VonRobin Dittrichschließen
Robert Francis Prevost ist der erste Papst aus den USA. In der Vergangenheit musste sich Papst Leo XIV. mit ernsthaften Vorwürfen auseinandersetzen.
Rom – Nach nur vier Wahlgängen des Konklaves steht Robert Francis Prevost als 267. Pontifex fest. Künftig ist er unter dem Namen Papst Leo XIV. das neue Oberhaupt der katholischen Kirche. Trotz der Freude vieler, ist seine Laufbahn nicht frei von Belastungen.
Vorwürfe gegen Papst Leo XIV. – der weist Anschuldigungen zurück
Der Nachfolger von Papst Franziskus ist der erste US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri. Der 69-Jährige aus Chicago entschied sich kurz nach seiner Wahl für den Namen Leo XIV. – Donald Trump gratulierte bereits. Zu den Favoriten hatte er im Vorfeld nicht bei allen Experten gezählt, unter vielen gilt er als Kompromiss zwischen den verschiedenen Parteien sowie als Signal der Einheit. In der Vergangenheit kam seine Laufbahn in der katholischen Kirche allerdings schon einmal ins Stocken.
Bereits seit Mitte der 1980er Jahre erhält der sexuelle Missbrauch in der Kirche weltweit größere Aufmerksamkeit. Alleine in Deutschland wurden tausende Fälle innerhalb der katholischen Kirche bekannt, weltweit waren es deutlich mehr. Prevost wurde vorgeworfen, in seiner Zeit in Chicago sowie als Bischof in Chiclayo Missbrauchsfälle nicht konsequent verfolgt zu haben.
Papst Leo XIV. ist einer von sechs prominenten Kardinälen, die erst im März dieses Jahres von der internationalen Missbrauchsopfer-Vereinigung Snap angezeigt wurden. Neben ihm stehen Peter Erdö, Victor Fernandez, Mario Grech, Luis Tagle und Kevin Farrell im Fokus. Snap steht für Survivors Network of those Abused by Priests (Netzwerk von Überlebenden, die von Priestern missbraucht wurden). Der neue Papst bestritt die Vorwürfe vehement, auch die Diözese in Chiclayo wies die Anschuldigungen zurück.
Die Betroffeneninitiative „Eckiger Tisch“ erwartet vom neuen Papst Leo XIV. strukturelle Veränderungen in der katholischen Kirche. „Die Herausforderungen sind groß. Die notwendigen strukturellen Veränderungen reichen von der Reform des Kirchenrechts, die Einführung von klaren Verfahren und transparenten Prozessen, wenn es um den Umgang mit Verdachtsfällen geht, hin zu einer veränderten Haltung der katholischen Kirche zur menschlichen Sexualität“, sagte der Sprecher der Initiative, Matthias Katsch.
Papst Leo XIV. spricht sich gegen die Weihung von Frauen aus
Bei vielen Experten gilt Prevost als Franziskus-naher Mensch. Wie sein Vorgänger spricht sich auch Papst Leo XIV. für ein entschiedenes Handeln gegen den Klimawandel aus. Obwohl er die Kirche transparenter und offener für die Stimmen der Gläubigen gestalten will, lehnt er einige Reformen strikt ab. Dazu gehört unter anderem die Weihung von Frauen für kirchliche Ämter. Ein solches Vorgehen halte er für keine Lösung, da Frauen bereits zentrale Rollen in der Kirche innehätten.
Als Robert Francis Prevost wurde der neue Papst im Jahr 1955 in Chicago als Sohn von Eltern mit französisch-spanisch-italienischen Wurzeln geboren. Obwohl er zunächst Mathematik studiert hatte, trat er im Jahr 1977 dem Augustinerorden bei, 1982 folgte die Weihung zum Priester. Da er ab Mitte der 1980er Jahre vor allem als Missionar in Peru tätig war, wird ihm eine lateinamerikanische Prägung nachgesagt.
Neuer Papst Leo XIV.: Vatikan veröffentlicht die ersten Bilder nach der Wahl




Im Jahr 2015 folgte die Ernennung zum Bischof von Chiclayo, einer Diözese im Norden von Peru. 2023 wurde er dann zum Leiter des mächtigen Dikasteriums für die Bischöfe ernannt – noch im selben Jahr erhielt er den Kardinalshut. Prevost hatte das Scheinwerferlicht daraufhin eher gemieden, in kirchlichen Kreisen gilt er als pragmatisch und gemäßigt, schreibt repubblica.it. In der katholischen Kirche wird Papst Leo XIV. als Vermittler zwischen den Kulturen und Generationen betrachtet. (rd/dpa)
Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/AP | Markus Schreiber

