Letzte Kräfte mobilisiert

Osterpredigt nur Stunden vor seinem Tod: Arzt erklärt Rätsel um Papst Franziskus

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Papst Franziskus mobilisierte trotz ernster Erkrankung seine verbleibenden Kräfte, um den Ostersegen zu spenden. Ein Blick auf seinen wirklichen Gesundheitszustand.

Rom – Dass Papst Franziskus (†88) so kurz nach seinem letzten öffentlichen Auftritt am Ostersonntag (20. April) starb, verwunderte etliche Zuschauer live vor Ort und vor den Bildschirmen. Tausende Gläubige hatten sich wohl Hoffnung auf eine Genesung gemacht. Nur Stunden später aber kam die Schocknachricht über seinen Tod. Ein Mediziner erklärt, wie das möglich ist.

Papst Franziskus: Unerwarteter Auftritt zur Osterpredigt sorgte für Diskussionen

Der Petersplatz war gefüllt mit zehntausenden Gläubigen, als Papst Franziskus am Sonntag vor seinem Tod noch einmal einen letzten öffentlichen Auftritt hatte. Seit Monaten durch eine schwere Lungenerkrankung geschwächt, hatte der Papst viele bedeutende Veranstaltungen ausgelassen, um seine Kräfte zu wahren. Doch am Ostersonntag wurde er im Rollstuhl auf die Mittelloggia des Petersdoms geschoben, um den Ostersegen zu spenden. Mit brüchiger Stimme, aber voller Entschlossenheit, sprach er zu den Gläubigen, die ihn mit Sprechchören feierten. Wenige Stunden später starb er. Wie ist das möglich?

Papst Franziskus ist tot – die ersten Bilder vom offenen Sarg

Papst Franziskus ist tot
Einen Tag nach dem Ableben von Papst Franziskus hat der Vatikan erste Bilder des verstorbenen Kirchenoberhaupts veröffentlicht. © Juni Kriswanto/Vatikan/AFP
Papst Franziskus gestorben - Aufbahrung im Vatikan
Ab Mittwoch können Gläubige im Petersdom Abschied an dem Sarg nehmen. © Vatican Media/Vatican Media/AP/dpa
Papst Franziskus gestorben - Aufbahrung im Vatikan
Der tote Papst Franziskus liegt nun in der Kapelle seiner Residenz Santa Marta im offenen Sarg. © Vatican Media/Vatican Media/AP/dpa
Papst Franziskus ist tot – erste Bilder im Sarg
Der Leichnam liegt in einem offenen Sarg, flankiert von Mitgliedern der Schweizergarde. © Vatikan/AFP
Papst Franziskus ist tot – erste Bilder im Sarg
Papst Franziskus starb am Ostermontag (21. April) an den Folgen eines Schlaganfalls, wie der Vatikan mitteilte. © Vatikan/AFP
Papst Franziskus gestorben - Aufbahrung im Vatikan
Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella und seine Tochter Laura beten vor dem Leichnahm von Papst Franziskus. © -/Vatican Media via AP/dpa
Der verstorbene Papst Franziskus liegt aufgebahrt in der Kapelle seines letzten Wohnsitzes.
Der verstorbene Papst Franziskus liegt aufgebahrt in der Kapelle seines letzten Wohnsitzes. © Vatican Media/afp
Ein Rosenkranz liegt auf den Händen des toten Papstes. Das ist Teil der traditionellen katholischen Totenrituale, besonders für hohe geistliche Würdenträger wie den Papst.
Ein Rosenkranz liegt auf den Händen des toten Papstes. Das ist Teil der traditionellen katholischen Totenrituale, besonders für hohe geistliche Würdenträger wie den Papst. © Vatican Media/afp
Papst Franziskus gestorben - München
In vielen Kirchen stehen Bilder des gestorbenen Papstes, es liegen Kondolenzbücher aus. © Felix Hörhager/dpa
Nach dem Tod von Papst Franziskus nehmen Mensch auf dem Petersplatz Abschied.
Nach dem Tod von Papst Franziskus nehmen Mensch auf dem Petersplatz Abschied.  © IMAGO/Jakub Porzycki
Papst Franziskus überraschte noch am Ostersonntag mit einer Fahrt mit dem Papamobil über den Petersplatz.
Papst Franziskus überraschte noch am Ostersonntag mit einer Fahrt mit dem Papamobil über den Petersplatz.  © Andrew Medichini/dpa
Papst Franziskus gestorben - Vatikan
Vor dem Petersdom wird Gläubigen mitgeteilt, am wann sie den aufgebahrten Papst Franziskus sehen können. © Christoph Reichwein/dpa
Papst Franziskus gestorben - Petersplatz
Am Abend beteten Tausende auf dem Petersplatz für den toten Papst. © Oliver Weiken/dpa
Ein Bild des verstorbenen Papstes Franziskus wird auf den Obelisken in Buenos Aires, Argentinien, projiziert.
Ein Bild des verstorbenen Papstes Franziskus wird auf den Obelisken in Buenos Aires, Argentinien, projiziert.  © Gustavo Garello/dpa
Jose H. Gomez, Erzbischof von Los Angeles, sitzt hinter einem Bild von Papst Franziskus während eines Gottesdienstes zu Ehren des Papstes in der Kathedrale Our Lady of Angels.
Jose H. Gomez, Erzbischof von Los Angeles, sitzt hinter einem Bild von Papst Franziskus während eines Gottesdienstes zu Ehren des Papstes in der Kathedrale Our Lady of Angels.  © Damian Dovarganes/dpa

