneimitteln wie Leqembi bei Personen mit zwei Kopien von ApoE4 zu stark an.

Millionen Menschen sind im Alter von Demenz und Alzheimer betroffen. Ihnen könnte mit einem neuen Medikament geholfen werden. (Symbolbild)

Somit wird Leqembi in der EU nur für eine bestimmte Gruppe an Patientinnen und Patienten zugelassen, ähnlich wie in Großbritannien. Derzeit ist es unter anderem in den USA, Japan, China, Südkorea, Hongkong und Israel auf dem Markt.

Wer übrigens denkt, mit dem Lösen von Kreuzworträtseln etwas gegen Alzheimer zu tun, liegt leider falsch, sagt eine Expertin. (BeBau)

Rubriklistenbild: © Andrew Brookes/Imago

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