Eine aktuelle Studie zeichnet ein apokalyptisches Bild: Bis 2050 könnten elf Großstädte an der US-Küste unter Wassermassen verschwunden sein. Grund ist eine unheilige Allianz.
Washington – New York, New Orleans, Miami, Los Angeles: Rund 30 Prozent der Menschen in den USA leben an den Küsten des Atlantik, des Golf von Mexiko und des Pazifik, Tendenz steigend. Dies könnte sich schon sehr bald deutlich ändern. Forscher:innen haben nun eine Studie im renommierten Journal „Nature“ veröffentlicht, die damit rechnet, dass bis ins Jahr 2050 elf Großstädte an der US-Küste verschwunden sein könnten. Insgesamt 32 Küstenstädte – darunter auch New York und Miami – müssen mit regelmäßigen verheerenden Überflutungen rechnen. Mit ihrem Bericht appellieren sie an die US-Politik, jetzt die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, legen aber auch dar, warum ein gesellschaftlich-strukturelles Problem das Land sehenden Auges in eine Katastrophe führen wird.
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Klimawandel wird für katastrophale Überschwemmungen an den US-Küsten sorgen
New Orleans, 29. August, 2005: Hurrikane Katrina erreicht die US-Golfküste und bringt Zerstörung ungeahnten Ausmaßes mit sich. Die sechs Meter hohe Bugwelle, die der Sturm vor sich herschiebt, überflutet 80 Prozent des Stadtgebietes von New Orleans, eine Million Menschen aus der Metropole und den umliegenden Küstenorten fliehen in Richtung Norden, 1500 Menschen verlieren ihr Leben. „New Orleans ist wie eine Badewanne ohne Abfluss“, sagte Stephen Nelson, Professor für Geologie an der Tulane University in New Orleans damals gegenüber CNN. Und noch heute, 17 Jahre später, gibt es Regionen in den Bundesstaaten Louisiana und Mississippi, die sich noch immer nicht von der Naturkatastrophe erholt haben. Die Infrastruktur ist teilweise immer noch stark beschädigt.
Düstere Prognose: US-Küsten werden bis 2050 mit heftigen Überschwemmungen rechnen müssen
Atlantikküste
773 bis 951 Quadratkilometer Flutüberschwemmungen
Golfküste
528 bis 826 Quadratkilometer Flutüberschwemmungen
Pazifikküste
20 bis 40 Quadratkilometer Flutüberschwemmungen
Der Sturm Katrina und seine Folgen sind für das Forscher:innenteam eine Blaupause dessen, was immer wieder bis ins Jahr 2050 an der US-Küste zu erwarten ist. Ursache für solch apokalyptische Szenarien sehen die Forscher:innen in zwei Parametern, die ungünstig aufeinander einwirken: Zum einen gilt es als sicher, dass der Meeresspiegel entlang der US-Küsten bis 2050 um 0,25 bis 0,3 Meter ansteigen wird. Zum anderen kommt noch ein Phänomen hinzu, dem weithin recht wenig Beachtung geschenkt wird: der sogenannten Landsenkung.
Elf Küstenstädte in den USA drohen durch den Klimawandel bis 2050 zu verschwinden
In der aktuellen Studie kombinierten die Forscher:innen nun die Prognose der vertikalen Landbewegung (das Heben und Senken von Land) mit dem Anstieg des Meeresspiegels. Das Ergebnis ist, dass elf Küstenstädte akut gefährdet sind, von Fluten überrollt zu werden. Besonders betroffen ist die Golfküste mit ihren Mega-Städten New Orleans und Miami. Dort rechnet die Studie mit einem Überschwemmungsgebiet von rund 826 Quadratkilometern.
Die US-Politik, so eine Konklusion der Studie, mache viel zu wenig, um der drohenden Katastrophe entgegenzuwirken. Von zehn Städten an der US-Küste, die in dieser Studie untersucht wurden (mit Ausnahme von Miami), verfügen nur drei über Deichsysteme. Es braucht laut den Forscher:innen Hochwasserschutzsysteme, Dämme und Strategien, die Menschen vor den Fluten zu schützen – bisher sind die politischen Ambitionen diesbezüglich eher gering. Und das kommt möglicherweise nicht von ungefähr.
Ausgerechnet eine der strukturschwachen Regionen der USA, die Golfküste, ist den Folgen des Klimawandels und den drohenden Überschwemmungen nahezu schutzlos ausgeliefert. Dort leben vor allem Minderheitsgruppen: Personen, die sich als Schwarze identifizieren und Hispanoamerikaner:innen. In den besonders gefährdeten Gebieten machen Schwarze US-Bürger:innen über 60 Prozent der Bevölkerung aus. Marginalisierte und einkommensschwache Bevölkerungsgruppen haben laut diverser, wissenschaftlicher Studien, die auch die aktuelle Studie anführt, große Schwierigkeiten, sich den bestehenden Gefahren anzupassen und sich von Naturkatastrophen wieder zu erholen. Wiederaufbauhilfen kommen nicht an, Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit bleiben gleichbleibend hoch. Der Klimawandel potenziere die Ungleichheit, kommt auch die Hochwasserstudie zum Schluss.
US-Wahlen in diesem Jahr: Prognose für den Kampf gegen Klimawandel ist schlecht
Dieses Jahr wählen die USA einen neuen Präsidenten. Präsident Joe Biden hat das Thema Klimawandel zu einem zentralen Wahlkampfthema gemacht. Die Republikaner nehmen es nur bedingt ernst. Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Donald Trump, glaubt nicht an Kipppunkte und weitreichende Veränderungen durch den Klimawandel. Er hat bereits angekündigt, alles wieder rückgängig zu machen, was Präsident Biden in seiner Amtszeit zum Thema Klimaschutz auf den Weg bringen wird. Trumps Umfragewerte sind derzeit hoch. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass die Studie und die damit verbundene Warnung ungehört verhallt.