Das Phänomen, dass Sterbende kurz vor ihrem Tod noch einmal eine Phase der Klarheit oder Aktivität erleben, ist medizinisch bekannt. Dr. Michael Denkinger, Internist und Palliativmediziner, beschreibt es bei t-online.de als nicht ungewöhnlich, dass Menschen kurz vor ihrem Tod letzte Kräfte mobilisieren können. Diese Phase kann durch eine plötzliche Verbesserung der Symptome oder durch eine verstärkte kognitive Klarheit gekennzeichnet sein. Denkinger erklärt, dass es verschiedene medizinische Hintergründe für dieses Phänomen gibt, darunter hormonelle oder neurologische Reaktionen des Körpers.

Papst Franziskus: Todesursache Schlaganfall – Eine Obduktion wird es aber nicht geben

Als offizielle Todesursache von Papst Franziskus wird ein Schlaganfall angegeben, der den Pontifex am Ostermontag ereilte. Gegen 6 Uhr sei er noch erwacht, danach verschlechterte sich sein Zustand und er fiel ins Koma, so italienische Medien. Sergio Alfieri, der das medizinische Team des Papstes leitet, erklärte in einem Interview mit dem Sender Tg1: „Als ich in Santa Marta ankam, war er noch am Leben. Seine Augen waren offen, er bekam Sauerstoff und eine Infusion, aber er war nicht bei Bewusstsein. Ich hörte beide Lungenfelder ab, es gab kein Atemproblem: Er war am Leben, aber im Koma.“

Dr. Denkinger weist darauf hin, dass es bei älteren Menschen mit multiplen Vorerkrankungen oft schwierig sei, eine genaue Todesursache zu bestimmen. Eine Obduktion, die Klarheit bringen könnte, ist bei Päpsten nicht üblich, sofern von einer natürlichen Todesursache ausgegangen wird. Dies liegt an den traditionellen Praktiken des Vatikans. Papst Franziskus‘ letzter Wunsch im Testament sorgt nun für Aufsehen.

Franziskus wurde zunächst in der Kapelle seiner Residenz Santa Marta im Vatikan aufgebahrt.

Papst Franziskus starb friedlich – Zustand hätte nicht mehr stabilisiert werden können

Der Ausdruck „friedlich eingeschlafen“, den italienische Medien verwendeten, beschreibt einen Tod ohne offensichtliche Schmerzen oder Unruhe. Dr. Denkinger erklärt, dass dieser Zustand oft mit einer Bewusstlosigkeit einhergeht, wie sie bei einer schweren Sepsis oder einem Schlaganfall auftreten kann. In solchen Fällen wirkt der Tod ruhig und ohne sichtbare Anzeichen von Leiden. Die Symptome, die dafür sprechen, könnte allerdings nur eine Obduktion zeigen.

Auch die Lungenerkrankung und das irreversible Nierenleiden sind für Palliativmediziner Denkinger Anzeichen dafür, dass der Gesundheitszustand von Papst Franziskus nicht mehr hätte stabilisiert werden können. Das zeigt auch die Mitteilung der Ansa. Demnach sollte Papst Franziskus noch in das Gemelli-Krankenhaus verlegt werden. Der Vatikan habe bereits einen Begleitdienst angefordert. Dieser sei zwar noch vor 7.30 eingetroffen, die Verlegung aber innerhalb der nächsten Minuten noch storniert worden. Um 7.35 wurde der Tod des Pontifex festgestellt. Die Wahl zum Papst-Nachfolger zeigt bereits jetzt, welche Kardinäle Einfluss im Vatikan haben. (diase)

Rubriklistenbild: © Gregorio Borgia/dpa

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